Ein Wochenende in Sofia

Ein Wochenende in Sofia

Von Nürnberg nach Sofia mit Wizzair

Wizzair FlugzeugNeuerdings fliegt Wizzair von Nürnberg nach Sofia. Was liegt da näher, als sich diese unbekannte Stadt einfach mal anzuschauen? Gesagt gebucht. Am Flughafen konnte ich noch beobachten, dass Wizzair die Handgepäck Regel tatsächlich sehr ernst nimmt. Es ist die einzige Airline, die ich kenne, die „normales Handgepäck“ als „Groß“ bezeichnet. Inklusive ist nur „kleines Handgepäck“. Deswegen habe ich diesmal auch meinen Standard-Handgepäck-Koffer eingecheckt. So hat mein Oneway Billig Flug immerhin doch gut 70 € gekostet. Aber gut, hier bin ich. Freitag um 16 Uhr ging es los und knapp 2h später war ich auch schon in Sofia. Eine Stunde Zeitverschiebung mit eingerechnet, war ich also um 19 Uhr am Flughafen in Sofia. Wie das  das immer so ist, landen die Billigflieger zu denen Wizzair eindeutig zählt nicht unbedingt auf den besten Plätzen eines Flughafens. So kam es dass, wir an Terminal 1 vom Flughafen Sofia ankamen. Ich muss sagen, Terminal 1 scheint das Stiefkind vom Flughafen zu sein. Das Terminal ist leicht aus der Zeit und ungepflegt. Zur Ausstattung zählt eine kleine Cafeteria und ein Geldautomat, an dem sich eine lange Schlange gebildet hat. Direkt nach durchqueren des Zolls warteten schon die Taxi-Schlepper vor denen mich das Internet schon gewarnt hatte. Seriös sahen sie nicht wirklich aus. Da ich mich aber vorher informiert habe, wusste ich schon, dass die einzigen vertrauenswürdigen Taxis am Flughafen, die vom regulären Taxistand sind. Ich hatte sowieso andere Pläne.

Mit der Metro in die Stadt

Seit einiger Zeit fährt nämlich eine Ubahn bzw. Metro Linie 1 zum Flughafen und auch wieder zurück. Gut vorbereitet wie ich war, wusste ich, dass ich einfach nur in die Metro einsteigen und nach 13 Stationen wieder aussteigen muss. Soweit die Theorie. Ich mache leider immer wieder den Fehler mich nicht für das Terminal zu interessieren, an dem ich ankomme. Ihr ahnt es, die Metro fährt an dem guten Terminal – dem Terminal 2 – ab. Nicht aber am Stiefkind Terminal 1. Kein Problem, kurz gegoogelt, es gibt einen kostenlosen Shuttlebus, der alle halbe Stunde fährt. Inzwischen kam ich mit ein paar anderen Deutschen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass der Shuttle nur bis 18.30 Uhr fährt. Wir standen nun aber an der regulären Bushaltestelle für die Linie 84. Auch kein Problem, es sah nämlich aus als würde diese an Terminal 2 vorbei fahren. Der Bus kam und als wir (inzwischen fünf) Deutschen nacheinander dem Busfahrer unsere 50 Lewa Scheine hinhielten, kam das nächste Problem. Für eine Busfahrt die 1,60 Lew kostet, war das zu viel. Der Busfahrer hatte kein Wechselgeld und war in Eile. Es war ihm offensichtlich aber auch egal. Da wir nur bis Terminal 2 fahren wollten, war es uns dann auch egal. Wir würden ja von da sowieso ein Metro Ticket kaufen. Nach einer Weile und einigen angespannten Blicken auf google maps, wurde uns dann klar, dass dieser Bus nicht zum Terminal 2 fährt. Da es aber in die richtige Richtung – Zentrum – ging, blieben wir drin. Letztlich sind wir also ohne Fahrschein bis Endhaltestelle Sofia Universität mitgefahren und von dort in die Ubahn. Der Automat der Metro nahm auch keine Scheine, Kreditkarte sowieso nicht, aber am Schalter wurde dann alles gut. So bin ich dann die letzten 2 verbliebenen Stationen Metro bis Opalchenska gefahren. Von hier aus hatte ich noch 10 Minuten zu laufen und schon war ich in meinem Hotel. Ich hatte mir ein günstiges 4* Hotel in der Nähe des Zentrums gebucht und bin im Best Western Plus Bristol gelandet.

Das Hotel ist ganz ordentlich, es liegt an einer großen herunter gekommenen Straße, aber das Bett ist bequem, Wlan war gut, das Zimmer ist sauber. Frühstück ist auch dabei, aber nicht ganz mein Geschmack.

Unterwegs in Sofia

Abends hab ich mir dann gleich noch die Kamera geschnappt und hab ein wenig die Stadt erkundet… zu meinem Talent gehört, dass ich nach 500m in eine – sagen wir mal – „Bulgida“ Demonstration nahe der Kirche „Sveta Petka Samardzhiyska“ geraten bin. Mitten durch das so genannte Dreieck der Toleranz, vorbei an der Banja-Baschi-Moschee. Wo bin ich da nur wieder gelandet?

Aber gut, ich hab zufrieden festgestellt, dass es nicht viele waren. Schon kurz danach war ich beeindruckt, von den freigelegten Resten von der alten Römersiedlung Serdica, die erst im April 2016 eröffnet wurde.

Römersiedlung Sofia

Samstag bin ich den ganzen Tag quer durch die Stadt gelaufen, aber das gehört für mich dazu, wenn ich eine Stadt erkunde. Am liebsten durchstolpern und um die nächste und übernächste Ecke schauen. Der Schrittzähler hat abends ca. 30.000 Schritte angezeigt. Ich hab mich hauptsächlich zwischen der Mall of Sofia und der Alexander Newski Kathedrale bewegt. An einigen Orten bin ich sicherlich dreimal vorbei gelaufen, aber ich habe viel interessante Dinge gesehen. Ursprünglich wollte ich noch zu der „Position Chrome Label Night“ in dem Club Mixtape 5 – aber dann war ich leider doch zu müde.

Alexander Newski Kathedrale in Sofia
Die Alexander Newski Kathedrale in Sofia ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten.

Nachdem ich Samstag ja schon die ganze Innenstadt abgelaufen hatte, überlegte ich mir für Sonntag Ausflüge. Zuerst ging es (nochmal durch die Stadt) zum Sense Hotel. Dieses ist  nahe der Alexander Newski Katherale und hat im neunten Stock eine schöne Rooftop Bar. Von hier hat man einen super Blick auf die Kathedrale und die ganze Stadt. Kleine Randnotiz: Zwischen 11 und 12 gibts dort nicht zu essen. Im Anschluss wollte ich eigentlich auf das Witosha Gebirge, um den Blick auf die Stadt zu genießen. Der Lift Simeonovo auf den Berg fährt wohl nur Samstags und Sonntags – eigentlich perfekt für mich. Leider verschwand der Berg in den Wolken, weswegen ich mir einen Plan B überlegen musste. Also fuhr ich mit der Ubahn ab „Sofia Universität“ erstmal die halbe Strecke bis GM Dimitrov. Hier habe ich das Museum über sozialistische Kunst angeschaut. Das hat nicht so lang gedauert wie erwartet und der Berg war immer noch in Wolken gehüllt. Also weiter mit Plan B. Mit der Metro weiter bis Sofia Business  Park. Hier war ich erstmal ein wenig lost, der Berg machte keinen Sinn und nun wollte ich gern zum Nationalen Historischen Museum, ein wenig mehr über die Bulgarische Geschichte erfahren. Aber weit und breit kein Taxi zu sehen. Mit etwas googlen bin ich dann zum Glück auf eine bulgarische Webseite gekommen, die mir Routen mit dem öffentlichen Nahverkehr raussuchte. Die Seite war zwar etwas kompliziert und langsam, aber mit copy und paste aus google maps konnte ich mir dann einen Bus raus suchen. Mit der Linie 111 ging es dann ca. 20 Minuten über die Ring-Autobahn weiter bis zum Museum.  Das Gebäude ist sehr interessant und hat einen klaren sozialistischen Baustil. Es ist die ehemalige Präsidentenresidenz von Todor Schiwkow. Auch hier war ich schneller durch als erwartet. Das Gebäude ist sehr beeindruckend, aber alles etwas runtergekommen. Von außen kam es mir größer vor, als von innen. Schade auch, dass man aus dem Gebäude nie einen klaren Blick auf Sofia hatte, an die Fenster auf der Seite kam man leider nicht heran. Da das Gebäude leicht über der Stadt liegt, hätte das sehr schön sein können.

Der Circus in SofiaMeine nächste Idee war der Circus. Nachdem ich Samstag schon am Circus Sofia vorbeigelaufen war, dachte ich, das wäre der perfekte Abschluss. Also ging es mit der Straßenbahn weiter bis zum Russian Monument Square. Von hier noch ein paar Meter zu Fuß bis zum Park Vuzrajdane in dem der Circus residiert. Doch leider – heute keine Vorstellung. Tja war nix. Also ab zum Hotel, Sachen packen.

Mein Hotel hat mich dann noch mal positiv überrascht, da ich sehr früh flog, bereiteten sie mir ein Frühstückspaket vor, riefen mir ein Taxi, welches Kreditkartenzahlungen akzeptierte – und mein Ticket für den nächsten Flug haben Sie mir auch noch ausgedruckt.

Mit dem Taxi zum Flughafen Sofia

Viel zu früh musste ich am Montag mein Hotel verlassen, daher kam ich nicht daran vorbei ein Taxi zu nehmen. Und ich bin begeistert. Das Hotel rief mir um 04:30 ein Taxi und es kam nach 3 Minuten. Der Fahrer sprach zwar kein Englisch, verstand aber dass ich zum Terminal 1 am Flughafen Sofia will. Nachdem ich mir in der Stadt erst nicht ganz sicher war, ob er den direkten Weg fährt, merkte ich dann auf der Stadtautobahn, dass er ein Guter ist. Mit 140 km/h gings über die leeren Straßen und schon nach gut 15 Minuten waren wir am Flughafen. Der Preis war ebenfalls überraschend. Nachdem ich vorher oft gelesen hatte, dass eine Taxifahrt zum Flughafen ca. 10 € kostet, ging ich von etwas mehr aus, da es ja noch Nachts war. Denkste. Auf dem Taxameter standen 14,07 Lewa – also etwas über 7 €. Obwohl ich mir extra ein Taxi mit Kartenlesegerät bestellt hatte, konnte ich so mit meinen letzten 15 Lewa bezahlen.

Die Abreisehalle von Terminal 1 in Sofia.Am Terminal 1 war die Hölle los, Ryanair hatte also nicht übertrieben mit der Bitte 2-3 Stunden eher zu kommen. Letztlich habe ich aber trotzdem nur ca. 20 Minuten angestanden bis zur Sicherheitskontrolle. Ich hatte aber auch keinen Koffer zum aufgeben. Bis 10 Minuten vor Abflug sind immer noch Leute angerannt gekommen um mit zu fliegen… und sie wurden – ganz untypisch – auch alle mitgenommen.

Sofia – mein Eindruck

Sofia macht auf mich einen ziemlich interessanten Eindruck. Einerseits ist die Stadt ziemlich herunter gekommen, auf den Gehwegen ausserhalb des Zentrums, kann man es sich nicht leisten, nur aufs Handy zu schauen, man würde sich die Beine brechen. Viele Häuser sind  wirklich herunter gekommen. Auf der anderen Seite kommt da die geballte Ladung einer sich entwickelnden Stadt in Südeuropa mit immerhin 1,2 Millionen Einwohnern. Es gibt die eine oder andere neue und gesichtslose Shopping Mall, im wirklichen Zentrum sind viele wirklich schöne historische Gebäude wieder hergerichtet und man mag sich kaum vorstellen, wie es aussehen würden, wenn die Stadt mal richtig zu Geld kommt. Es gibt mit dem bulevard „Vitosha“ eine schöne lange und breite Einkaufsstraße, in der sich Samstags abends auch viel Leben abspielt. Wenn man so durch die Nebenstraßen tigert, sieht man viel Bausubstanz, die wartet wachgeküsst zu werden. Viele Parkanlagen, alte Villen, die mehr brauchen als etwas Farbe. Aber auch sehr viele Plattenbauten, die leider in dem gleichen desolaten Zustand sind.

Eigentlich ist Sofia ein perfekter Ort für einen (verlängerten) Wochenendtrip.

  • Es gibt was zu entdecken.
  • Das Leben in der Stadt ist aus deutscher Sicht wirklich sehr günstig.
  • Und man kommt gut hin.
Witoschagebirge
Das Witoschagebirge wäre einer meiner nächsten Ausflüge…

Ich werde Sofia, bzw. Bulgarien auf jeden Fall wieder besuchen. Mir sind hier vor Ort noch Ausflüge (Kloster Rila & Bojana; Plovdiv und Bachkovo, Witoschagebirge) in den Sinn gekommen, die mir erst bewusst gemacht haben, dass Bulgarien nicht nur für Plattenbauten steht, sondern, dass es hier auch viel zu sehen gibt. Und auch in Sofia gibt es sicherlich noch mehr zu sehen, als das was ich in 2 Tagen entdeckt habe.

Doch jetzt gehts erstmal weiter nach Athen  😉