Der Victoria Tag in Victoria B.C. auf Vancouver Island

Von Montag dem 22. Mai 2017 – Tag 16 – Victoria, Swartz Bay, Tsawwassen, George Cruise Victoria

Montag, 22. Mai 2017, wir sind jetzt schon gute zwei Wochen in Kanada unterwegs und sind auf der Cedar Springs Ranch aufgewacht, einem scheinbar ganz netten Campingplatz, wenn man sich nicht für das Umfeld interessiert. Nach dem Frühstück ging es gegen 10 Uhr los für 27 Kilometer Richtung Victoria, die größte Stadt auf Vancouver Island. Wir rollerten die schreckliche Auffahrt vom Campground runter und folgten dem Highway 1 bis ins Stadtgebiet von Victoria.

Victoria Tag in Victoria B.C.

Da heute am Montag zufällig der Victoria Day gefeiert wird, war auf den Straßen angenehm wenig los. Da unser 10 m Gefährt in der Stadt nicht wirklich ein Spaßmobil ist, haben wir uns vorher ausführlich mit der Parkplatzsuche in Victoria auf Google maps beschäftigt. Merke: Nicht alles was aussieht wie ein Parkplatz ist auch einer. Autohäuser sehen von oben auch aus wie Parkplätze 😉 Da wir online nicht wirklich den perfekten RV / Wohnmobilparkplatz in Victoria BC finden konnten (uns wurden nur RV Parks angezeigt, Google ist also immer noch nicht perfekt), fuhren wir erstmal nach Victoria West, möglichst nah an die Johnson Street Bridge heran, um dann über eben diese Brücke nach Downtown laufen zu können. Was soll ich sagen, der Plan ging super auf. Wir fuhren bis Tyee Road und parkten hier ganz entspannt seitwärts ein. Da heute Feiertag ist, mussten wir uns auch über die Parkbeschränkungen (Montag bis Samstag) keine Gedanken machen. Bei guten 25 Grad spazierten wir über die Johnson Bridge und liefen die Johnson Street hoch bis zum Highway 1, der hier durch die Innenstadt verläuft. Trotz Feiertag waren ca. 2-3 der Geschäfte offen, los war aber nichts. Am Highway 1 konnten wir dann auch erkennen, warum sonst nichts los war. Es gab eine große Parade anlässlich des Victoria Days. Es schien wie bei solchen Paraden üblich so ca. jeder Verein und jede Schule begleitet von jedem Orchester der Stadt durch die Straße zu ziehen. Es sah sehr bunt aus und schien allen Spaß zu bereiten. Batman, Superman und Spiderman waren auch dabei. Leider endete die Parade schon um 12, wir haben also nur einen Schnipsel davon gesehen. Wir liefen weiter Richtung Altstadt bzw. Hafen und entschlossen uns zu einer Hafenrundfahrt, genauer gesagt der George Cruise. Diese sollte ca. 75 Minuten dauern und kostete 30 $ pro Nase. Maximal 10 Passagiere machten das ganze recht persönlich. Unser Kapitän unterstrich das auch gleich, indem er uns aufs Boot geleitete und direkt für 5 Minuten verließ, mit den Worten: „macht euch schon mal untereinander bekannt“. Und da ein sehr rüstiges Seniorenpaar aus Australien an Bord war, wurde dieser Aufforderung auch Folge geleistet. So waren da also zwei Rentner aus Australien, die eine ähnliche Rundreise wie wir hinter sich hatten, ein junges Paar aus Victoria mit ihren Schwiegereltern aus Vancouver, Christoph und Katrin aus Nuremberg, sowie eine junge Innenarchitektin, ursprünglich aus Tirana (Kommentar Kapitän: Great, a tax payer in Canada“, mit ihrem in Vancouver geborenen Sohn. Und unser sehr erfahrener Kapitän, dessen Namen ich mir leider nicht gemerkt habe. Die Tour war sehr kurzweilig und unterhaltsam. Geschickt wurden die Passagierinfos in die Führung miteingebracht. So erfuhren wir, dass die Johnston Street Bridge das kanadische Pendant zum Flughafen BER sei, dass in Victoria inzwischen mehr Coffeeshops (ja die ohne Kaffee) als Pubs existieren wo der erste Swimmingpool von Victoria entstand. Natürlich noch vieles mehr, die Tour war wirklich schön, vorausgesetzt man versteht englisch.

Im Anschluss an die Tour folgten wir dem Tipp des Kapitäns (weil wir ja Deutsche sind) und besuchten das Canoe Pub. Ein Pub in dem sie ihr Bier selbst brauen. Wir genossen ein Bier und einen Burger und waren für die Sonnenschirme sehr dankbar. Denn so einem Sommer, wie er plötzlich seit 2 Tagen anhielt, waren wir nach den vielen Schneetagen auf unserer Tour noch nicht gewachsen.  Wir schlenderten dann noch etwas durch Downtown und vertrödelten unsere Zeit.

Mit der Fähre von Swartz Bay nach Tsawwassen

Gegen 17 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Wagen und fuhren die verbliebenen 32 Kilometer nach Swartz Bay zum Fährterminal. Auf dem Highway dorthin sahen wir schon auf einer Infotafel, dass die Fähren um 6 & 7 pm bereits ausgebucht sind und dass um 8 eventuell noch was ginge. Man muss wissen, dass das lange Wochenende, was auch tatsächlich als „long weekend“ bezeichnet wird, endete und halb Kanada wieder von der Insel runter wollte. Aber wir hatten ja reserviert 😉

(Kleiner Exkurs Fähre buchen für Victoria Island – wir haben dies direkt bei BC ferries gemacht. Es haben zwar auch deutsche Reisebüros eine Buchung online angeboten, aber Uhrzeiten konnte man da nicht reservieren. Die Buchung in Englisch ist nicht wirklich schwer. Übrigens ist auch ein 31 Fuss RV Wohnmobil ein „standard vehicle“ – aber mit mehr Höhe als für das Autodeck. Wenn man Hin- und Rückfahrt („Round Trip“) zusammen bucht, spart man bares Geld. Wir haben jeweils von Tsawwassen nach Nanaimo und von Swartz Bay nach Tsawwassen One Way Trips gebucht und ordentlich draufgezahlt.)

Und zusätzlich waren wir ja in der LKW Klasse unterwegs und davon gab es an diesem Feiertag sehr wenige. Wir waren nicht wie gefordert zwischen 30 und 60 Minuten vor Abfahrt da, sondern schon gute 100 Minuten. Deutsche eben. Der Einweiser hielt kurz Rücksprache, ob für 20 Uhr schon Reservierungen angenommen wurden – und dann meinte er: „Warnblinker an (Hazzard lights) und diese Spur hier immer weiterfahren.“ Gesagt getan – schon standen wir recht weit vorn – für die 19 Uhr Fähre wohlgemerkt. Eine Stunde früher fahren fanden wir natürlich super. Während der Wartezeit packten wir dann Koffer Nummer zwei und dann ging es auch mit etwas Verspätung gegen 10 vor 7 auf die Fähre. Die Fähre war komplett voll, das hat es etwas unentspannt im Vergleich zur Hinfahrt gemacht, aber dafür war traumhaftes Wetter und es war wirklich noch warm. Kurze Hose. Die Fahrt von Swartz Bay ist ziemlich cool, weil sich die Fähre erstmal durch viele kleine Inseln (Southern Gulf Islands) schlängeln muss, bis sie dann gerade rüber nach Tsawwassen fährt. Den Sonnenuntergang haben wir knapp verpasst, aber auch so bot die Sonne eine traumhafte Kulisse. Kleine Notiz am Rande: Es sind auch noch Delfine vorbei geschwommen. Ja wirklich. Ich hab den Eindruck in Kanada muss man sich nur irgendwo hinstellen und warten – irgendwas kommt schon vorbei. In Tsawwassen angekommen, ging es dann nochmal gut 40 Kilometer in der Dämmerung Richtung Hazelmere, Surrey, wo wir uns für diese Nacht in nem RV Park angemeldet hatten. Wir folgten der 17, dann der 99 und später irgendeiner Landstraße. Ich muss sagen, manchmal ist selbst das Autofahren in Kanada geil. Hinter uns der Sonnenuntergang, schräg vor uns der gewaltige Mount Baker schneebedeckt und über bzw. neben uns gleich mehrere Weißkopfseeadler. Mit letztem Tageslicht erreichten wir den Hazelmere RV Park. Die waren gut organisiert und hatten mir schon per Email geschrieben wo wir wohnen. Im Scheinwerferlicht konnte ich erkennen, dass es sich um einen sehr gepflegten, teils sehr kitschigen Park handelt. Schon komisch, da sind diese RV Parks mitten im Nichts, von denen man denkt, da will keiner hin, und dann sind die voll besucht. Hat ein wenig Kleingartencharakter. Schnell noch für den Flug nach Toronto eingecheckt (ja unser Datenvertrag mit den Typen von ChatR funktionierte im Großraum Vancouver auch endlich wieder) und unsere Koffer bezahlt (52,50 $ für zwei Koffer bei Air Canada).

Mit der Fähre nach Vancouver Island – auf ins Wochenende

Von Freitag dem 19. Mai 2017 – Tag 13, Squamish, Tsawwassen, Fähre nach Nanaimo, Whytecliff Park, Grouse Montain

Aufgewacht im Eagle Vista RV Park (Erfahrungsbericht Eagle Vista RV Park) in Squamish ist unser heutiges Tagesziel Vancouver Island. Nach einem entspannten Frühstück und einer langen Dusche im RV Park fuhren wir heute weiter Richtung Süden. In Squamish haben wir nochmal getankt – für 1,269 $ pro Liter. Langsam beschleicht mich der Gedanke, dass wir einen sehr günstigen Start mit den Spritpreisen hatten. Jedenfalls haben wir mal wieder für 100$ getankt, auf günstigere Preise warten schien keinen Sinn mehr zu machen.

Whytecliff Park, Lighthouse Park, Capilano Suspension Bridge, Grouse Mountain

Wir fuhren also die 99 entlang des Fjords mit beeindruckender Kulisse runter, nochmal vorbei am Campingground Porteau Cove den wir gestern so gern gewählt hatten. Als „Sehenswürdigekeiten“ hatten wir uns als erstes den Whytecliff Park an der Horseshoebay rausgesucht. Als wir von der 99 runter fuhren, merkten wir schnell, dass wir in einem engen Wohngebiet sind. Den Marine Drive Richtung Park zu fahren, war zwar landschaftlich sehr sehenswert, fahrtechnisch aber anstrengend. Zum Finale stellten wir dann fest, dass am Whytecliff Park nicht mal ansatzweise Platz für unser Wohnmobil zum Parken vorhanden ist. Also keine lange Diskussion, gleich weiter zum Lighthouse Park noch ein Stück weiter südlich. Also wieder rauf auf den Highway, mit nahezu Schrittgeschwindigkeit durch eine wirklich enge Baustelle und etwas später wieder runter. Wieder auf den Marine Drive und wieder das ernüchternde Ergebnis. Auch am Lighthouse Park war nicht wirklich Parkplatz für ein Wohnmobil unserer Größe. Vielleicht für nen Pickup, oder ein kleineres Wohnmobil. Für uns jedenfalls kein Platz. Jetzt war ich langsam urlaubsreif 🙂 Wir fuhren also noch weiter nach West Vancouver rein. Wir blieben auf dem Marine Drive und der wurde dann auch wieder etwas breiter und gerader. Wir kurvten ein paar Mal um den Ambleside Park herum, fanden dann aber einen guten Parkplatz am Hundestrand um unsere Sandwiches zu essen. Nachdem die kleinen Parks keinen Platz für uns hatten, entschlossen wir uns auf den Grouse Montain hoch zu fahren und vielleicht noch zum Capilano Suspension Bridge. Eine Art Baumwipfelpfad. Wir fuhren also über Marine Drive und Capilano Road zum Grouse Mountain Talstation. Fanden hier einen guten Parkplatz und kauften uns zwei Ticktets für die Seilbahn. 94,40 $ für zwei Personen – also 47,20 $ inklusive Steuern pro Nase für ein Tagesticket. Wir hätten den ganzen Tag hoch und runter fahren können (und sollen bei dem Preis). Wir fuhren hoch und hatten aus der Seilbahn einen super Blick auf Vancouver und auf das Wasser. Man konnte einige Tanker sehen und natürlich die Wolkenkratzer. Leider war es etwas diesig. Oben angekommen staunten wir nicht schlecht, was hier trotz 10 Grad Celsius noch an Schneemassen lag. Ansonsten hatte man das Gefühl, irgendwie in der Zwischensaison angekommen zu sein. Winter war vorbei, auch wenn 2-3 Snowboarder noch unterwegs waren und oben wurde alles für den Sommer schön gemacht. Manches war geschlossen. Immerhin war der Grizzly aufgewacht. Ja genau der Grizzly. Wussten wir nicht, war aber oben dann kaum zu übersehen, dass dort in einem Gehege zwei Grizzly Bären wohnen. Das Winterschlafgehege ist relativ klein, und es hieß die Bären seien erst seit kurzem aufgewacht. (Das Sommergehege ist wohl deutlich größer, sonst hätte mich gewundert, was die hier mit den Tieren anstellen). Mit etwas Ausdauer konnten wir tatsächlich den oder die Grizzlys sehen. Also die sind mal wirklich groß. So ein Schwarzbär ist ja nix dagegen. So einem Bären möchte man wirklich nicht im Wald begegnen. Oben haben wir uns dann noch einen Kaffee und die Aussicht auf Vancouver gegönnt. Traumhaft. Gegen 15 Uhr dachten wir, wir könnten noch den Capilano Suspension Bridge machen und fuhren wieder runter. Kurzer Stopp am Cleveland Damm. Sehr schön. Weiter zum Capilano Suspension Bridge. Naja und hier sind wir dann vorbeigefahren. Die Autoparkplätze waren nämlich richtig voll und die Busparplätze ebenfalls. Abgesehen davon, dass die auch eng sind. Also – da vielleicht lieber mit dem Bus hinfahren. Wohnmobile sind da echt nicht eingeplant.

Auf zur Fähre nach Tsawwassen

Nun waren wir also gut in der Zeit. Wir entschieden uns für den direkten Weg zur Fähre nach Tsawwassen. Schön an einem Freitagnachmittag durch den Feierabend Verkehr. Das war echt anstrengend – da wir aber keinerlei Zeitdruck hatten, störte es uns auch nicht im Stau zu stehen und durch den teils dreispurigen Verkehr zu schwimmen. In Tsawwassen haben wir noch was gegessen und waren dann ca. 2h vor Abfahrt (1h vorher soll man kommen) der Fähre am Terminal. Hat aber keinen gestört, so stehen wir jetzt also in Reihe eins und warten auf die Überfahrt nach Nanaimo für ein chilliges Wochenende auf Vancouver Island (genau wie ganz Kanada). Die Wartezeit konnte ich auch gut mit dem Aufschreiben der heutigen Erlebnisse übrerbrücken. Eben musste ich noch den Kühlschrank ausstellen und den Propantank zudrehen, da das auf dem Schiff so sein muss. Mal schauen wie wir so auf die Fähre passen. Aber es gibt ja durchaus noch größere Trucks in der Schlange.

Wie erwartet passten wir auf die Fähre – und noch deutlich größere Trucks dazu. Die Überfahrt war mit 2 Stunden noch erträglich. Ungewöhnlich war nur, dieses Mal aus dem LKW Deck und nicht wie sonst aus dem PKW Deck zu kommen. Das Wetter war ok, kaum spürbarer Wellengang. Die Fähre fuhr Richtung Osten nach Nanaomi, direkt dem Sonnenuntergang entgegen. Obwohl die Luft einen milden Hauch hatte, war auf Deck der Wind so stark, dass es uns bald rein zog.

In Nanaomi angekommen war es bereits dunkel. Wir fuhren fast als erstes vom Schiff und hatten freie Fahrt. Bis zu unserem Übernachtungsplatz, dem Brannen Lake RV Park & Campsite, waren es nur ca. 20 Kilometer. Wir fuhren ein Stück den Highway 1 lang und dann an der (zweiten) Abfahrt Jingle Pod Road raus. Warum auch immer es zwei Abfahrten mit diesem Namen gibt. Vielleicht um Touristen nachts zu ärgern. Ich fuhr zum ersten Mal im Dunkeln mit dem Wohnmobil. Eigentlich soll man nicht im Dunkeln fahren, wegen der aktiven Tierwelt in Kanada. Aber für dieses Stück ging es, ändern konnten wir es eh nicht. Am Brannen Lake RV angekommen, machte sich leichte Ernüchterung breit. Es war nirgends ein Hinweis darauf, wo bzw. welchen Stellplatz wir zugewiesen bekommen hatten. Das war per Email anders abgemacht. Naja – inzwischen 23 Uhr – war es uns egal. Wir hatten eh einen Platz ohne alles bekommen – so stellten wir uns einfach neben das Bürogebäude. So hatten wir wenigstens gutes WLAN im Wohnmobil.