Plattfuß im Paradiestal – der Tag an dem ich Sixt neu kennen lernte

Was klingt wie die fränkische Fortsetzung von Plattfuß am Nil, ist leider gar nicht so cool gewesen. Letztes Wochenende wollten wir nach Sachsen fahren. Genauer gesagt in die Sächsische Schweiz nach Lohmen. Wie ich es seit Jahren für solche Ausflüge gerne mache, habe ich mir für das verlängerte Pfingstwochenende wieder einen Mietwagen von Sixt gemietet. Wie immer habe ich keine Vollkaskoversicherung über Sixt abgeschlossen, da ich die über die Miles & More Gold Kreditkarte habe.

Die Abholung am Freitag Mittag in Nürnberg Zentrum klappte wie immer. Ich bekam einen Audi A4 mit Automatik und Dieselmotor. Alles gut. Abends ging es dann über Neustadt Aisch los in Richung Sachsen. Nach ca. 130 gefahrenen Kilometern hinter Bamberg auf der A70 meldete sich das Bordsystem, dass im vorderen rechten Reifen ein starker Druckverlust festgestellt wurde. In der Annahme, es würde sich um einen Sensorenfehler handeln, drosselte ich das Tempo und fuhr langsam weiter in Richtung nächster Parkplatz. Nach einer Weile merkte ich einen leichten Rechtsdrall des Wagens. Als wir auf den Parkplatz fuhren, war es dann auch schon zu hören und schließlich zu sehen. Wir hatten einen platten Reifen. Mit einem Mietwagen der gerade mal 10.000 km runter hatte. Ok, er hatte kleine Vorschäden (z.B. ein Loch im Sitz, wie schafft man das eigentlich?!), aber einen platten Reifen? Auf der Autobahn? Tja, das Drama beginnt.

Ich rief beim Sixt Assistance Service an. Nach längerem Suchen, war klar, dass wir am Rastplatz Paradiestal sind. Ausser einer Toilette ist da nichts. Gut, dass wir Verpflegung im Auto hatten. Am Telefon wurde mir erklärt, dass ich nun mit Audi verbunden werde, weil Audi mich abschleppen muss. Schonmal toll, wieder Warteschleife, wieder das Problem erklären. Der Herr von Audi erklärte mir, dass er nun den lokalen Partner kontaktieren würde, der uns abschleppt – und dass dann Sixt wieder übernehmen würde. Wir wurden nun also wieder verbunden, diesmal an den lokalen Partner, das VW und Audi Autohaus in der Nähe. Er wollte wissen, was für Reifen wir haben. Keine Ahnung, ist ein Mietwagen. Ok, 20 Minuten wird er mindestens brauchen. Warten. Zwischendurch rief ich nochmal bei Sixt an, um zu hören, wie es denn weiter geht. Da war es gegen 20:15 und ich dachte immer noch, wir fahren heute noch nach Sachsen. Bei Sixt erklärte man mir, dass ich wieder anrufen soll, wenn ich abgeschleppt wurde, da man erstmal abwarten müsse, was Audi zum Schaden sagt. Ich kann ja wieder anrufen.

Der Abschlepper verspätete sich, er musste einen Unfall umfahren. In dem Moment dachte ich mir: Glück gehabt. Was ist ein platter Reifen gegen einen Unfall auf der Autobahn. Wir fuhren also Richtung Scheßlitz mit dem Abschleppwagen. Hier wurde der Wagen abgeladen. Der Monteur schaute nach, ob er so einen Reifen auf Lager hat. Allwetterreifen. Hatte er nicht. Parallel versuchte ich Sixt zu erreichen. Hat ja vorher auch geklappt. Ich hing in der Warteschleife, drückte die 2, widersprach nicht der Aufzeichnung und wartete. Es hieß schon, es sei viel los, es würde länger dauern. Nach einigen Minuten dann, „Bitte versuchen Sie es später nochmal“. Bumm raus aus der Leitung. Langsam begann meine Stimmung zu kippen. Eine Notfall Hotline, die Kunden aus der Leistung schmeißt? Geil.  Das ging dann über eine halbe Stunde so. Immer wieder flogen wir aus der Leitung. Auch der Monteur versuchte es, denn er wollte wissen, was mit dem Auto zu tun sei. Langsam wurde der arme Kerl ungeduldig, schließlich hat er „nur“ Bereitschaft und wollte wahrscheinlich wieder nach Hause. Für Betreuung wird er sicherlich nicht bezahlt. Nett wie er war, und verloren wie wir waren, bot er uns an, uns nach Bamberg zum Bahnhof zu fahren. Da wir bei Sixt niemanden erreichten, machten wir Plan B. Mit ihm nach Bamberg und von dort ließen wir uns abholen. Also kein Sachsen. Stattdessen Übernachten bei Katrins Eltern in der Nähe von Neustadt an der Aisch. Das Wochenende war gelaufen. Als wir gerade in den Wagen einsteigen wollten, klingelte mein Telefon. Sixt ist dran, die Dame mit der ich zuerst telefoniert hatte. „Schön, dass Sie anrufen“ sprudelte es aus mir heraus, was die Dame verunsicherte. Dass man seit über 30 Minuten nicht zur Hotline durchkommt, wusste sie wohl nicht. Ständig sagte Sie: „Wir halten Sie mobil, Herr Brandt„. Ich wollte wissen, was kostet mich die Mobilität? Das konnte sie mir nicht sagen. „Wir müssen zwar einen Kostenhinweis geben, aber wir wissen nicht, was es kostet bzw. ob es was kostet“. (Sinngemäß). Sie könnte eventuell in Nürnberg ein Auto für uns klar machen, aber da müssten wir hinfahren. Bringen kann uns keiner ein Auto. Ich entgegnete dann, dass ich überhaupt nicht „mobil gehalten werden will“, solange mir niemand sagt, was es kostet. Was nützt mir ein Taxi oder ein neuer Mietwagen, wenn ich hinterher alles bezahlen muss.

Ich miete nicht nur bei Sixt, weil ich Fan bin und es so schön einfach funktioniert, sondern auch weil es für mich im Prepaid Tarif bezahlbar ist.

Sie konnte mir keinen Preis nennen. Ich sagte ihr, wir fahren erstmal Richtung Neustadt, Samstag morgen können wir dann weiterreden, wenn mir jemand sagt was es kostet. Und ab Bamberg könnten wir weiter fahren. Abgesehen von den fehlenden Kosteninformationen, waren wir inzwischen auch einfach nur müde und genervt. Meine Eltern am Telefon, die wissen wollen ob wir noch kommen, ewig auf Sixt am Telefon warten, keine Ahnung wie es weiter geht mit dem Wochenende. Wir wollten nur noch ins Bett.

Am Samstag morgen hatte ich eine SMS von Sixt auf dem Handy. In Bamberg steht ab 09.30 eine Mercedes C-Klasse für uns bereit. Naja, vielleicht wird es ja noch was. Ich rief wieder bei Sixt an. Ich hatte einen gut gelaunten Mitarbeiter am Telefon, der meinte wir müssten uns um nichts Sorgen machen. Als ich entgegnete, dass ich bevor ich wieder in ein Auto steige, wissen will was es kostet, sagte er, das wird alles über die Audi Garantie abgedeckt. Ich sagte ihm, dass der Herr in der Werkstatt sagte, dass Audi nur das abschleppen übernehmen würde. Keinen Wagen oder sonst was. Das hat ja damit nichts zu tun. Sixt würde das behandeln, wie eine normale Panne. Da wird der Wagen im bestehenden Vertrag getauscht und gut ist. Skeptisch wie ich bin, wies ich ihn auch darauf hin, dass ich im Internet gelesen habe, dass man bei Reifenpannen selbst aufkommen müsste. Wieder: „Überhaupt kein Problem, das ist alles über die Garantie abgedeckt.“ Inzwischen dachte ich mir, warum eigentlich nicht. Seit 9 Jahren bist du guter Kunde bei Sixt. Vielleicht entscheiden die das von Fall zu Fall. Ist ja jetzt auch keine Nachtschicht, sondern ein „echter Mitarbeiter“. Also fragte ich: „Wie soll ich denn nach Bamberg kommen?“ – Wo sind Sie denn jetzt? In der Nähe von Neustadt an der Aisch… Er schaute es sich auf der Karte an und meinte „nehmen Sie sich ein Taxi – die Quittung reichen Sie dann später ein und bekommen das Geld zurück“. Ich fragte ob ich das schriftlich bekommen kann. Nein kann ich nicht, aber das passt schon so. Wahrscheinlich hätte ich an der Stelle auflegen sollen und mit dem Wagen meiner Freundin nach Sachsen fahren sollen. Ich entschied mich dazu, auf das Wort des Mitarbeiters am Telefon zu vertrauen. Ein Fehler.

Wir riefen ein Taxi, fuhren also mit dem Taxi bis nach Bamberg. 100 € standen auf der Uhr. Gut, Quittung, fertig, Tschüss. Die Sixt Station in Bamberg ist bei weitem nicht so schön, wie die Nürnberg Mitte, die ich kenne, aber sie wussten dass ich komme. Auto steht auf dem Hof und hat eine sehr lange Schadensliste. Und es hatte ein französisches Nummernschild. Na gut, ich hatte auch schon ein holländisches. Und dass die Stationen bei Einwegfahrten scheinbar ihre Rostlauben an andere Stationen weiterreichen, war mir schon früher aufgefallen. Wir nahmen das Auto, fuhren in die Sächsische Schweiz (Lombardei -> Schön!), fuhren nach Nürnberg zurück, gaben das Auto ab – ohne Beanstandungen, voll getankt. Alles gut. Dachte ich.

Ich schrieb dann am Mittwoch morgens per Kontaktformular an Sixt, dass ich die Taxi Rechnung wie verabredet gern erstattet bekommen möchte. Am Donnerstag bekam ich eine Antwort von Sixt aus Rostock per Email:

Sehr geehrter Herr Brandt,
 

Ihr Sixt Mietwagen ist ausschließlich mit Markenreifen beziehungsweise mit den von den Herstellern serienmäßig verwendeten Reifen ausgestattet. Geschulte Mitarbeiter prüfen vor jeder Fahrt sehr genau den Zustand der Reifen.

Wenn nach Fahrtantritt ein Schaden am Reifen verursacht wird, besteht kein Anspruch auf ein Ersatzfahrzeug oder eine Erstattung von Taxi-, Bahn- oder Mitbewerberkosten. Eine Gutschrift für die eingereichten Kosten ist deshalb nicht möglich.

Wenn Sie Fragen haben, sind wir wie immer gern für Sie da.

 
Freundliche Grüße
Mir entglitten die Gesichtszüge. Am Telefon sagt mir jemand, dass ich mir um nichts Sorgen machen müsse und per email werde ich einfach abgebügelt. Ich schrieb dann eine lange würzige Email zurück und startete parallel auf der facebook Seite von Sixt damit, das zu thematisieren.
Sehr geehrte Frau…
Ich habe mir ausschliesslich ein Taxi genommen, weil Ihr Mitarbeiter mir das empfohlen und die Übernahme zugesichert hat. Sonst hätte ich mir nie im Leben ein Taxi genommen. Das Gespräch wurde aufgezeichnet. Es fand am Samstag den 3.6. um 9:05 statt. Der Mitarbeiter heisst Herr Levold. Ich habe ihn explizit gefragt, wie es bei einer Reifenpanne ist. Seine Aussage war, das wird alles über die Herstellergarantie gedeckt, machen Sie sich keine Sorgen, nehmen Sie sich ein Taxi bis zur Sixt Station in Bamberg. 
Nur deswegen habe ich ein Taxi genommen. Hören Sie sich an, was Ihre Mitarbeiter am Telefon erzählen, bevor Sie einfach Forderungen ablehnen. 
Ich bin seit ca 9 Jahren Kunde bei Sixt und miete 5-10 mal im Jahr ein Auto bei Ihnen. Das kann noch 30 Jahre so weiter gehen oder es endet im Anschluss an meine letzte Buchung. Es wäre eigentlich selbstverständlich, dass Sie sich zumindest an das halten, was Sie am Telefon erzählen. 
Sollten Sie die Rechnung nicht wie telefonisch abgesprochen übernehmen, endet meine Kundenbeziehung zu Ihnen nach 9 Jahren hier und jetzt – unabhängig von einer juristischen Aufarbeitung. 
Ich fände es sehr schade, da ich bis zum letzten Wochenende ein echter Fan Ihres Unternehmens war.
 Mit freundlichen Grüssen,
Auf facebook hieß es man werde versuchen, sich das Gespräch anzuhören. Der Kundenservice per Email schrieb mir dann am Montag, dass man mir aus Kulanz die 100 € erstatten werde. Ich habe dann noch geantwortet, dass das schön sei, dass ich aber nicht um Kulanz gebeten habe, sondern auf das bestanden hab, was mir am Telefon versprochen wurde. Ebenfalls habe ich dann auf den facebook post hingewiesen, und darauf, dass die Kollegen, das Gespräch anhören wollen. Dienstag bekam ich wieder ein Antwort, das Gespräch wäre nicht aufgezeichnet worden… Auf facebook war noch nichts zu hören.
Abends dann die Post. Wie gewohnt, kommt nach der Miete die Rechnung für den Wagen. Ich hatte ja prepaid bezahlt, normalerweise passt alles auf der Rechnung. Diesmal wies die Rechnung aber noch gute 123 als offen auf. Also sah ich mir die Rechnung genauer an. Natürlich – mir wurden 123 € für das Betanken des Autos in Rechnung gestellt. 123 € für ein Diesel Auto, welches ich in der Werkstatt zurücklassen musste. Mehr als 10 Liter Diesel können nicht gefehlt haben. Gute 10 € pro Liter wäre das dann in meinem Fall. Der nächste Nackenschlag von meiner ehemaligen Lieblingsvermietung.
Ich habe also wieder auf facebook geschrieben – und mal nachgefragt, ob man das Gespräch schon anhören konnte. Nur mal so aus Interesse. Das ist nun Stand Dienstag abend. Mal schauen wie es weiter geht.
Nachtrag im Januar 2018. Sixt hat sich dann natürlich auch noch für die völlig falsche Abrechnug der Betankung entschuldigt. Einerseits waren viel zu viele km abgerechnet – wahrscheinlich, die, die der Sixt Mitarbeiter dann noch bis sonst wo gefahren ist – und andererseits wurde dann freundlicher Weise auch der normale Dieselpreis genommen, da man wohl einsah, dass eine „Strafgebühr“ bei einer Reifenpanne nicht wirklich Sinn machte.
Tja rückblickend muss ich sagen, dass dieser Vorfall meine Beziehung zu Sixt nachhaltig beschädigt hat. Die Reifenpanne war das eine, ich wusste, dass in den AGB steht, dass man für nen Reifen selbst verantwortlich ist. Auch wenn ich mir sicher bin, dass der Reifen einen Vorschaden haben musste. Wer prüft denn bitte bei der Annahme und Ausgabe von Mietwagen ob ein Reifen irgendwo nen Treffer hat, solange noch Luft drin ist.  Am schlimmsten war letztlich aber meine Erfahrung mit dem telefonischen Kundendienst. Erst gibt es Assistance Leute in der Nachtschicht, die keine Kostenaussagen treffen können. Das ist bei so einem Standardfall wie nem platten Reifen einfach schwach.  Und dann – noch viel schlimmer – sitzt da am Samstag einer bei Sixt im Call Center und behauptet kack-frech, dass sie alle Kosten übernehmen und ich mir ein Taxi nehmen soll. Mit all dem Ärger hinten raus.
Und obendrauf, die falsche Abrechnung der Betankung und die Tatsache, dass die Telefongespräche angeblich nicht aufgezeichnet wurden. Auf der – durch mich gestatteten – Aufzeichnung des Telefonats baute schließlich meine Zuversicht und mein Vertrauen gegenüber dem Mitarbeiter auf.
Seitdem habe ich übrigens nur noch einmal neu gebucht. Und nun schon seit 5 Monaten kein Auto mehr bei Sixt. Schade, dass es so enden musste, ich bin jedes Jahr 5-10 mal mit Sixt gefahren, hab bei Gewinnspielen mitgemacht, Werbeideen bei Aktionen eingereicht, Aktien besessen.
Ein weiteres Learning gab es übrigens auch – falls ich doch nochmal bei Sixt miete. Immer mit Reifenversicherung. Denn niemand kann den Zustand des Reifens beurteilen. Die Vollkaskoversicherung der Kreditkarte (miles & more) greift nur bei einem Unfall, also nicht bei nem Platten. Und selbst die Sixtvollkaskoversicherung greift nur wenn man ohne Selbstbeteiligung bucht. Da sind sicherlich auch schon viele Leute reingefallen.
Warum ich das jetzt noch poste? Weil es nunmal so passiert ist, und ich es nicht umsonst aufgeschrieben haben will.

Der letzte Tag in Kanada und Toronto

Vom Freitag den 26.05.2017 – Tag 20 – Art Gallery Ontario, mit Uber zum Flughafen in Toronto

Freitag und schon ist der Urlaub wieder vorbei. Heute hieß es nur noch packen. Da wir aber erst um 17 Uhr fliegen, entschlossen wir uns noch eine Kleinigkeit zu unternehmen. Entgegen unserer Vorsätze machten wir nochmal von dem Frühstücksangebot im Hotel Gebrauch, packten und checkten aus. Die Koffer ließen wir noch an der Hotelrezeption. Als passende Beschäftigung in Hotelnähe kam mir die AGO in den Sinn. Die Art Gallery Ontario. Diese ist nur ca. 600 m Fußmarsch vom Hotel Super 8 Downtown entfernt. Für 19,50$ für das general admission ticket (ohne Sonderausstellung) gab es Einlass. (Wahnsinnig gern hätte ich meine Jacke abgegeben, aber an der Garderobe ist Cash King. 1 $ in bar. Aber wer hat schon Cash in der Tesch). Die Ausstellung ist natürlich Geschmackssache. Interessant waren für mich hauptsächlich kanadische Künstler und Bilder, weil die sich ja auch mit kanadischen Themen beschäftigen. Nun weiß ich immerhin, was die „Group of Seven“ so trieb (sie haben gemalt) und habe ein paar spanndende, schöne Werke gesehen. Nicht nur aus Kanada, auch aus Südamerika.

Mit dem UberX zum Flughafen Toronto

Gegen 13 Uhr waren wir dann mit allem durch und brachen Richtung Flughafen auf. Da wir mit unseren 2 großen schweren Koffern keine Lust auf zweimal umsteigen bei öffentlichen Verkehrsmitteln hatten, schaute ich nochmal in die Uber App. Diesmal wieder UberX, da die Strecke zum Flughafen ja ein Stück weiter ist. Für knapp 32 $ – also 21 € könnten wir zum Flughafen gefahren werden. Da mussten wir nicht lange überlegen. Also „Bestellen“ gedrückt und nach keinen 2 Minuten rollerte schon ein weißer Jetta auf uns zu. (Das ist der Golf mit Kofferraum.) Am Steuer ein ca. 60 Jahre alter Kanadier mit indischem Ursprung, der seit 40 Jahren in Kanada lebt und seit 8 Monaten für Uber fährt. Wir haben uns gut unterhalten, über Kanada, Indien, Uber und Autos. Ich war Uber gegenüber immer skeptisch, der Fahrer war jedoch begeistert. Nach seiner Schilderung sind die Nutzer eher gebildet (seit 8 Monaten noch keinen Probleme mit Fahrgästen) und – was ich sehr spannend finde: Jeder $ bei Uber ist ein versteuerter $. (wohl nicht bei Uber, schließlich machen die Riesenverluste, wohl aber bei den Fahrern.) Schließlich läuft alles digital und wird getrackt (also aufgezeichnet). Selbst die Zahlung erfolgt rein digital mit der Kreditkarte. Man muss nicht mal über das Thema Zahlung oder Preis reden, weil der Preis von Anfang an feststeht. Nach gut 30 Minuten waren wir am Flughafen. Deutlich zu früh wie immer, aber so einen Flug will man ja auch nicht verpassen. Und das war es schon mit dem Kanada Urlaub – wenn nichts aufregendes in Amsterdam passiert. So sitze ich jetzt hier abends um 22 Uhr im KLM Flieger irgendwo über dem Atlantik und höre mir beim schreiben die Auswahl der niederländischen DJs aus dem Bordprogramm der KLM an und klappe den Laptop jetzt wieder zu.

Gegen 6 Uhr Ortszeit (oder aber 0 Uhr kanadischer Zeit) landeten wir in Amsterdam. Von dort ging es weiter nach Nürnberg. Alles ohne große Probleme und Komplikationen. Uns fehlte nur eine Nacht. 🙂

Mit dem Mietwagen von Toronto zu den Niagarafällen

Vom Donnerstag den 25.05.2017 – Tag 19 – von Toronto zu den Niagara Fällen

Unsere zweite Nacht in Toronto war schon um 8 Uhr zu Ende. Heute sollte es an die Niagarafälle gehen und bereits für 9 Uhr hatten wir einen Mietwagen bestellt. Vorher kamen wir aber noch in den Genuss des inklusiven Hotelfrühstücks. Nach deutschen Frühstücksmaßstäben war das nicht so dolle. Es gab Bagel, Toast, etwas Obst, Kaffee, Orangen/Apfelsaft, Marmelade, Butter, Joghurt, verschiedene Cornflakes und das alles ausschließlich mit Papptellern, Pappbechern und Plastikbesteck. Dem Mädel am Tisch gegenüber beim Apfel aufschneiden mit einem Plastikmesser zuzuschauen war das erste Highlight des Tages.

Ein Mietwagen in Toronto

Zum Autovermieter hätten wir ca. 30 Minuten laufen können oder mit dem Bus fahren. Da es regelrecht schüttete entschieden wir uns für Bus fahren. Wir fuhren mit Linie 501 und waren nach ein paar Metern zu Fuß bei Discount Car Rentals angekommen. Es sah auch sehr nach Discount aus, der Verkäufer – oder in diesem Falle Vermieter – war aber sehr nett. Und er war neidisch darauf, dass in Deutschland die Führerscheine nicht ablaufen. Entsprechend vermute ich, dass das in Kanada anders ist. Er fragte dann noch höflich, ob wir mit einem Upgrade einverstanden seien – auf mein verwundertes „logisch“ entgegnete er, dass das nicht bei allen so sei. Statt eines gebuchten Toyoto Corolla (in Deutschland Auris) bekamen wir einen nagelneuen Toyota RAV 4 – einen (für kanadische Verhältnisse) kleinen SUV. Nach unserem 10 m Wohnmobil konnte mich nichts mehr erschüttern, erst recht nicht so ein Kleinwagen. Der Papierkram war etwas undurchsichtig, wie immer wenn man in nem fremden Land nen Vertrag unterschreibt, aber es war alles sauber. Wir hatten in Deutschland vorab über billiger-mietwagen.de gebucht: Inklusive waren unbegrenzte Kilometer, eine aufgestockte Haftpflicht, Glas- und Reifenversicherung und das alles ohne Selbstbeteiligung. Preis: Keine 40 €. Ich habe zur Sicherheit nochmal nachgefragt, ob wir bei ihm noch irgendwas „abschließen“ – das verneinte er. Kanada ist eben nicht Mallorca. Auf meiner Kreditkarte wurden dann noch 250 € Kaution blockiert. Übliches Vorgehen – ok.

Mit dem Auto zu den Niagarafällen in Kanada

Bei Sturzregen verließen wir den Hof und fuhren in Richtung Niagara on the lake. Das Fahren ist denkbar einfach. Wir fuhren ein paar Straßen bis auf einen Highway, dann ging es gefühlte 120 Kilometer gerade aus und dann wieder ein paar Nebenstraßen – schon waren wir da. Blöd bzw. wirklich anstrengend war nur die Kombination aus Starkregen, keiner Sicht und Sattelschleppern, die einen bei 100 km/h rechts überholen. In Kanada darf man überholen wo man will, die Geschwindigkeitslimits scheinen auch nur für Touristen zu gelten, aber so ist es ja immer. Ich hab jedenfalls versucht, mich dran zu halten. Froh war ich auch, dass wir Stadtauswärts fuhren. Auf der anderen Seite war ordentlich Stau. Eine nicht ganz neue Erfahrung war die Fastlane auf dem Highway. Die hatte ich mit dem Wohnmobil schon 2-3 mal gesehen aber nicht genutzt. Hier gab es die für ca 30 Kilometer und es war echt angenehmes Fahren. Nutzen darf die jeder Bus, Taxi oder eben Autos mit mindestens 2 Personen drin. Ansonsten war die Hinfahrt ein völliger Blindflug. Das Wetter war so beschissen, man konnte sehen, wer vor einem fährt, aber nicht ob am Straßenrand ein Haus oder ein Elefant steht.

Der Vorteil des schlechten Wetters war, dass niemand zu den Niagarafällen fährt. Wir kamen nach ca. 90 minütiger Fahrt an, zahlten 18 $ für unseren Parkplatz stiegen bei strömendem Regen aus. Es zogen dichte Wolken-/Nebenfelder durch. Man konnte echt kaum was von den Fällen sehen, aber die Kraft des Wassers und Riesigkeit der Fälle deutete sich an. Nachdem wir also fast durchgeweicht die ersten schlechten Fotos gemacht hatten, zogen wir uns in das Besucherzentrum zurück. Hier kauften wir uns Regencapes (hätten wir früher machen sollen) und warteten dann bei einem Kaffee von Tim Hourtons darauf, dass sich das Wetter etwas bessert. Gegen 14 Uhr sollte es besser werden und wurde es. Wir gingen also wieder raus. Machten unsere Fotos und staunten nicht schlecht über all den Cirkus am Rande der Wasserfälle. Sowohl auf kanadischer als auch auf us-amerikanischer Seite gibt es Casino(s), Hotels, Restaurants…. sogar ein Riesenrad gibt es. Wenn das nichts ist.

Gegen 15 Uhr waren wir fertig mit Wasserfällen für diesen Urlaub und suchten uns bei Google Maps noch ein Outlet. Wenn man schon einen Mietwagen hat, muss man das ja auch ausnutzen. Wir fuhren in das wenige Kilometer entfernte Canada One Outlet (Adresse: 7500 Lundy’s Ln, Niagara Falls, ON L2H 1G9, Kanada). Auch hier – erfreulicher Weise – überhaupt nichts los. Neben Tommy Hilfiger, Nike, Adidas, Reebok, Rockport, Roots Canada gab es hier noch ca. 20 andere kleine Outletshops von uns mehr oder weniger bekannten Marken. Wir waren in vielen kurz drin und aus vielen schnell wieder raus. Bei Tommy Hilfiger haben wir uns länger aufgehalten, da sowohl Auswahl als auch Preise für europäische Maßstäbe echt gut waren. Die Preise waren in Kanadischen Dollar ausgeschrieben. Oben auf dem Regal stand dann meist noch 30 – 40% Rabatt. Dann musste man noch 13% Steuer draufrechnen und das ganze durch 1,5 teilen um den € Betrag zu bekommen. Wir wurden mehrfach fündig. Beim nächsten Mal Kanada / USA, wird unser Koffer auf dem Hinflug definitiv nicht voll sein.

Gegen 17 Uhr starteten wir wieder in Richtung Toronto. Wir hatten das Auto zwar bis zum nächsten Tag, aber parken ist in Toronto auch nicht so der Hit und wir wollten es gern wieder loswerden. Bis 19 Uhr hatte der Vermieter geöffnet und inklusive Rushhour, Stau und Tanken waren wir gegen 18:50 wieder beim Vermieter. Die Rückgabe war unkompliziert, und die Kaution auf der Kreditkarte wurde wieder freigegeben. Wir haben mit dem Toyota RAV 4 für die ca. 280 Kilometer ca. 22 Liter gebraucht und alles in allem inklusive Mietwagen, Parkplatz & Sprit für den Niagara Ausflug 72 € ausgegeben. Auto mieten macht für so einen Ausflug ab Toronto nach Niagara definitiv Sinn.

Ungefähr ein Tag in Toronto

Vom Mittwoch den 24.05.2017 – Tag 18 – ungefähr ein Tag Toronto

Gegen 9:20 klingelte unser Wecker im Hotel Super 8 in Toronto Downtown. Die Idee mit dem Frühstück verwarfen wir direkt wieder und schliefen weiter. Gegen 12 standen wir auf, gegen 13 Uhr waren wir fertig für Toronto. Das Wetter schien ganz gut zu sein. Alles ist besser als der Dauerregen, der vorausgesagt war. Nachdem unser Uber Fahrer Kensington Market so explizit erwähnt hatte, gingen wir dorthin fürs Frühstück. 10 Minuten zu Fuß und schon waren wir da. Sieht bissel aus wie ne Mischung aus Hamburger Schanze, Nürnberg Gostenhof und Fusion Festival. Einen Platz bzw. Market haben wir nicht gefunden, dafür aber die Kensington Avenue. Eine Straße und ein paar Abzweige mit vielen kleinen Läden, Cafes und Restaurants. Alles etwas alternativ. Wir hatten ein super Frühstück im Our Spot Cafe und zogen weiter. Mit der Straßenbahn ging es nach Norden. Der Ticketautomat draußen wie auch in der Straßenbahn war nicht in Betrieb. Wir fuhren trotzdem damit. Wir mussten dann noch umsteigen, wo man ein Ticket zum rauskommen benötigte. Am Schalter nachgefragt, sagte der „Beamte“, wir sollten das Geld in eine Art „Sparbüchse“ vor ihm werfen und dann im Anschluss ein paar Schritte weiter, ein Ticket (nur durch Knopfdruck – ohne Bezug zu Geld oder Tarif) ziehen und in den Bus steigen. Kam uns komisch vor, machten wir aber so und funktionierte. Später sahen wir dann, dass nicht immer 3,25$ in diese Spardosen flogen. Scheinbar reichte auch die Geste dort Geld reinzuwerfen. Aber gut, wir sind Touristen in einem fremden Land….

Wir fuhren bis Ecke Davenport Road / Spadina Road – und liefen dann noch einige Meter bis Casa Loma. Dieses umkreisten wir ein wenig, machten Fotos und zogen weiter Richtung Yongestreet. Die Sonne brannte inzwischen ordentlich. Wir waren froh, als es in der Yongestreet wieder Schatten gab. Wir liefen die Straße ziemlich weit bis runter ans Wasser, das hätte man vielleicht auch mit einem Bus verkürzen können, aber gut. Ein kurzer (erfolgloser) Abstecher in eine Shopping Mall und dann am Wasser direkt zum Stand für Hafenrundfahrten. Die Hafenrundfahrt in Victoria hatte uns auf den Geschmack gebracht. Glück gehabt. Wir waren kurz vor 17 Uhr da und bekamen das letzte Boot. Man konnte schon am Steg sehen, dass der Ontariosee gerade etwas über seinem Normalpegel steht. Von Hochwasser in Kanada hatten wir in den Nachrichten auch schon öfter gehört. Wir fuhren mit dem Boot ein wenig am Ufer entlang und hörten von einer relativ lustlosen Dame Belanglosigkeiten zu den Häusern in Ufernähe. Wir fuhren an dem kleinen Flughafen Toronto City vorbei, der auch nur noch knapp über Wasserkante operierte und weiter ging es zu den Toronto vorgelagerten Inseln. Diese sind wegen dem Hochwasser aktuell aber völlig für Besucher gesperrt. Und so beschränkte sich die Hafenrundfahrt hauptsächlich darauf, weit genug vom Ufer wegzufahren um einen schönen Blick auf die Skyline von Toronto für Fotos zu bekommen. Nach ca. 50 Minuten war die einstündige Hafenrundfahrt beendet. Ehrlich gesagt, die kann man sich sparen. (Genauso wie Stadtrundfahrten in Reykjavik, aber das ist ein anderes Thema). Unübersehbarer Teil der Torontoer Skyline ist der über 500 Meter hohe CN Tower. Auf den mussten wir natürlich auch noch rauf. Los war zum Glück gar nichts, so dass wir relativ schnell im Fahrstuhl nach oben standen. Ehrlich gesagt, der ist verdammt hoch. Als wir mit dem Lift in die Höhe schossen, dachte ich mir mehr als einmal, reicht, ich seh schon alles. Oben angekommen auf 342m Höhe der ersten Aussichtsplattform, kann man dann durch mehr oder minder saubere Scheiben den Blick auf Toronto genießen. Leider nicht völlig, da teilweise gebaut wurde. Auf der gleichen Etage ist auch ein Restaurant, welches das ungezwungene Nase-an-der-Scheibe-platt-drücken an einigen Punkten etwas trübt. Man kann auch eine Etage nach unten gehen und dort „raus“ gehen. Hier gibt es keine Scheiben, sondern Gitter und frische Luft. Je nachdem auf welcher Seite man sich befindet, ist das ganz angenehm oder sauwindig. In über 300 Metern Höhe weht eben ein Wind. Jetzt war mir auch klar, warum der Turm oben immer ganz leicht schwingt. Ich war schon froh, als ich wieder unten war. Kaum in Sicherheit, knurrte der Magen wieder. Also gingen wir nochmal in die Kensington Avenue um uns was fürs Abendbrot zu suchen. Wir wurden fündig in einem Ungarisch-Thailändischen Restaurant und es war saulecker. Ich hatte ein Curry, es hätte aber auch Gulasch gegeben. Geile Kombination.

Tag 17 in Kanada – Abgabe des Wohnmobils und weiter nach Toronto

Von Dienstag dem 23. Mai 2017 – Tag 17 – Wohnmobil Rückgabe, Flug nach Toronto, die erste Fahrt mit Uber, Nachts vom Toronto Flughafen nach Donwtown

Die letzte Nacht in unserem Wohnmobil war zu Ende als der Nebenmann von seinem Busähnlichen Wohnmobil (ja noch größer als unseres) morgens um 7 Uhr den Diesel anmachte und ca. ne halbe Stunde laufen ließ. Es war schon sommerlich warm draußen und wir stellten auch bei Tageslicht fest, dass der RV Park in dem wir gelandet waren, sehr gepflegt war. Einige Leute schienen hier zu wohnen bzw. sehr regelmäßig zu sein. Einige der Riesen Wohnwagenanhänger waren überdacht und hatten Blumenkästen. Ganz nett für eine Nacht. Wir haben unser RV etwas ausgefegt, zum letzten Mal black & grey water abgelassen und uns auf den Weg gemacht. Am Empfang noch schnell gezahlt – hier zeigte sich auch, dass der Hazelmere RV schon viele Auszeichnungen gewonnen hatte. Wäre ich nie im Leben drauf gekommen, aber man kann ja auch mal den Richtigen RV-Park wählen. Für Full hook up haben wir abzüglich 10% Rabatt für irgendeine Clubkarte, von der ich nicht weiß, ob wir sie haben, 44,65 $ bezahlt. So schloss sich der Kreis wieder. Bei unserer ersten Übernachtung in Hope, wurden uns 10 % erlassen, weil wir mit nem Mietmobil unterwegs sind. Danach hat es keinen mehr interessiert und wir haben auch nicht mehr nachgefragt – und nun bei der letzten Übernachtung also nochmal 10% Rabatt. Ist doch nett. Wir fuhren dann das letzte Stück Richtung Abbordsford durch eine ewige 60 Zone – auch hier wieder Mount Baker schräg rechts voraus im Blick. In Abbordsford haben wir nochmal für versöhnliche 1,199 $ / Liter vollgetankt. Gute 121 Liter.

Die Wohnmobil Rückgabe bei Four Seasons in Abbotsford

Angekommen bei Four Seasons ging es dann erstaunlich schnell. Wir fuhren gegen 10:40 Uhr auf den Platz, packten unsere Koffer aus. Einige andere Rückkehrer warteten schon, der Shuttle Richtung Flughafen stand auch schon bereit. Die Dame von Four Seasons ging einmal ums Auto, stellte fest, dass nichts kaputt ist und fragte nach Problemen. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich nicht sicher bin, ob auch nur eine der Rückleuchten funktioniert. Haben wir gestern Abend erst gesehen, vielleicht auch deswegen der Hinweis nicht nachts zu fahren 🙂 Der Abfluss der Spüle war ebenfalls leicht undicht, aber schon vom ersten Tag an. Nichts Störendes. Da wir unbegrenzte Kilometer gebucht hatten, war auch der Kilometerstand unwichtig. Wir haben jedenfalls ca. 2400 Meilen – also ungefähr 3.900 Kilometer abgerissen. Unterwegs haben wir ja schon recht locker unsere Planung umgeschmissen und am Ende mit Vancouver Island und Tofino noch ein paar hundert Kilometer ran gehängt. Schon gut, dass das keine Extrakosten (abgesehen vom Sprit) verursacht hat. Einige der andere Rückkehrer haben ordentlich nachgezahlt. Jedenfalls lief die Rückgabe so organisiert und problemlos wie die Übernahme des Fahrzeugs. Das ist wirklich gut organisiert. Der Shuttle brachte uns dann (diesmal mit verschlossenem Gepäckanhänger) wieder zum Flughafen nach Vancouver und gegen 12.30 Uhr waren wir schon am Flughafen. Da unser Flug nach Toronto erst um 17 Uhr geht, konnte ich hier die Zeit nutzen und die Erlebnisse der letzten Tage aufschreiben.

Mit Air Canada von Vancouver nach Toronto

Der Flug von Vancouver nach Toronto mit Air Canada war recht unspektakulär. Ich hatte das damals über die amerikanische Seite priceline.com (zu der übrigens auch booking.com und swoodoo.com) gehören gebucht, weil ich dachte, es wäre dann günstiger. Großer Fehler, vom $-Preis hab ich mich ein wenig täuschen lassen – nur dass mir bei der Buchung der „falsche“ Dollar – der US-$ gezeigt wurde. Gab dann in Euro nochmal ne kleine Überraschung. Blöd bei der Buchung des Inlandsflugs in Kanada war auch, dass die Flüge separat gebucht teurer sind, als in Verbindung mit einem transatlantischen Flug. Hätte ich das gewusst, hätte ich den gleich mit den KLM Flügen über swoodoo zusammen gebucht. Aber gut. Und zu guter Letzt: Ich konnte vorher keine Koffer mitbuchen. Vielleicht hab ich mich auch zu blöd angestellt. Somit musste ich also noch beim Online Checkin auf dem iPhone unsere 2 Koffer mit anmelden. 25,75 kanadische Dollar je Koffer fallen bei der Reise nun aber auch nicht mehr ins Gewicht.

Der Flug von Vancouver nach Toronto dauert 4 Stunden. Muss man sich mal überlegen, 4 Stunden für einen Inlandsflug. Kanada sind eben andere Dimensionen als Europa. Wir flogen auf den internationalen Flughafen von Toronto (Pearson International). Es gibt auch einen Flughafen direkt an der Innenstadt (Toronto City) – dahin fliegt Air Canada Express mit kleineren Maschinen auch von Vancouver. Dieser Flughafen hat eine sehr kurze Start-/Landebahn, weswegen er sicherlich nichts für jeden ist.

Von Toronto Pearson nach Toronto Downtown in der Nacht

Bei unserem Flug haben wir eine Zeitverschiebung von 3h gutgemacht. Wir waren nun also im Vergleich zu Deutschland nur noch 6 Stunden statt 9 Stunden hinterher. Gestartet um 17 Uhr, landeten wir in Toronto gegen 00:30 Uhr. Wir waren ca. der vorletzte Flug der in Toronto ankam, entsprechend ausgestorben war der Flughafen. Jetzt mussten wir noch irgendwie nach Downtown – also in die Innenstadt – zu unserem Hotel kommen. Für ein Taxi waren wir zu geizig und auch Uber wollte gute 60 $ haben. Später mehr zu Uber. Wir brauchten also einen Bus und ich muss sagen, auch hier hat Google Maps uns großartige Dienste geleistet. Die Anzeige von Bus & Bahn Verbindungen hat großartig funktioniert. Das ändert aber nichts daran, dass wir zweimal umsteigen mussten. Unser erster Bus sollte der 192er Bus sein. Wir stiegen ein und erfuhren direkt, dass wir bei der Fahrerin nur passend zahlen können. Nachts um 1 Uhr ist es ein schwacher Trost, wenn diese dann darauf verweist, dass in 10 Minuten der nächste fährt. Also wieder raus, Ticket kaufen. Der große Automat mit Display und großer Aufschrift Tickets war natürlich der falsche Automat. Der kleine unscheinbare rote rechts daneben war der Richtige. Scheinbar gibt es nur einen Tarif, in Abhängigkeit ob man Kind, Erwachsen, Rentner oder sonst irgendwie zu Ermäßigungen berechtigt ist. Nachdem wir das geblickt hatten, war das eigentlich ganz gut – keine Tarifzonen. Nächste Hürde: Der Automat sieht zwar nicht so aus als würde er Kreditkarten akzeptieren, tut er aber. Die Bestätigung der Zahlung dauerte allerdings ein wenig. Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie das kleine Männchen im Automaten in Deutschland anruft und fragt ob die Karte für 3,25 kanadische Dollar gut ist. Waren wir. Zweimal sogar. Mit dem Ticket ging es dann in den nächsten Bus. Hier war die Busfahrerin deutlich entspannter drauf. Wir bekamen von ihr einen Fahrschein und konnten unseren am Automaten gelösten behalten. Die hätte uns wahrscheinlich auch schon vor 10 Minuten mitgenommen. Wir fuhren ein paar Stationen über die Autobahn bis Kippling Station. Nett wie die Fahrerin war, sagte sie uns auch nochmal, dass wir jetzt in den 300er Bus steigen müssten und dass die Ubahn um diese Zeit nicht mehr fährt. Wir gingen also zum Steig für den 300er Bus und freuten uns, dass wir früher dran waren. Umsonst: Zweimal fuhren 300er Busse an unserem Steig vorbei, obwohl es bei uns angeschrieben war. Wir zweifelten schon stark an uns und wollten gerade schauen gehen, als es an unserem Steig voller wurde. Einen warten wir noch ab – mal sehen, wie die Kanadier reagieren, wenn der Bus an ihnen vorbei fährt. Jeder weiß was jetzt kommt. Der nächste Bus hielt genau an unserem Steig. Alles muss ich auch nicht verstehen. Nun fuhren wir unzählige Stationen, die je ca. 500m auseinander lagen Richtung Innenstadt. Tagsüber sollte man diese Buslinie wohl für lange Strecken meiden. Nachts ging es eigentlich. Wir stiegen an der Haltestelle Spadina TTC Station aus. Für die letzten 1,8 Kilometer hätten wir jetzt nochmal in einen Bus umsteigen müssen. Zum laufen waren wir – inzwischen kurz vor 2 Uhr – aber auch zu faul. Da fiel mir wieder Uber ein. Mit einem Startgutschein über 15$ konnte es doch jetzt nicht mehr so teuer sein.

15$ Startgutschein Uber: mivmhx

Ich öffnete also die App und schaute was angeboten wird. UberX – vergleichbar mit nem Taxi  – lag bei 0 $ (also weniger als unserer 15$ Startguthaben). Uber Premium lag ebenfalls bei 0 $. Also dachte ich mir, probieren wir es aus. Ich klickte bei Uber Premium auf „Bestellen“ und schon sah ich das Profil des Fahrers und sein Auto. Auf der Karte konnte ich verfolgen wie sich ein kleines Uber Auto zu unserem Standort bewegte. Klein übrigens nur für kanadische Verhältnisse: An der Ampel gegenüber tauchte ein Audi Q7 auf und ich winkte mit dem Handy, denn laut App, sollte uns ein Audi Q7 abholen. Er kam zu uns, fragte ob ich Mr. Christoph sei, und schon gings los. Koffer in den Wagen und die Straße runter. Der Fahrer war sehr nett und beglückwünschte uns erstmal zur Lage unseres Hotels. Wir hatten scheinbar ins Schwarze getroffen, gleich rechts sei Kensington Market (keine Ahnung was das ist) und etwas weiter unten sie die Einkaufsstraße mit sämtlichen Geschäften. Die Fahrt ging recht schnell, waren ja nur 1,8 Kilometer. Unser Fahrer hatte aber scheinbar ein Hotel erwartet, welches zu seinem Q7 passt. Denn das erste Mal fuhr er am Hotel vorbei, weil er es nicht gesehen hatte. Aber er war sehr nett, wendete und wir fuhren vor. Er staunte nicht schlecht, wo wir uns da eingebucht hatten. Super 8 Motel Toronto Downtown lag im 3. und 4. Stockwerk der Chinatown Shopping Center Passage. Wenn man nicht weiß, dass da ein Hotel ist, würde man es nicht erwarten. China Town war schon etwas schmuddelig. Aber gut. Die Hotel Lobby war 24h besetzt und unser Zimmer machte einen sehr guten Eindruck. Wir hatten 2 Doppelbetten und ausreichend Platz im Zimmer. Das Super 8 ist von innen eindeutig besser als von außen. 2:30 Uhr: „Gute Nacht Toronto“.

Der Victoria Tag in Victoria B.C. auf Vancouver Island

Von Montag dem 22. Mai 2017 – Tag 16 – Victoria, Swartz Bay, Tsawwassen, George Cruise Victoria

Montag, 22. Mai 2017, wir sind jetzt schon gute zwei Wochen in Kanada unterwegs und sind auf der Cedar Springs Ranch aufgewacht, einem scheinbar ganz netten Campingplatz, wenn man sich nicht für das Umfeld interessiert. Nach dem Frühstück ging es gegen 10 Uhr los für 27 Kilometer Richtung Victoria, die größte Stadt auf Vancouver Island. Wir rollerten die schreckliche Auffahrt vom Campground runter und folgten dem Highway 1 bis ins Stadtgebiet von Victoria.

Victoria Tag in Victoria B.C.

Da heute am Montag zufällig der Victoria Day gefeiert wird, war auf den Straßen angenehm wenig los. Da unser 10 m Gefährt in der Stadt nicht wirklich ein Spaßmobil ist, haben wir uns vorher ausführlich mit der Parkplatzsuche in Victoria auf Google maps beschäftigt. Merke: Nicht alles was aussieht wie ein Parkplatz ist auch einer. Autohäuser sehen von oben auch aus wie Parkplätze 😉 Da wir online nicht wirklich den perfekten RV / Wohnmobilparkplatz in Victoria BC finden konnten (uns wurden nur RV Parks angezeigt, Google ist also immer noch nicht perfekt), fuhren wir erstmal nach Victoria West, möglichst nah an die Johnson Street Bridge heran, um dann über eben diese Brücke nach Downtown laufen zu können. Was soll ich sagen, der Plan ging super auf. Wir fuhren bis Tyee Road und parkten hier ganz entspannt seitwärts ein. Da heute Feiertag ist, mussten wir uns auch über die Parkbeschränkungen (Montag bis Samstag) keine Gedanken machen. Bei guten 25 Grad spazierten wir über die Johnson Bridge und liefen die Johnson Street hoch bis zum Highway 1, der hier durch die Innenstadt verläuft. Trotz Feiertag waren ca. 2-3 der Geschäfte offen, los war aber nichts. Am Highway 1 konnten wir dann auch erkennen, warum sonst nichts los war. Es gab eine große Parade anlässlich des Victoria Days. Es schien wie bei solchen Paraden üblich so ca. jeder Verein und jede Schule begleitet von jedem Orchester der Stadt durch die Straße zu ziehen. Es sah sehr bunt aus und schien allen Spaß zu bereiten. Batman, Superman und Spiderman waren auch dabei. Leider endete die Parade schon um 12, wir haben also nur einen Schnipsel davon gesehen. Wir liefen weiter Richtung Altstadt bzw. Hafen und entschlossen uns zu einer Hafenrundfahrt, genauer gesagt der George Cruise. Diese sollte ca. 75 Minuten dauern und kostete 30 $ pro Nase. Maximal 10 Passagiere machten das ganze recht persönlich. Unser Kapitän unterstrich das auch gleich, indem er uns aufs Boot geleitete und direkt für 5 Minuten verließ, mit den Worten: „macht euch schon mal untereinander bekannt“. Und da ein sehr rüstiges Seniorenpaar aus Australien an Bord war, wurde dieser Aufforderung auch Folge geleistet. So waren da also zwei Rentner aus Australien, die eine ähnliche Rundreise wie wir hinter sich hatten, ein junges Paar aus Victoria mit ihren Schwiegereltern aus Vancouver, Christoph und Katrin aus Nuremberg, sowie eine junge Innenarchitektin, ursprünglich aus Tirana (Kommentar Kapitän: Great, a tax payer in Canada“, mit ihrem in Vancouver geborenen Sohn. Und unser sehr erfahrener Kapitän, dessen Namen ich mir leider nicht gemerkt habe. Die Tour war sehr kurzweilig und unterhaltsam. Geschickt wurden die Passagierinfos in die Führung miteingebracht. So erfuhren wir, dass die Johnston Street Bridge das kanadische Pendant zum Flughafen BER sei, dass in Victoria inzwischen mehr Coffeeshops (ja die ohne Kaffee) als Pubs existieren wo der erste Swimmingpool von Victoria entstand. Natürlich noch vieles mehr, die Tour war wirklich schön, vorausgesetzt man versteht englisch.

Im Anschluss an die Tour folgten wir dem Tipp des Kapitäns (weil wir ja Deutsche sind) und besuchten das Canoe Pub. Ein Pub in dem sie ihr Bier selbst brauen. Wir genossen ein Bier und einen Burger und waren für die Sonnenschirme sehr dankbar. Denn so einem Sommer, wie er plötzlich seit 2 Tagen anhielt, waren wir nach den vielen Schneetagen auf unserer Tour noch nicht gewachsen.  Wir schlenderten dann noch etwas durch Downtown und vertrödelten unsere Zeit.

Mit der Fähre von Swartz Bay nach Tsawwassen

Gegen 17 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Wagen und fuhren die verbliebenen 32 Kilometer nach Swartz Bay zum Fährterminal. Auf dem Highway dorthin sahen wir schon auf einer Infotafel, dass die Fähren um 6 & 7 pm bereits ausgebucht sind und dass um 8 eventuell noch was ginge. Man muss wissen, dass das lange Wochenende, was auch tatsächlich als „long weekend“ bezeichnet wird, endete und halb Kanada wieder von der Insel runter wollte. Aber wir hatten ja reserviert 😉

(Kleiner Exkurs Fähre buchen für Victoria Island – wir haben dies direkt bei BC ferries gemacht. Es haben zwar auch deutsche Reisebüros eine Buchung online angeboten, aber Uhrzeiten konnte man da nicht reservieren. Die Buchung in Englisch ist nicht wirklich schwer. Übrigens ist auch ein 31 Fuss RV Wohnmobil ein „standard vehicle“ – aber mit mehr Höhe als für das Autodeck. Wenn man Hin- und Rückfahrt („Round Trip“) zusammen bucht, spart man bares Geld. Wir haben jeweils von Tsawwassen nach Nanaimo und von Swartz Bay nach Tsawwassen One Way Trips gebucht und ordentlich draufgezahlt.)

Und zusätzlich waren wir ja in der LKW Klasse unterwegs und davon gab es an diesem Feiertag sehr wenige. Wir waren nicht wie gefordert zwischen 30 und 60 Minuten vor Abfahrt da, sondern schon gute 100 Minuten. Deutsche eben. Der Einweiser hielt kurz Rücksprache, ob für 20 Uhr schon Reservierungen angenommen wurden – und dann meinte er: „Warnblinker an (Hazzard lights) und diese Spur hier immer weiterfahren.“ Gesagt getan – schon standen wir recht weit vorn – für die 19 Uhr Fähre wohlgemerkt. Eine Stunde früher fahren fanden wir natürlich super. Während der Wartezeit packten wir dann Koffer Nummer zwei und dann ging es auch mit etwas Verspätung gegen 10 vor 7 auf die Fähre. Die Fähre war komplett voll, das hat es etwas unentspannt im Vergleich zur Hinfahrt gemacht, aber dafür war traumhaftes Wetter und es war wirklich noch warm. Kurze Hose. Die Fahrt von Swartz Bay ist ziemlich cool, weil sich die Fähre erstmal durch viele kleine Inseln (Southern Gulf Islands) schlängeln muss, bis sie dann gerade rüber nach Tsawwassen fährt. Den Sonnenuntergang haben wir knapp verpasst, aber auch so bot die Sonne eine traumhafte Kulisse. Kleine Notiz am Rande: Es sind auch noch Delfine vorbei geschwommen. Ja wirklich. Ich hab den Eindruck in Kanada muss man sich nur irgendwo hinstellen und warten – irgendwas kommt schon vorbei. In Tsawwassen angekommen, ging es dann nochmal gut 40 Kilometer in der Dämmerung Richtung Hazelmere, Surrey, wo wir uns für diese Nacht in nem RV Park angemeldet hatten. Wir folgten der 17, dann der 99 und später irgendeiner Landstraße. Ich muss sagen, manchmal ist selbst das Autofahren in Kanada geil. Hinter uns der Sonnenuntergang, schräg vor uns der gewaltige Mount Baker schneebedeckt und über bzw. neben uns gleich mehrere Weißkopfseeadler. Mit letztem Tageslicht erreichten wir den Hazelmere RV Park. Die waren gut organisiert und hatten mir schon per Email geschrieben wo wir wohnen. Im Scheinwerferlicht konnte ich erkennen, dass es sich um einen sehr gepflegten, teils sehr kitschigen Park handelt. Schon komisch, da sind diese RV Parks mitten im Nichts, von denen man denkt, da will keiner hin, und dann sind die voll besucht. Hat ein wenig Kleingartencharakter. Schnell noch für den Flug nach Toronto eingecheckt (ja unser Datenvertrag mit den Typen von ChatR funktionierte im Großraum Vancouver auch endlich wieder) und unsere Koffer bezahlt (52,50 $ für zwei Koffer bei Air Canada).

Vancouver Island – am Strand liegen bei Nebel in Tofino

Von Sonntag dem 21. Mai 2017 – Tag 15, Ucluelet, nochmal Frank Island, Malahat

Diese Nacht haben wir wieder deutlich besser und länger geschlafen. Ist schon ein besseres Gefühl, wenn man weiß auf welchem Platz man übernachten darf. Andererseits bin ich nachs wach geworden, weil ein dumpfes regelmäßges Geräusch in der Ferne ertönte. Als wenn ein Schiff im Hafen hupt. Kurz hab ich überlegt ob es ein Tsunami Alarm sein könnte, aber dafür war es irgendwie zu unaufgeregt. Und Autos konnte ich auch nicht vom Campground flüchten hören. Irgendwann bin ich dann wieder eingeschlafen.

Nach einer Dusche machten wir uns Abreise-fertig und fuhren noch bis ans Ende von Ucluelet bis zum Lighthouse, auch Leuchtturm genannt. Es gibt zwei Parkplätze, wir fuhren bis zum hinteren und fanden noch ausreichend Platz für unser Gefährt.

Lighthouse Loop Trail – lohnt sich

Hier wurde dann auch zufällig mein nächtliches Geräuschproblem aufgelöst. Am Leuchtturm gab es dieses dumpfe Geräusch nur lauter. Eine Art Nebelhorn, welches wohl durch die Wellen ausgelöst wird. Druck und Physik und so. Ein Nebelhorn war aber auch dringend notwendig, denn man sah auf dem Wasser rein gar nichts. Die Sicht aufs Meer war ca. 30 Meter. Nebelschwaden zogen vorbei. Es sah aus, als wären die Wolken vom Himmel gefallen. Wir liefen dann noch den Lighthouse Loop Trail. Eine ca. 2,5 km langen Rundweg, der auf dem Pacific Rim Trail  (10 km einfach) aufbaut und eben Besucher-freundlich wieder da endet, wo man losgelaufen ist. Dieser Trail hat echt Spaß gemacht. Da wir ja bisher aufgrund unserer Bärenangst nicht wirklich groß wandern waren, hat es Spaß gemacht, diesen Rundweg zu gehen. Es ging das erste Stück direkt am Ozean entlang und das immer durch diesen wahnsinnig beeindruckenden Wald mit seinen dicken, hohen Bäumen und dem dichten Unterholz. Wölfe sind sehr aktiv in dieser Gegend stand auf Schildern. Wichtige Hinweise zu Wölfen lauf Hinweis Schild: Nicht weglaufen. Nicht laut oder böse werden. Mit ihnen normal reden und sich groß machen. Und, der beste Tipp überhaupt: Wenn einen ein Wolf angreift, soll man („fight back“) sich doch bitte wehren. Der Trail war gut besucht, d.h. wir haben nicht damit gerechnet einen Wolf zu treffen. Was diesen Trail so schön gemacht hat, war u.a. dass alle 100 Meter eine mit viel Liebe zum Details ausgestaltete Picknick Ecke oder eine Bank kam. Auf dem Trail hat sich echt jemand ausgespielt. Es macht Spaß dort lang zu laufen. Und der Blick auf den Ozean und die kleinen Strände und Buchten war ebenfalls wundervoll. Es war noch so neblig, dass man sich ein wenig an Fluch der Karibik erinnert fühlte. Irgendwann ging dann der Trail durch den Wald wieder zurück zum Parkplatz. Auf dem letzten Stück konnte man lautstark Seehunde hören, die wohl auf einer der vorgelagerten Felsen rumlagen und sich was erzählten. Sehen konnten wir sie aber nicht. Gegen 11 Uhr verließen wir den Lighthouse Parkplatz und entschlossen uns nochmal zum Chester Man Beach bzw. zu Frank Island zu fahren, da es gestern so schön dort war und wir v.a. eine geschützte Ecke suchten um die Sonne ohne Wind zu genießen. (Trotz Nebel gab es da etwas Sonne von oben).  Also wieder 30 km nach Norden Richtung Tofino. Wieder in die Lynn Road und wieder zu den Frank Islands. Alles wie gestern. Der Wind kam aus einer leicht anderen Richtung aber wir machten es uns wieder gemütlich. Wir waren heute früher da und konnten sehen, dass der Übergang zu Frank Island offenbar nass war und wohl bei Flut überspült ist. In der Sonne habe ich die Augen zu gemacht, Katrin hat gelesen. Als ich dann mal Richtung Strand schaute, erschrak ich kurz, denn der gegenüberliegende Strand vom Festland war weg. Nicht, dass die Flut gekommen wäre, die Nebelschwaden waren nur so stark durchgezogen, dass man das andere Ufer nicht sehen konnte. Allerdings war so viel Bewegung drin, dass es bald wieder erschien.

Von Tofino nach Süden bis Malahat

Gegen 14 Uhr hatten wir dann genug und machten uns auf den langen Weg Richtung Victoria. Die ersten 50 km und die letzten 50 km waren die mühsamsten. Das erste Stück wieder die schmalen, kurvigen, bergigen Straßen und die letzten weil ich echt keine Lust mehr zu fahren hatte. Wir mussten ja den gleichen Weg zurück bis Nanaimo und von da noch ein gutes Stück auf Highway 1 nach Süden. Einziges Highlight war zwischendurch die Cathedral Grove mit wunderschönen alten Bäumen. Zwei Rundwege laden dazu ein, im Wald zu laufen und diese Riesen aus nächster Nähe zu bewundern. Da es inzwischen deutlich wärmer als an der Küste war, tat es richtig gut, durch diesen wunderschönen, kühlen Wald zu laufen.

Ansonsten war die Fahrt lang(weilig). Gegen 19 Uhr erreichten wir unser Ziel und ich wäre fast vorbeigefahren. So eine schlechte Auffahrt zum Camingplatz habe ich auch noch nicht erlebt. Man fährt den Highway 1 runter und dann plötzlich und schlecht ausgeschildert – eine 45 Grad Abbiegung quasi sehr scharf rechts und dann direkt bergauf einen Schotterpfad einspurig in den Wald. Was haben wir da nur wieder gebucht. Naja. Der Campingplatz – die Cedar Springs Ranch – ist in Ordnung. Die Lage ist nicht besonders. Aber auch das war ja eine Notbuchung, bis vor einer Woche dachten wir ja noch, ganz Vancouver Island würde auf uns warten – und v.a. dachten wir vor einer Woche noch, dass Vancouver Island für uns nur ein Tagestrip wäre. Am Campingplatz haben wir dann noch einen Moment gebraucht um uns zurecht zu finden. Man muss an dem blauen Haus vorbeifahren, bis weit auf das Gelände, bis man das auf der Webseite gezeigte Office Gebäude sieht. Das blaue Haus vorne ist an jemanden vermietet, der zwar sehr hilfsbereit ist – seine Frau scheint es aber nicht witzig zu finden, dass sie jedes Mal die Neuankömmlinge begrüßen 😀  Nachdem wir uns eingerichtet hatten, ging es schon mal daran, den ersten Koffer zu packen. Was anderes kann man da eh nicht machen. Wir hatten Platz Nummer 7 relativ am Anfang an einem Bretterzaun. Auf der anderen Seite vom Zaun ein riesiger Schrottplatz, dann der unüberwindbare Highway, dann ein paar Bäume und dann Wasser. Auf der anderen Seite des Highways wäre es sicherlich schöner gewesen. Aber gut, packen müssen wir ja auch mal. Morgen dann Victoria B.C.

Auf Vancouver Island unterwegs – Tofino und Ucluelet

Von Samstag dem 20. Mai 2017 – Tag 14, Vancouver Island, Tofino, Ucluelet,

Von Nanaimo nach Tofino

Wir hatten eine unruhige, für unsere Verhältnisse kurze, Nacht im Brannen Lake RV Park & Campsite. Da wir neben dem Bürogebäude geparkt hatten, fuhren auch nachts immer mal wieder einzelne Autos quasi direkt an unserem Bett vorbei. Das Frühstück hielten wir äußerst kurz und machten uns auf den Weg nach Tofino. Vorher warf ich noch schweren Herzens den Umschlag mit 31,50 $ durch den Schlitz der Bürotür. Wir hatten zwar rein gar nichts bekommen, aber wir haben auf ihrem Gelände übernachtet. In nem fremden Land fängt man lieber keinen Streit an. In Parksville haben wir noch getankt – 80 $ zu 1,279 $ je Liter. Wider Erwarten ist Tofino – bis man Parksville erreicht – quasi nicht ausgeschildert. So fuhren wir auch einen kleine Extrarunde bis wir dann den Highway 4 fanden. Highway ist etwas übertrieben. Es ist ne Bundesstraße, die auf den letzten 50 km eher zu einer schlechten Landstraße mutiert. Nachdem es erst recht entspannt vorbei an Seen, Flüssen und durch Wälder ging, geht es das letzte Stück nochmal über die Berge. Bis zu 18% Gefälle müssen überwunden werden, was aber für unsere 10 Zylinder kein Problem war. Die Straße ist aber streckenweise recht schmal (aber immer zweispurig) und einfach schlecht. Aber gut, der ein oder andere Sattelschlepper fährt die Strecke auch und wir haben es auch überstanden. Alles in allem aber gut 3 Stunden von Nanaimo bis Tofino.

Tofino ist auch nur ein Ort

In Tofino bzw. davor haben wir erstmal am Long Beach angehalten. Pa Zi Fik. Schwer zu fassen, dass man jetzt wirklich am anderen Ende der Welt am anderen Ende von nem Ozean steht. Das Wetter war traumhaft sonnig, ca. 17 Grad und ordentlicher Wind. Am Long Beach haben sich viele Surfer in die Wellen gestürzt. Wir haben erstmal was gegessen um dann weiter nach Tofino in den Ort rein zu fahren. Tofino ist ein kleines Nest. Große Parkplätze für Scharen an RVs gibt es nicht. Wir haben 2 Runden gedreht und uns dann an der Ecke Arnet Roard, First Street an der Straße hingestellt um ein wenig durch den Ort zu spazieren. Ist ganz nett, aber wenn man nicht eine Walbeobachtungstour oder einen Surfkurs buchen will, ist man auch schnell durch mit Tofino. In einem Park war noch ein kleiner Markt, wo lokale Händler ihrer Waren anboten und eine kleine Band gespielt hat. Alles ganz entspannt und eigentlich ganz nett. Wir haben noch einen Kaffee getrunken (Es wäre mal interessant zu wissen, wieviel Kaffee weltweit wegen WLAN Zugang in Cafes verkauft wird) und sind dann wieder aus dem Ort raus. Wir wollten noch zum Chesterman Beach. Wir haben in der Lynn Road Ecke Chesterman Beach Road seitlich ganz entspannt geparkt und sind dann zufällig genau an der Spitze auf die Frank Island zu gelaufen. Eine kleine Inselgruppe in Privatbesitz zu der man bei Ebbe einfach trockenen Fußes rüberlaufen kann. Auf den Inseln sind 2-3 Häuser und man darf sie nur bedingt betreten. Wir haben es uns dann im Schatten der Insel mit Blick auf Chesterman Beach im Sand gemütlich gemacht. So lagen wir im Windschatten und konnten die Sonne völlig genießen. Das war richtig schön warm und gemütlich.

Ucluelet kann locker mithalten

Nach 2-3 Stunden brachen wir auf Richtung Zeltplatz. Für heute abend hatten wir mit Ach und Krach noch einen unserviced Platz am Ucluelet Campground bekommen. Nach dem Reinfall am Vortag bei Nanaimo, wollten wir auf jeden Fall noch jemand persönlich antreffen und waren gegen 18 Uhr am Campground. Dieser liegt gleich am Anfang von Ucluelet mit schöner Sicht auf den Hafen. Das war endlich mal wieder ein schöner Campingplatz. Organisiert waren sie auch. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, sind wir noch zum Big Beach runter gelaufen – knapp 2 Kilometer vorbei an neuen Häuschen im Wald. Bauplätze in Kanada sehen ungefähr so aus: Mit dem Radlader in den Wald fahren und was beiseiteschieben. Haus drauf. Fertig. Der Big Beach war recht schön, aber big ist der Strand nicht wirklich. Long Beach war jedenfalls ein Vielfaches von Big Beach. Abends dann noch ein obligatorisches Lagerfeuer, das Holz musste eh weg. Entsprechend der „no tolerance“ gegenüber „long weekend partiers“ hatten wir auf unserem Campingplatz eine sehr ruhige Nacht.

Mit der Fähre nach Vancouver Island – auf ins Wochenende

Von Freitag dem 19. Mai 2017 – Tag 13, Squamish, Tsawwassen, Fähre nach Nanaimo, Whytecliff Park, Grouse Montain

Aufgewacht im Eagle Vista RV Park (Erfahrungsbericht Eagle Vista RV Park) in Squamish ist unser heutiges Tagesziel Vancouver Island. Nach einem entspannten Frühstück und einer langen Dusche im RV Park fuhren wir heute weiter Richtung Süden. In Squamish haben wir nochmal getankt – für 1,269 $ pro Liter. Langsam beschleicht mich der Gedanke, dass wir einen sehr günstigen Start mit den Spritpreisen hatten. Jedenfalls haben wir mal wieder für 100$ getankt, auf günstigere Preise warten schien keinen Sinn mehr zu machen.

Whytecliff Park, Lighthouse Park, Capilano Suspension Bridge, Grouse Mountain

Wir fuhren also die 99 entlang des Fjords mit beeindruckender Kulisse runter, nochmal vorbei am Campingground Porteau Cove den wir gestern so gern gewählt hatten. Als „Sehenswürdigekeiten“ hatten wir uns als erstes den Whytecliff Park an der Horseshoebay rausgesucht. Als wir von der 99 runter fuhren, merkten wir schnell, dass wir in einem engen Wohngebiet sind. Den Marine Drive Richtung Park zu fahren, war zwar landschaftlich sehr sehenswert, fahrtechnisch aber anstrengend. Zum Finale stellten wir dann fest, dass am Whytecliff Park nicht mal ansatzweise Platz für unser Wohnmobil zum Parken vorhanden ist. Also keine lange Diskussion, gleich weiter zum Lighthouse Park noch ein Stück weiter südlich. Also wieder rauf auf den Highway, mit nahezu Schrittgeschwindigkeit durch eine wirklich enge Baustelle und etwas später wieder runter. Wieder auf den Marine Drive und wieder das ernüchternde Ergebnis. Auch am Lighthouse Park war nicht wirklich Parkplatz für ein Wohnmobil unserer Größe. Vielleicht für nen Pickup, oder ein kleineres Wohnmobil. Für uns jedenfalls kein Platz. Jetzt war ich langsam urlaubsreif 🙂 Wir fuhren also noch weiter nach West Vancouver rein. Wir blieben auf dem Marine Drive und der wurde dann auch wieder etwas breiter und gerader. Wir kurvten ein paar Mal um den Ambleside Park herum, fanden dann aber einen guten Parkplatz am Hundestrand um unsere Sandwiches zu essen. Nachdem die kleinen Parks keinen Platz für uns hatten, entschlossen wir uns auf den Grouse Montain hoch zu fahren und vielleicht noch zum Capilano Suspension Bridge. Eine Art Baumwipfelpfad. Wir fuhren also über Marine Drive und Capilano Road zum Grouse Mountain Talstation. Fanden hier einen guten Parkplatz und kauften uns zwei Ticktets für die Seilbahn. 94,40 $ für zwei Personen – also 47,20 $ inklusive Steuern pro Nase für ein Tagesticket. Wir hätten den ganzen Tag hoch und runter fahren können (und sollen bei dem Preis). Wir fuhren hoch und hatten aus der Seilbahn einen super Blick auf Vancouver und auf das Wasser. Man konnte einige Tanker sehen und natürlich die Wolkenkratzer. Leider war es etwas diesig. Oben angekommen staunten wir nicht schlecht, was hier trotz 10 Grad Celsius noch an Schneemassen lag. Ansonsten hatte man das Gefühl, irgendwie in der Zwischensaison angekommen zu sein. Winter war vorbei, auch wenn 2-3 Snowboarder noch unterwegs waren und oben wurde alles für den Sommer schön gemacht. Manches war geschlossen. Immerhin war der Grizzly aufgewacht. Ja genau der Grizzly. Wussten wir nicht, war aber oben dann kaum zu übersehen, dass dort in einem Gehege zwei Grizzly Bären wohnen. Das Winterschlafgehege ist relativ klein, und es hieß die Bären seien erst seit kurzem aufgewacht. (Das Sommergehege ist wohl deutlich größer, sonst hätte mich gewundert, was die hier mit den Tieren anstellen). Mit etwas Ausdauer konnten wir tatsächlich den oder die Grizzlys sehen. Also die sind mal wirklich groß. So ein Schwarzbär ist ja nix dagegen. So einem Bären möchte man wirklich nicht im Wald begegnen. Oben haben wir uns dann noch einen Kaffee und die Aussicht auf Vancouver gegönnt. Traumhaft. Gegen 15 Uhr dachten wir, wir könnten noch den Capilano Suspension Bridge machen und fuhren wieder runter. Kurzer Stopp am Cleveland Damm. Sehr schön. Weiter zum Capilano Suspension Bridge. Naja und hier sind wir dann vorbeigefahren. Die Autoparkplätze waren nämlich richtig voll und die Busparplätze ebenfalls. Abgesehen davon, dass die auch eng sind. Also – da vielleicht lieber mit dem Bus hinfahren. Wohnmobile sind da echt nicht eingeplant.

Auf zur Fähre nach Tsawwassen

Nun waren wir also gut in der Zeit. Wir entschieden uns für den direkten Weg zur Fähre nach Tsawwassen. Schön an einem Freitagnachmittag durch den Feierabend Verkehr. Das war echt anstrengend – da wir aber keinerlei Zeitdruck hatten, störte es uns auch nicht im Stau zu stehen und durch den teils dreispurigen Verkehr zu schwimmen. In Tsawwassen haben wir noch was gegessen und waren dann ca. 2h vor Abfahrt (1h vorher soll man kommen) der Fähre am Terminal. Hat aber keinen gestört, so stehen wir jetzt also in Reihe eins und warten auf die Überfahrt nach Nanaimo für ein chilliges Wochenende auf Vancouver Island (genau wie ganz Kanada). Die Wartezeit konnte ich auch gut mit dem Aufschreiben der heutigen Erlebnisse übrerbrücken. Eben musste ich noch den Kühlschrank ausstellen und den Propantank zudrehen, da das auf dem Schiff so sein muss. Mal schauen wie wir so auf die Fähre passen. Aber es gibt ja durchaus noch größere Trucks in der Schlange.

Wie erwartet passten wir auf die Fähre – und noch deutlich größere Trucks dazu. Die Überfahrt war mit 2 Stunden noch erträglich. Ungewöhnlich war nur, dieses Mal aus dem LKW Deck und nicht wie sonst aus dem PKW Deck zu kommen. Das Wetter war ok, kaum spürbarer Wellengang. Die Fähre fuhr Richtung Osten nach Nanaomi, direkt dem Sonnenuntergang entgegen. Obwohl die Luft einen milden Hauch hatte, war auf Deck der Wind so stark, dass es uns bald rein zog.

In Nanaomi angekommen war es bereits dunkel. Wir fuhren fast als erstes vom Schiff und hatten freie Fahrt. Bis zu unserem Übernachtungsplatz, dem Brannen Lake RV Park & Campsite, waren es nur ca. 20 Kilometer. Wir fuhren ein Stück den Highway 1 lang und dann an der (zweiten) Abfahrt Jingle Pod Road raus. Warum auch immer es zwei Abfahrten mit diesem Namen gibt. Vielleicht um Touristen nachts zu ärgern. Ich fuhr zum ersten Mal im Dunkeln mit dem Wohnmobil. Eigentlich soll man nicht im Dunkeln fahren, wegen der aktiven Tierwelt in Kanada. Aber für dieses Stück ging es, ändern konnten wir es eh nicht. Am Brannen Lake RV angekommen, machte sich leichte Ernüchterung breit. Es war nirgends ein Hinweis darauf, wo bzw. welchen Stellplatz wir zugewiesen bekommen hatten. Das war per Email anders abgemacht. Naja – inzwischen 23 Uhr – war es uns egal. Wir hatten eh einen Platz ohne alles bekommen – so stellten wir uns einfach neben das Bürogebäude. So hatten wir wenigstens gutes WLAN im Wohnmobil.

Von Whistler bis Squamish – zurück am Wasser

Von Donnerstag dem 18. Mai 2017 – Tag 12, Whistler, Squamish

Unser heutiger Tag startete im Riverside Ressort in Whistler. Nachdem wir gestern noch gerade so einen 68 $ teuren Stellplatz bekamen, mussten wir uns heute um 9 Uhr anmelden und bezahlen. Diese Denkpause haben wir genutzt, um unseren ursprünglichen Plan, 2 Nächte in Whistler zu bleiben, über den Haufen zu werfen. 68 $ war uns einfach prinzipiell zu teuer, für den gebotenen Campground: es war nicht sonderlich groß oder gemütlich, Duschen kosteten extra und überhaupt. Wir verliessen also gegen 11 Uhr mit vollem Wassertank und leeren anderen Tanks das Gelände und steuerten die öffentlichen (und kostenlosen) Parkplätze am Blackcomb Way an. Von hier aus erkundeten wir zu Fuß die Stadt, also das Olympia Village und den Rest.

Die Innenstadt von Whistler wirkt wie ein großes Einkaufszentrum. Es reihen sich Geschäfte von allen Winter-/Outdoor-Marken mit Rang und Namen aneinander. Manche auch gleich mehrfach. (z.B. Patagonia, Peak Performance, North Face, Helly Hansen etc.) Dazu eine Vielzahl von Fahrrad- / Ski- / Snowboardläden. Man kann am Angebot der vielen Downhillbikes erkennen, dass die Winter Saison so gut wie vorbei ist. Und dennoch liefen noch einige wenige mit ihrem Snowboard zum Lift. Wir sind die Innenstadt zweimal hoch und runter gelaufen, ich habe mir noch bei roots Canada ein Souvenir gekauft und dann sind wir auch wieder zum Parkplatz. Wenn man nicht vor hat ein Abenteuer zu buchen, kommt man sich in der Innenstadt irgendwann etwas fehl am Platz vor. Das Wetter war aber mit ca. 15 Grad und Sonne sehr angenehm. Wir fuhren dann Stadtauswärts zum Alta-Lake. Nachdem wir uns in der richtigen Wildnis nicht so wohl fühlen (Bären), liefen wir eine Runde an dem See entlang. Nicht ganz rum, aber weit genug. Gegen frühen Nachmittag ging es dann weiter Richtung Squamish. Der Ort stand bisher nicht auf unserem Plan, aber das kommt eben davon, wenn man zu schnell voran kommt 🙂

In der Nebensaison muss man keinen Campground reservieren – oder?

Nach einem Tank- und Supermarktstopp (Sprit 1,269 $ – gefühlt teuer) ging es auf die Suche nach einem Campground. Wir hatten zwar abends schon geschaut, aber so richtig sicher waren wir nicht. Und wir dachten immer noch, wir könnten es uns aussuchen… Ca. 16 Kilometer hinter Squamish liegt direkt am Wasser Porteau Cove – Provincial Marine Park. Gott, wären wir gern da geblieben. 16:30 strahlender Sonnenschein und ein süßer kleiner Campground direkt am Fjord. Leider war der Campground voll. Die Dame am Empfang nannte uns einen anderen und meinte wenn`s da nicht klappt, sollten wir wiederkommen. Ich habe leider nicht geschaltet und diesen kleinen gereichten Finger nicht mit der Hand ergriffen. Wir fuhren also wieder wie vorgeschlagen ca. 15 km zurück nach Squamish. Kurz vor Squamish war im Hang auch noch ein kleiner Campground. Der Stawamus Chief Provincial Park Campground. Auch der sah sehr nett aus, doch hier war unser Camper leider zu groß. Das ist eben der Nachteil an dem Schiff, man passt nicht in jeden Hafen. Jetzt wurde es dann leider etwas trostloser. Zumindest nachdem wir eben die ersten beiden Campgrounds gesehen hatten. Unsere nächste Haltestelle war der WhistlePunk Hollow Adventure RV Park & Golf. Was sehr abgefahren klingt ist ein gewöhnlicher, wenn auch gut gepflegter Campground mit Minigolf. Ausgeschildert ist der übrigens als Eagle Vista Campground. Hier sieht man dann langsam, wie mühsam so eine Tour im Sommer sein muss, wenn halb Kanada mit dem RV unterwegs ist. Ohne Reservierung wird es dann ziemlich ernüchternd. Gute Überleitung zu unserer Wochenendplanung. Da die Kanadier ein langes Wochenende feiern, ist Vancouver Island gut besucht und auf unsere Reservierungen hat kaum jemand gewartet. Aber dennoch haben die meisten brav geantwortet und einige waren sogar so nett, eine Liste mit anderen Campgrounds mitzuschicken. Faire Geste. Jetzt ist alles gebucht.

Morgen geht’s dann Richtung Tsawwassen, von wo aus wir mit der Fähre nach Nanaimo übersetzen wollen. Ja das wäre kürzer und billiger ab Horseshoe Bay. Aber auch hier wieder: Für RVs unserer Größe war die Fähre bereits ausgebucht. (Also DIE Fähren am Freitag. Alle.) Die Fähre um 20:15 ab Tsawwassen war auch schon die letzte am Freitag die noch frei war.