Von Whistler bis Squamish – zurück am Wasser

Von Donnerstag dem 18. Mai 2017 – Tag 12, Whistler, Squamish

Unser heutiger Tag startete im Riverside Ressort in Whistler. Nachdem wir gestern noch gerade so einen 68 $ teuren Stellplatz bekamen, mussten wir uns heute um 9 Uhr anmelden und bezahlen. Diese Denkpause haben wir genutzt, um unseren ursprünglichen Plan, 2 Nächte in Whistler zu bleiben, über den Haufen zu werfen. 68 $ war uns einfach prinzipiell zu teuer, für den gebotenen Campground: es war nicht sonderlich groß oder gemütlich, Duschen kosteten extra und überhaupt. Wir verliessen also gegen 11 Uhr mit vollem Wassertank und leeren anderen Tanks das Gelände und steuerten die öffentlichen (und kostenlosen) Parkplätze am Blackcomb Way an. Von hier aus erkundeten wir zu Fuß die Stadt, also das Olympia Village und den Rest.

Die Innenstadt von Whistler wirkt wie ein großes Einkaufszentrum. Es reihen sich Geschäfte von allen Winter-/Outdoor-Marken mit Rang und Namen aneinander. Manche auch gleich mehrfach. (z.B. Patagonia, Peak Performance, North Face, Helly Hansen etc.) Dazu eine Vielzahl von Fahrrad- / Ski- / Snowboardläden. Man kann am Angebot der vielen Downhillbikes erkennen, dass die Winter Saison so gut wie vorbei ist. Und dennoch liefen noch einige wenige mit ihrem Snowboard zum Lift. Wir sind die Innenstadt zweimal hoch und runter gelaufen, ich habe mir noch bei roots Canada ein Souvenir gekauft und dann sind wir auch wieder zum Parkplatz. Wenn man nicht vor hat ein Abenteuer zu buchen, kommt man sich in der Innenstadt irgendwann etwas fehl am Platz vor. Das Wetter war aber mit ca. 15 Grad und Sonne sehr angenehm. Wir fuhren dann Stadtauswärts zum Alta-Lake. Nachdem wir uns in der richtigen Wildnis nicht so wohl fühlen (Bären), liefen wir eine Runde an dem See entlang. Nicht ganz rum, aber weit genug. Gegen frühen Nachmittag ging es dann weiter Richtung Squamish. Der Ort stand bisher nicht auf unserem Plan, aber das kommt eben davon, wenn man zu schnell voran kommt 🙂

In der Nebensaison muss man keinen Campground reservieren – oder?

Nach einem Tank- und Supermarktstopp (Sprit 1,269 $ – gefühlt teuer) ging es auf die Suche nach einem Campground. Wir hatten zwar abends schon geschaut, aber so richtig sicher waren wir nicht. Und wir dachten immer noch, wir könnten es uns aussuchen… Ca. 16 Kilometer hinter Squamish liegt direkt am Wasser Porteau Cove – Provincial Marine Park. Gott, wären wir gern da geblieben. 16:30 strahlender Sonnenschein und ein süßer kleiner Campground direkt am Fjord. Leider war der Campground voll. Die Dame am Empfang nannte uns einen anderen und meinte wenn`s da nicht klappt, sollten wir wiederkommen. Ich habe leider nicht geschaltet und diesen kleinen gereichten Finger nicht mit der Hand ergriffen. Wir fuhren also wieder wie vorgeschlagen ca. 15 km zurück nach Squamish. Kurz vor Squamish war im Hang auch noch ein kleiner Campground. Der Stawamus Chief Provincial Park Campground. Auch der sah sehr nett aus, doch hier war unser Camper leider zu groß. Das ist eben der Nachteil an dem Schiff, man passt nicht in jeden Hafen. Jetzt wurde es dann leider etwas trostloser. Zumindest nachdem wir eben die ersten beiden Campgrounds gesehen hatten. Unsere nächste Haltestelle war der WhistlePunk Hollow Adventure RV Park & Golf. Was sehr abgefahren klingt ist ein gewöhnlicher, wenn auch gut gepflegter Campground mit Minigolf. Ausgeschildert ist der übrigens als Eagle Vista Campground. Hier sieht man dann langsam, wie mühsam so eine Tour im Sommer sein muss, wenn halb Kanada mit dem RV unterwegs ist. Ohne Reservierung wird es dann ziemlich ernüchternd. Gute Überleitung zu unserer Wochenendplanung. Da die Kanadier ein langes Wochenende feiern, ist Vancouver Island gut besucht und auf unsere Reservierungen hat kaum jemand gewartet. Aber dennoch haben die meisten brav geantwortet und einige waren sogar so nett, eine Liste mit anderen Campgrounds mitzuschicken. Faire Geste. Jetzt ist alles gebucht.

Morgen geht’s dann Richtung Tsawwassen, von wo aus wir mit der Fähre nach Nanaimo übersetzen wollen. Ja das wäre kürzer und billiger ab Horseshoe Bay. Aber auch hier wieder: Für RVs unserer Größe war die Fähre bereits ausgebucht. (Also DIE Fähren am Freitag. Alle.) Die Fähre um 20:15 ab Tsawwassen war auch schon die letzte am Freitag die noch frei war.

Von Clearwater bis Whistler – ein paar umgeworfene Pläne

Von Mittwoch dem 17. Mai 2017 – Tag 11, Dutch Lake, Big Bar Lake, Clinton, die 99 nach Pemberton, Whistler

Heute morgen schien die Sonne. Das war in den letzten Tagen ja eher selten, so dass mir heute erst auffiel, dass British Columbia mit Sonne und blauem Himmel ja gleich noch viel schöner ist 😉 Die Sonne mussten wir natürlich genießen. Wir haben uns nach dem Frühstück noch ne Stunde auf den großen Steg am Dutch Lake gesetzt. Stühle stehen am Steg bereit, wir mussten uns nur hinsetzen und die Augen zu machen. Gegen halb 11 haben wir dann zusammengepackt. Kurzer Stopp an der Dump Station und auf geht’s zum ca. 200 km entfernten Big Bar Lake. Soweit zumindest der Plan für heute.

Auf zum Big Bar Lake

Wir fuhren also den Highway 5 von Clearwater weiter nach Süden, bis wir in Little Fort an einer sehr unscheinbaren Kreuzung rechts auf die 24 abbogen. Irgendwie denke ich seit wir Banff und Jasper verlassen haben, dass ich jeden Tag zum letzten Mal einen Berg mit einer Schneespitze gesehen habe, doch bisher habe ich mich jeden Tag geirrt. Auch heute. Auf der 24 ging es relativ bald für lange 12 Kilometer steil bergauf und schon waren wir wieder deutlich über 1000 m und auf Augenhöhe mit ein paar Schneespitzen am Horizont. Hier fuhren wir nun weiter, vorbei an vielen schönen Seen, z.B. den Lac de Roches. Auf die Seen bin ich echt neidisch.

Kurz vor Lone Butt sind wir dann auf die Watch Lake Road abgebogen um ein wenig abzukürzen. Dieser Weg führte uns aber auch am Green Lake vorbei, der ebenfalls einen wunderbaren Anblick bot. Und am Horizont hinterm See warteten schon wieder hohe weiße Berggipfel auf uns. 🙂 Wir passierten auf der Watch Lake Road, bzw. später auf der Green Lake Roard ein paar Viehgitter („Cattle guards“), ansonsten war die Straße ok.

In 70 Mile House ging die Straße dann in den Highway 97 über. Nach unserem Kartenmaterial hätten wir eigentlich gerade über den 97er rüber fahren müssen um auf kurzem Wegen Richtung Big Bar Lake zu kommen, aber da ging es nicht geradeaus. Außerdem war Richtung Norden ein Riesenstau, so dass wir einfach froh waren, in die andere Richtung zu müssen. So fuhren wir also die 97 / Cariboo Highway ein Stück runter und überlegten aber, wo und wie wir rechts abbiegen können.  Die nächste Gelegenheit hatten wir verpasst, bzw. bewusst ignoriert. Es war wieder ein Viehgitter und dahinter eine Schotterstraße. Das konnte nicht unser Weg sein. Also etwas später die nächste – asphaltiert. Wir bogen also rechts in die Meadow Road ab und folgten dieser. Nach wenigen Kilometern wurde aus schlechtem Asphalt guter Schotter. Nach weiteren Kilometern wurde aus gutem Schotter eine löchrige Sandpiste. Wir sind einige Kilometer gefahren. Wir haben schon ein Traum aus Island, was solche Straßen angeht, dachten aber immer – naja wenigstens ist sie breit genug und wenigstens ist sie fest. Wir fuhren also am Beaverdam Lake vorbei durchs „nichts“. Wir hofften dann bald auf unsere eigentlich gewählte Straße abbiegen zu können, die ist bestimmt besser. Diese erreichten wir dann, es gab auch die Kanada-typischen Stopp-Schilder. Leider war auch das keine Straße, sondern eine Sandpiste. Wir bogen trotzdem links ab Richtung Big Bar lake und fuhren noch ca. 2 Kilometer weiter durchs nichts. Irgendwann sah die Straße, dann aber so schlecht aus (FOTO), dass es aus beiden quasi synchron herauskam: „Wir drehen um“. Also mit unserem 10 Meter Schiff mal wieder wenden in 3 Zügen und zurück. Wir fuhren exakt den gleichen Weg zurück bis zum Cariboo Highway – schließlich hätte man ständig mit nem weiteren Grund zum wenden rechnen müssen. Und wir haben eben keinen Pick up, sondern ein Riesenwohnmobil (wenn auch mit 10 Zylindern und großen Rädern). Also hatten wir gerad mal wieder knapp 30 Kilometer mit einer Safari durch Wald und Wiesen zugebracht. Also weiter nach Clinton. Einige Kilometer weiter fiel es uns wie Schuppen von den Augen, als plötzlich auf einem großen Schild der Big Bar lake angepriesen wurde. Wir dachten – das kann jetzt nicht wahr sein. Waren wir wohl nur zu früh abgebogen. Also bogen wir ab und wieder: Eine Schotter-Straße. Nachdem für die Nacht Regen angesagt war, dachten wir uns: Keine Experimente, ab nach Clinton.

Clinton kann nicht das Ziel sein

In Clinton angekommen stellten wir fest, dass Clinton ein schöner Ort zum durchfahren ist, aber keiner zum Bleiben. Also kurzentschlossen. Lass uns weiter Richtung Whistler fahren. Gute 230 Kilometer hatten wir schon hinter uns heute. Bis Whistler sind es nochmal ca. 230. Ich fahre zwar wirklich gern mit dem RV, aber auf Dauer ist es auch etwas anstrengend. Aber hier konnten wir ja nicht bleiben. Also weiter die 97 runter und nach 29 Kilometern rechts abbiegen auf die 99.

Endlich eine richtige Gebirgsstraße

Die 99. Was soll ich sagen, die 99 war alles was ich mir auf der Icefield Parkway erwartet hatte. Die 99 ist ne richtige Gebirgstraße, man fährt Serpentinen, fährt an tiefen Canyons vorbei. Diese Straße zu fahren war wirklich anstrengend, ich denke im Schnitt sind wir 40 bis 50 km/h gefahren, aber es war echt cool. Die Landschaft ist einzigartig. Erst ist es noch relativ karges Weideland an steilen Bergen, später trifft man mal wieder auf den schmutzigen gewaltigen Frazer River, der tief im Tal fließt. Dann geht es steil hoch ins die Berge und man ist wieder im Wald unterwegs.

Als Pausenort hatten wir uns Lillooet ausgesucht. Außerdem mussten wir tanken. Zum Thema Pausenort. Lillooet ist so sehenswert wie Clinton. Einziger Vorteil, die Straßen sind so breit, dass man auch mit dem 10 m Wohnmobil einen U-Turn machen kann. In der Stadt gibt es übrigens eine Esso Tankstelle, die bei uns 10 Cent teurer war als die Chevron am Ortsende Richtung Whistler. Das Warten hat sich gelohnt.  Ab Lillooet war die 99 noch für 100 km ein großer Spaß. Wer gern Auto fährt, wird dieses Stück lieben. Viele Kurven, Berg hoch, Berg runter. Am Duffey Lake machten wir noch einen kurzen Fotostopp. Hier hatte sich viel Holz angesammelt und eine Heruntergebrochene Lawine gab es auch zu bestaunen. Bis kurz von Pemberton genossen wir also die Gebirgsstraße bis es dann steil bergab ins Tal ging. Teilweise mit einem Gefälle von 15%. Merke: Die Automatik scheint von allein runterzuschalten, wenn man Berg runter bremst. Wusste gar nicht, dass die Automatik das kann. Als wir dann unten im Tal waren, eröffnete sich eine neue Welt für uns. Hier war das Grün der Bäume und Wiesen so saftig, wie wir es die letzten Tage kaum gesehen hatten. In Pemberton ist Frühling. Bis Whistler war es dann nicht mehr weit und wir steuerten den Whistler riverside campground an. Wir waren kurz vor 19 Uhr am Checkin. Online stand, dass der Checkin bis 21 Uhr offen ist. Dem war wohl nicht so, die Dame hatte wohl schon Feierabend und gab uns noch eine Schnelleinweisung. Wir mussten Full Hook up nehmen, da für 31 Fuss lange Fahrzeuge nur diese Kategorie zur Verfügung steht. Abends dann noch ein kleines Lagerfeuer mit dem Holz vom Dutch Lake und schon ist der Tag wieder um. Ob wir morgen weiter fahren wissen wir noch nicht. Eigentlich wollten wir 2 Nächte bleiben, aber für happige 68 Dollar die Nacht bekommen wir hier relativ wenig geboten. (Zum Vergleich, beim letzten Campingplatz waren es 74 $ für 2 Nächte.)  Die Stellplätze sind sehr eng beieinander.

Und wo schlafen wir jetzt in Tofino?

Ach ja. Da war ja noch die Wochenend-Planung. Wir haben ja leider Tofino ans Ende unserer Reise ausgerechnet auf das lange Wochenende der Kanadier gelegt. So dass die besonders hippen Campgrounds schon ausgebucht schienen. Nachdem wir gestern so ziemlich jeden auf Vancouver Island angeschrieben haben, haben wir jetzt einen Plan. Freitag Nacht gleich nach der Fähre Brannen Lake Campsite. Samstag dann ab nach Tofino mit Übernachtung in Ucluelet Campground (Sie hatten nur noch 1 Nacht frei) und Sonntag Übernachtung auf der Cedar Springs Ranch. Montag abend dann mit der Fähre zurück aufs Festland.