Von Hope nach Peachland am Okanagan Lake

Von Mittwoch dem 10. Mai 2017 – Tag 4, Peachland am Okanagan Lake:

Nachdem wir Dienstag früh schlafen gingen, waren wir am Mittwoch morgens um 6 Uhr schon wieder fit. Einerseits hat das Wohnmobil eine Deckenluke, die Licht einlässt – andererseits konnte man das Signal der entlang des Flusses fahrenden Züge gut hören. Unser erstes Frühstück im Wohnmobil hat gut geklappt. Der Gasherd funktioniert und ein Gestell für Kaffeefilter samt Thermoskanne gehört zur Ausrüstung. Filtertüten hatten wir importiert. Nach dem entspannten Frühstück brachen wir gegen 08:30 Uhr auf.

Von Hope nach Peachland

Heutiges Ziel: Peachland am Okanagan Lake. Ab Hope fuhren wir kurz auf dem Highway 5, dann aber nach wenigen Kilometern auf den Highway 3 Richtung Sunshine Valley. Es ging vorbei am Manning Park über Princeton bis Keremeos, wo wir auf die 3 A abbogen. Am „Skaha Lake“ ging es dann auf die 97, vorbei an Penticton bis nach Peachland am Okanagan Lake. Für die ca. 290 Kilometer des heutigen Tages haben wir ca. 4 Stunden gebraucht. Wir haben außer der ein oder anderen Pause zwar keine großen Zwischenstopps gemacht, aber es zieht sich schon. Man fährt eben nicht über eine deutsche Autobahn, sondern durch British Columbia – und auch wenn ich fahre, versuche ich natürlich etwas von der Landschaft aufzusaugen.

Wir haben heute viele von Bergen eingefasste Seen, ein paar Baustellen mit abwechselndem einspurigen Verkehr, langgezogene Täler, blühende Apfelbäumchen, einen Bären und einen kanadischen Mittelfinger gesehen. (Womit sich der Kreis zu den 4h wieder schließt – ich bin meist 80-90 km/h gefahren und nicht überall konnte man mich sofort überholen). Den Bären hat Katrin im Augenwinkel gesehen, leider in einer Baustelle, so dass ich nicht anhalten konnte. Aber für den zweiten Tag ist quasi ein halber Bär schon mal eine gute Quote wie ich finde.

Kurz vor Peachland haben wir auch zum ersten Mal getankt. Tanken war völlig unkompliziert. Normalerweise muss man bei kanadischen Tankstellen vorher einen Betrag wählen und mit der Kreditkarte bestätigen – es wird nur abgebucht, was man getankt hat, eine Quittung gibt es sowieso, wenn man will. Aber eh wir auch nur schauen konnten, kam hier der Tankwart und meinte, er stellt es so ein, dass wir hinterher zahlen können. Unser Tank war noch gut zur Hälfte gefüllt, wir haben noch ca. 86 Liter für 101 kanadische Dollar hinzugetankt. Ich vermute der Tank fasst 200 Liter insgesamt. Abends habe ich noch ein wenig gerechnet: Für unsere knapp 400 km hat unser 10 Zylinder Monster im Schnitt 22-23 Liter auf 100km verbraucht. Das ist wohl erstmal ganz gut und liegt sicherlich an unser geringen Besetzung (2 Personen statt bis zu 6), dem aktuell noch recht flachen Land und meiner respektvollen Fahrweise. Abends habe ich noch ein wenig gerechnet und komme bei einem Spritpreis von aktuell 1,179 CAD und einem Kurs von ca. 1,48 CAD für 1 € auf Kosten von knapp 18 € je 100 km für Benzin.

In Peachland angekommen, haben wir direkt Todds RV & Camground angesteuert, welches direkt am See liegt. Wir haben uns diesmal für „Full hook up“ entschieden. Das bedeutet Wasseranschluss, Stromanschluss, Abwasseranschluss. Die Anschlüsse haben wir nun zum ersten Mal selbst benutzt und es hat gut geklappt. Ist nicht schwer – keine Angst. Für eine Nacht zahlen wir dem freundlichen Todd 47,25 CAD $. (32,15 €). Wir haben einen Platz direkt mit Seeblick bekommen, das ist echt schön.

Nachmittags bin ich bei angenehmen 20 Grad ein paar km am See entlang gejoggt bis in den Ort hinein und wieder zurück. (Um den See laufen scheidet bei 130 km Länge leider aus). Peachland scheint ein netter kleiner Rentnerort zu sein. Alles sauber, gepflegt und ruhig. Und der See direkt vor der Tür. Der Ort besteht hauptsächlich aus der Beach Avenue. Und schon ist wieder ein Tag um. Morgen wollen wir vorbei an Kelowna weiter nach Revelstoke fahren.

14 Tage mit dem Wohnmobil durch British Columbia – es wird ernst

Von Dienstag dem 09. Mai 2017 – Tag 3 – die Wohnmobilübernahme:

Aufgewacht nach der zweiten kurzen Nacht in Vancouver mussten wir schon wieder packen. Um 09.30 müssen wir bereits an der Templeton Station für den Pick up durch den Wohnmobil Vermieter sein. Gleich morgens um 7 Uhr wollten wir im CIBA, dem ans Hotel angeschlossenen Restaurant, frühstücken, doch wie das immer so ist, wenn man irgendwo pünktlich erscheint: Es war noch keiner da. Die Hotel Rezeption rief uns dann 20 min später an, als das Restaurant fertig war. Wir hatten Rührei und Kaffee… für knapp 20 $. War sehr lecker. Anschließend check out und ab zum Skytrain, Haltestelle „Vancouver City Center“ bis „Templeton Station“. Templeton ist 2 Stationen vor YVR (dem Flughafen) – hier gibt es nur Parkplätze und ein Outlet. Hier trafen wir dann auf andere Four-Seasons-Kunden, natürlich u.a. auch Deutsche.

Pick up Service und Wohnmobil-Übernahme

Pünktlich gegen 9.30 kam unser Pickup Service. Nachdem alle Koffer im Anhänger verstaut waren, ging es auch schon los – leider war der Anhänger nicht verschlossen, sodass wir schon wenige Minuten später die Koffer auf der Straße liegen sahen. Hängertür nicht verriegelt. Das war dem Fahrer zu Recht etwas peinlich. Also Koffer auf offener Straße im Verkehr wieder eingesammelt und weiter ging es in das ca. 80 Kilometer entfernte Abbotsford zur Mietstation von Four Seasons. Hier waren wir sehr positiv überrascht. Als wir vorfuhren, standen direkt 3 Mitarbeiter bereit, um uns und die anderen Kunden in die bereitstehenden Wohnmobile einzuweisen. Muttersprachler wohlgemerkt. Und so wurde uns das Wohnmobil von einem ausgewanderten Deutschen erklärt. Nun hatten wir es dann auch tatsächlich vor Augen. Unser Wohnmobil war das Größte in der Reihe – und so real vor uns war es jetzt wirklich groß. 31 Fuß bzw. 9,70 Meter lang. Die Einweisung erfolgte schnell aber nicht gehetzt. Mal schauen, wie viel wir uns merken. Frischwasserschlauch am falschen Anschluss könnte Toilettenflutung bewirken, wie wir hörten 🙂 . Der Papierkram ging auch relativ schnell, hatte aber nochmal einen eher mulmigen Moment. Wir hatten zwar eine Versicherung ohne Selbstbeteiligung, aber es gibt eben auch immer Ausschlüsse in den Versicherungen. Durch zu tiefe Brücken fahren bzw. in ein Parkhaus fahren, wäre genau wie ein beschädigter Unterboden eigene Blödheit und entsprechend selbst zu bezahlen. Passiert natürlich niemandem – ein paar Fotos in der Vermietstation beweisen das reale Gegenteil. Auch wenn ich sicher bin, dass uns das nicht passieren wird, ist so ein großes Wohnmobil natürlich auch nicht billig. Insofern habe ich mich damit getröstet, dass wir bei Four Seasons ja sowieso keine nagelneuen Wohnmobile bekommen und im Fall des Falles also auch der Schaden geringer ausfallen müsste.

Warum bekommen wir so ein großes Wohnmobil?

Inzwischen war uns auch klar, warum wir so ein Riesenschiff bekommen hatten. Zumindest haben wir eine klare Vermutung. In der Nebensaison kommen wahrscheinlich eher Europäer, die natürlich nur die Größe buchen, die sie brauchen und im Zweifel eher etwas Kleineres nehmen. Wenn dann im Sommer z.B. Kanadier mit der Family das Wohnmobil ausleihen, fahren die zum Campingplatz ihrer Wahl und bleiben da. Anders konnte ich mir auch nicht erklären, dass unser Wohnmobil – trotz seines vermuteten Alters von ca. 3 Jahren –  noch nicht mal 19.000 Meilen auf dem Tacho hatte.

Und dann war es das auch schon. Nach einer kurzen Einweisung zu Kühlschrank (elektronisch und mit Gas betrieben), Slide out, Black Water, Grey Water, Propangas, City Tank Refill, Axt, Stromanschluss, Innenbeleuchtung, Chemietoilette, Wasserpumpe, Wasserheizer, Zubehör und sonstigen Funktionen des Wohnmobils hieß es dann: Alles klar, viel Spaß, gute Fahrt! Ehrlich gesagt hätte ich mir in dem Moment erstmal ein paar Fahrstunden mit dem Monster gewünscht. Aber nein. Es ging direkt los.  Also fuhren wir langsam los in Richtung Hope, unser ca. 80 km weit entferntes Tagesziel.

Da wir aber auch noch einkaufen mussten, fragten wir die Vermieter nach einem guten Supermarkt auf dem Weg. Alles mit Tiefgarage und Parkhaus ist für uns, wie schon erwähnt, natürlich tabu.

Die ersten Kilometer mit einem 31 Fuß langen RV

Der Vermieter empfahl uns das Örtchen Chilliwack welches ca. auf halber Strecke nach Hope am Highway 1 liegt. Wir mussten nur den Superstore an der 119. Ausfahrt (exit) suchen. Also Supercenter ins Navi (auf dem iPhone) eingegeben und los. Dummerweise gab es hier schon das erste Problem. Das Supercenter, dass ich eingab, war schon etwas früher und etwas schlechter gelegen. Und so ging schon nach wenigen km etwas schief. Mit dem 10 m Schiff will man auch nicht unbedingt durch die Stadt cruisen und nach etwas suchen. Kam dann trotzdem so, aber wir haben es geschafft. Unser Wohnmobil über die Autobahn, Verzeihung, den Highway zu lenken, war nicht sonderlich schwer. Trotz der möglichen 110  km/h fuhr ich respektvolle 90 km/h was für den ersten Tag völlig ausreichend war. Schon ein komisches Gefühl von einem Sattelschlepper links überholt zu werden. Das war gang und gäbe, der Highway war gut befahren.

Angekommen in Hope, fuhren wir (ohne Navi – hier bereits verließ uns die ChatR Mobile Data Zone (Fehlkauf!)) erstmal zu den zwei vorher ausgespähten Campingplätzen. Doch diese waren uns von Anfang an etwas unangenehm, da sie zwischen Highway und Bahnstrecke lagen. Im  Bus zur Vermietstation hatten wir ein älteres Ehepaar kennengelernt, die für ganze sieben Wochen unterwegs sein wollten. Sie empfahlen uns einen Campground in Hope, der bei den Othello Tunnels liegen sollte. Das war erstens nicht zwischen Highway und Bahnschienen und zweitens klang es ganz sehenswert. Wir fuhren also nach Hope und fragten uns durch. Auf den letzten 3 km wurde die Straße deutlich schmaler und in den Bergen waren wir auch schon. Uns verließ dann doch der Mut: Die Straße sah nicht aus, als würden dort zwei Wohnmobile aneinander vorbeikommen. Wir drehten um, um an dem bereits passierten Coquihalla Campground zu nächtigen. Dieser liegt im Wald, direkt an einem Zufluss des Fraser River und ist eher überschaubar. Nachdem wir eine Platzrunde gedreht und uns einen „Parkplatz“ ausgesucht hatten, ging es zur Anmeldung. Für 34,02 CAD $ durften wir bleiben. Testweise erstmal ohne Strom und Abwasser. Beim Check-in erzählte uns die Dame auch noch, dass die Othello Tunnels aktuell geschlossen seien – insofern waren wir dann recht zufrieden mit unserer Entscheidung.

Nachdem wir uns im Wohnmobil und am Campingplatz eingerichtet und die Koffer ausgepackt hatten, haben wir noch einen Spaziergang zum nahegelegenen „Kawkawa Lake“ gemacht. Dieser liegt mitten in den Bergen. Sehr idyllisch. Überall diese Wahnsinns-Landschaft, und das gleich am ersten Tag.

Anschließend wurde noch der nächste Tag geplant. Ab zum Okanagan Lake.