Von Clearwater bis Whistler – ein paar umgeworfene Pläne

Von Mittwoch dem 17. Mai 2017 – Tag 11, Dutch Lake, Big Bar Lake, Clinton, die 99 nach Pemberton, Whistler

Heute morgen schien die Sonne. Das war in den letzten Tagen ja eher selten, so dass mir heute erst auffiel, dass British Columbia mit Sonne und blauem Himmel ja gleich noch viel schöner ist 😉 Die Sonne mussten wir natürlich genießen. Wir haben uns nach dem Frühstück noch ne Stunde auf den großen Steg am Dutch Lake gesetzt. Stühle stehen am Steg bereit, wir mussten uns nur hinsetzen und die Augen zu machen. Gegen halb 11 haben wir dann zusammengepackt. Kurzer Stopp an der Dump Station und auf geht’s zum ca. 200 km entfernten Big Bar Lake. Soweit zumindest der Plan für heute.

Auf zum Big Bar Lake

Wir fuhren also den Highway 5 von Clearwater weiter nach Süden, bis wir in Little Fort an einer sehr unscheinbaren Kreuzung rechts auf die 24 abbogen. Irgendwie denke ich seit wir Banff und Jasper verlassen haben, dass ich jeden Tag zum letzten Mal einen Berg mit einer Schneespitze gesehen habe, doch bisher habe ich mich jeden Tag geirrt. Auch heute. Auf der 24 ging es relativ bald für lange 12 Kilometer steil bergauf und schon waren wir wieder deutlich über 1000 m und auf Augenhöhe mit ein paar Schneespitzen am Horizont. Hier fuhren wir nun weiter, vorbei an vielen schönen Seen, z.B. den Lac de Roches. Auf die Seen bin ich echt neidisch.

Kurz vor Lone Butt sind wir dann auf die Watch Lake Road abgebogen um ein wenig abzukürzen. Dieser Weg führte uns aber auch am Green Lake vorbei, der ebenfalls einen wunderbaren Anblick bot. Und am Horizont hinterm See warteten schon wieder hohe weiße Berggipfel auf uns. 🙂 Wir passierten auf der Watch Lake Road, bzw. später auf der Green Lake Roard ein paar Viehgitter („Cattle guards“), ansonsten war die Straße ok.

In 70 Mile House ging die Straße dann in den Highway 97 über. Nach unserem Kartenmaterial hätten wir eigentlich gerade über den 97er rüber fahren müssen um auf kurzem Wegen Richtung Big Bar Lake zu kommen, aber da ging es nicht geradeaus. Außerdem war Richtung Norden ein Riesenstau, so dass wir einfach froh waren, in die andere Richtung zu müssen. So fuhren wir also die 97 / Cariboo Highway ein Stück runter und überlegten aber, wo und wie wir rechts abbiegen können.  Die nächste Gelegenheit hatten wir verpasst, bzw. bewusst ignoriert. Es war wieder ein Viehgitter und dahinter eine Schotterstraße. Das konnte nicht unser Weg sein. Also etwas später die nächste – asphaltiert. Wir bogen also rechts in die Meadow Road ab und folgten dieser. Nach wenigen Kilometern wurde aus schlechtem Asphalt guter Schotter. Nach weiteren Kilometern wurde aus gutem Schotter eine löchrige Sandpiste. Wir sind einige Kilometer gefahren. Wir haben schon ein Traum aus Island, was solche Straßen angeht, dachten aber immer – naja wenigstens ist sie breit genug und wenigstens ist sie fest. Wir fuhren also am Beaverdam Lake vorbei durchs „nichts“. Wir hofften dann bald auf unsere eigentlich gewählte Straße abbiegen zu können, die ist bestimmt besser. Diese erreichten wir dann, es gab auch die Kanada-typischen Stopp-Schilder. Leider war auch das keine Straße, sondern eine Sandpiste. Wir bogen trotzdem links ab Richtung Big Bar lake und fuhren noch ca. 2 Kilometer weiter durchs nichts. Irgendwann sah die Straße, dann aber so schlecht aus (FOTO), dass es aus beiden quasi synchron herauskam: „Wir drehen um“. Also mit unserem 10 Meter Schiff mal wieder wenden in 3 Zügen und zurück. Wir fuhren exakt den gleichen Weg zurück bis zum Cariboo Highway – schließlich hätte man ständig mit nem weiteren Grund zum wenden rechnen müssen. Und wir haben eben keinen Pick up, sondern ein Riesenwohnmobil (wenn auch mit 10 Zylindern und großen Rädern). Also hatten wir gerad mal wieder knapp 30 Kilometer mit einer Safari durch Wald und Wiesen zugebracht. Also weiter nach Clinton. Einige Kilometer weiter fiel es uns wie Schuppen von den Augen, als plötzlich auf einem großen Schild der Big Bar lake angepriesen wurde. Wir dachten – das kann jetzt nicht wahr sein. Waren wir wohl nur zu früh abgebogen. Also bogen wir ab und wieder: Eine Schotter-Straße. Nachdem für die Nacht Regen angesagt war, dachten wir uns: Keine Experimente, ab nach Clinton.

Clinton kann nicht das Ziel sein

In Clinton angekommen stellten wir fest, dass Clinton ein schöner Ort zum durchfahren ist, aber keiner zum Bleiben. Also kurzentschlossen. Lass uns weiter Richtung Whistler fahren. Gute 230 Kilometer hatten wir schon hinter uns heute. Bis Whistler sind es nochmal ca. 230. Ich fahre zwar wirklich gern mit dem RV, aber auf Dauer ist es auch etwas anstrengend. Aber hier konnten wir ja nicht bleiben. Also weiter die 97 runter und nach 29 Kilometern rechts abbiegen auf die 99.

Endlich eine richtige Gebirgsstraße

Die 99. Was soll ich sagen, die 99 war alles was ich mir auf der Icefield Parkway erwartet hatte. Die 99 ist ne richtige Gebirgstraße, man fährt Serpentinen, fährt an tiefen Canyons vorbei. Diese Straße zu fahren war wirklich anstrengend, ich denke im Schnitt sind wir 40 bis 50 km/h gefahren, aber es war echt cool. Die Landschaft ist einzigartig. Erst ist es noch relativ karges Weideland an steilen Bergen, später trifft man mal wieder auf den schmutzigen gewaltigen Frazer River, der tief im Tal fließt. Dann geht es steil hoch ins die Berge und man ist wieder im Wald unterwegs.

Als Pausenort hatten wir uns Lillooet ausgesucht. Außerdem mussten wir tanken. Zum Thema Pausenort. Lillooet ist so sehenswert wie Clinton. Einziger Vorteil, die Straßen sind so breit, dass man auch mit dem 10 m Wohnmobil einen U-Turn machen kann. In der Stadt gibt es übrigens eine Esso Tankstelle, die bei uns 10 Cent teurer war als die Chevron am Ortsende Richtung Whistler. Das Warten hat sich gelohnt.  Ab Lillooet war die 99 noch für 100 km ein großer Spaß. Wer gern Auto fährt, wird dieses Stück lieben. Viele Kurven, Berg hoch, Berg runter. Am Duffey Lake machten wir noch einen kurzen Fotostopp. Hier hatte sich viel Holz angesammelt und eine Heruntergebrochene Lawine gab es auch zu bestaunen. Bis kurz von Pemberton genossen wir also die Gebirgsstraße bis es dann steil bergab ins Tal ging. Teilweise mit einem Gefälle von 15%. Merke: Die Automatik scheint von allein runterzuschalten, wenn man Berg runter bremst. Wusste gar nicht, dass die Automatik das kann. Als wir dann unten im Tal waren, eröffnete sich eine neue Welt für uns. Hier war das Grün der Bäume und Wiesen so saftig, wie wir es die letzten Tage kaum gesehen hatten. In Pemberton ist Frühling. Bis Whistler war es dann nicht mehr weit und wir steuerten den Whistler riverside campground an. Wir waren kurz vor 19 Uhr am Checkin. Online stand, dass der Checkin bis 21 Uhr offen ist. Dem war wohl nicht so, die Dame hatte wohl schon Feierabend und gab uns noch eine Schnelleinweisung. Wir mussten Full Hook up nehmen, da für 31 Fuss lange Fahrzeuge nur diese Kategorie zur Verfügung steht. Abends dann noch ein kleines Lagerfeuer mit dem Holz vom Dutch Lake und schon ist der Tag wieder um. Ob wir morgen weiter fahren wissen wir noch nicht. Eigentlich wollten wir 2 Nächte bleiben, aber für happige 68 Dollar die Nacht bekommen wir hier relativ wenig geboten. (Zum Vergleich, beim letzten Campingplatz waren es 74 $ für 2 Nächte.)  Die Stellplätze sind sehr eng beieinander.

Und wo schlafen wir jetzt in Tofino?

Ach ja. Da war ja noch die Wochenend-Planung. Wir haben ja leider Tofino ans Ende unserer Reise ausgerechnet auf das lange Wochenende der Kanadier gelegt. So dass die besonders hippen Campgrounds schon ausgebucht schienen. Nachdem wir gestern so ziemlich jeden auf Vancouver Island angeschrieben haben, haben wir jetzt einen Plan. Freitag Nacht gleich nach der Fähre Brannen Lake Campsite. Samstag dann ab nach Tofino mit Übernachtung in Ucluelet Campground (Sie hatten nur noch 1 Nacht frei) und Sonntag Übernachtung auf der Cedar Springs Ranch. Montag abend dann mit der Fähre zurück aufs Festland.

Unterwegs im Wells Gray Provincial Park

Von Dienstag dem 16. Mai 2017 – Tag 10, Dutch Lake, Wells Gray Provincial Park, Helmcken Falls, Dawson Falls,

Dienstag, seit einer Woche sind wir mit unserem Camper in British Columbia und Alberta unterwegs. Und da wir am Dutch Lake Campground für zwei Nächte bleiben, müssen wir heute keine große Route planen, sondern nur einen Tagesausflug. Das ist mal ganz erholsam.

Bekanntschaft mit dem kanadischen ADAC (BCAA)

Doch das erste Abenteuer überraschte uns bereits noch auf dem Camping Platz. Während ich duschen war, hat Katrin den Camper verlassen und die  Tür zu gemacht. Die Fahrer- und Beifahrertür haben wir immer verriegelt wenn wir campen. Die Tür zum Wohnbereich des Campers hat nun aber anscheinend einen kleine Macke, d.h. sie verriegelt sich offensichtlich von alleine. Wissen wir seit heute. Lange Rede kurzer Sinn: Wir waren ausgesperrt. Ich in Badelatschen und T-Shirt. Immerhin kein Regen. Immerhin Dienstag vormittag und nicht Sonntag Nacht. Die freunliche Dame vom Campingplatz hat dann beim BCAA, dem British Columbia Automobile Association, angerufen. Nach 15 Minuten war er da, nach weiteren 3 Minuten war der Spuk vorbei. Genau 2,22 Minuten hat er gebraucht um unser Auto aufzubrechen. 40 $ hat er dafür bekommen. Guter Stundenlohn. Aber wir hätten auch mehr bezahlt. Was macht man auch in so einer Situation 🙂

Nach diesem Schreck ging es dann also an die eigentlichen Abenteuer:

Wir haben uns als heutiges Ziel den Clearwater Lake rausgesucht. Dieser liegt gut 60 Kilometer nördlich von Clearwater mitten im Wells Gray Provincial Park. Einem der vielen, vielen Parks hier. Ich komm langsam durcheinander.

Dawson Falls und Helmcken Falls

Wir verließen vormittags unserer Campground und fuhren (nach einem kurzen Tankstopp – 1,149 $ / l) die Clearwater Valley Road Richtung Norden. (Man verlässt die 5 mitten in Clearwater am Kreisverkehr, wo auch Shell ist.) Erstmal ging es gute 45 Kilometer auf einer Asphalt Straße. Anfangs gute Straße, später dann etwas gealterte Straße. Aber es fuhr sich gut. Erst ging es steil bergauf, so dass man einen guten Blick in das  tiefe Clearwater Valley hatte und später natürlich wieder runter. Es ging vorbei an einigen Ranches (, wovon einige auf Western Ranch machten) und satten grünen Wiesen. Wir passierten auch das Wellsgray Golf and RV Park Ressort, welches im Vorbeifahren einen guten Eindruck machte. Nach einiger Zeit ging das Straßenbild dann aber wieder in tiefen Wald über. Unseren ersten größeren Halt machten wir nach ca. 40 Kilometern wir an den Dawson Falls am Murtle River. Es gibt einen Parkplatz, von dem man ein Stück – ca. 10-15 Minuten – durch den Wald herab zu den Dawson Falls laufen kann. Es lohnt sich auf jeden Fall sich die Wasserfälle anzuschauen. Sie sind ca. 90 Meter breit und man kommt sehr nah ran. So nah war ich bisher noch an keinem großen Wasserfall. Es ist sehr beeindruckend die Wassermassen aus der Nähe fallen zu sehen. Anschließend ging es mit dem Auto weiter und direkt über den Fluss. Auf der anderen Seite hätte man über den Pyramid Campground auch nochmal an den Wasserfall herangehen können, uns hat aber die eine Seite ausgereicht. Nach knapp 7 Kilometern bogen wir dann links in die Helmcken Falls Road ab, die nochmal ca. 5 km weiter ging. Diese endet an einem Parkplatz für die Helmcken Falls. Irgendwie bin ich immer versucht an Wasserfällen vorbeizufahren, weil man irgendwann denkt, kennste einen, kennste alle. Und jedes mal, wenn ich dann an einem Wasserfall stehe, denke ich, gut, dass wir da sind. Der ist ja was ganz besonderes. Die Helmcken Falls waren nämlich völlig anders als die Dawson Falls. Die Helmcken Falls kann man nur aus weiter Entfernung besichtigen, aber der Abstand setzt die Fälle auch ins richtige Bild. Es ist mehr als beeindruckend zu sehen, wie so viel Wasser durch den schmalen Spalt gepresst wird. Die ganze Schlucht ist mehr als spektakulär. Man kann dann dem Fluss folgend auch an den abgesperrten Bereichen vorbei weiter wandern, aber vorsicht. Es ist eben ohne Zaun und es geht weit nach unten. Ein kleiner Gedenkstein etwas hinter dem Zaun erinnert an einen dänischen Touristen, der vor weniger als einem Jahr herunter stürzte.

Nach dem wir den majestätischen Anblick der Helmcken Falls genossen hatten, stiegen wir wieder in unser RV und fuhren weiter Richtung Endhaltestelle Clearwater lake. Es ging die 5 km auf der Helmcken Falls zurück und nun nach links auf die Clearwater Valley Road. Von hier an, war die Straße übrigens nicht mehr asphaltiert, sondern eine Sandpiste. Aber unsere Befürchtungen und Erinnerungen an Island wurden nicht bestätigt. Die Straße war fest und glatt. Es lag zwar etwas Schotter herum, aber die Straße fuhr sich kaum schlechter als das letzte Stück des asphaltierten Weges. Hier ging es nochmal ca. 22 km und ca. 40 Minuten bis zum Ende. Das Ende war ein großer Menschen-leerer Parkplatz an der Clearwater lake boat launch – also da wo man sein Boot ins Wasser lässt, wenn man eins dabei hat. Wir hatten leider keins dabei. Von hier aus gehen in beide Richtungen am See Trails entlang. Da es gestern stark geregnet hat, war alles recht feucht. Wir sind ca. 20 Minuten am See entlang auf nem schmalen Pfad Richtung Camping Ground gelaufen. Das war sehr schön, aber nachdem wir gestern noch auf der Fluss-Safari gesehen hatten, wie die Bären am Wasser lang spazieren, war uns doch etwas mulmig und wir kehrten um. Wir fuhren dann die 3 km mit dem Auto zurück bis zum Clearwater Lake Campground. Wir hatten da ein Schild für ein Cafe gesehen und zweifelten zwar, daran dass es offen sei – aber es war tatsächlich offen. Und so kehrten wir in das „The Osprey Cafe“ ein. Ausser uns waren noch der Vater vom Wirt zu Gast, der sich mit einem Kumpel darüber unterhielt, dass ein Vogel gegen sein Fenster zu Hause geflogen sei („Now it`s in the fridge“) – andere Länder, andere Sitten. Wir aßen sehr leckeren Kuchen, tranken unseren Kaffee, quatschten ein wenig über Bären und zogen schnell weiter, weil die bis dato nicht existenten Moskitos uns irgendwie als „neu hier“ identifiziert hatten. Das Cafe hat eine Traumlage. Es liegt direkt am Clearwater River, wo dieser langsam beginnt „Gefälle zu bekommen“. Es rauscht stetig das Wasser und es gibt also diese Menschen, die da einfach sitzen dürfen und Kuchen verkaufen. Bei der Aussicht. Schon schön. Man hätte hier übrigens auch Kanus ausleihen können. Das war unser Ursprungsplan, aber mit der Wanderung am See entlang war es uns dann zu spät. Wir machten uns dann wieder auf den gut 60 km Rückweg, den wir mit durchschnittlich 50 km/h bestritten. In Clearwater waren wir im Buy low foods Supermarkt Den hatte ich schonmal online gesehen, aber bisher nicht in Wirklichkeit. Kann man empfehlen, sieht von innen keineswegs so billig aus, wie von außen. Großes Angebot, kann man hingehen. Anschließend bin ich dann noch eine Runde joggen gewesen. Hab mich natürlich verlaufen und war plötzlich mitten im Wald. Da ich nun auch keine Lust habe, einen Bären im Wald zu treffen, lief ich eine große Runde über die Clearwater Valley Road und den Highway. Fazit: See umrundet. Kennt man sich nicht aus, schafft man ganz neue Weiten.

Nachdem wir mal wieder unsere Pläne umgeworfen haben, kam uns heute in den Sinn, dass wir vielleicht nicht nur die Fähre nach Vancouver Island reservieren sollten, sondern auch die Campingplätze. Die Idee war gut, aber zu spät. Bis jetzt nur Absagen. Von „da sind die Bewertungen nicht so gut“ oder „die Lage gefällt mir nicht“, sind wir jetzt ganz schnell in „egal wo, wir brauchen nen Platz um nicht 500 km weiter zu fahren“ geschubst worden. So schnell kanns gehen, wenn die Kanadier ein langes Wochenende haben.

Zurück nach British Columbia – von Jasper nach Clearwater und dazwischen viele, viele Bären

Von Montag dem 15. Mai 2017 – Tag 9, Clearwater, Dutch Lake, Blue River Safari

Nach einer sehr entspannten Nacht im Jasper Nationalpark auf dem Whistler Campground brachen wir heute auf, um weiter nach Blue River zu fahren. Wir starteten ab Jasper auf Highway 16 in Richtung Mount Robson.

Am Straßenrand gibts das beste Gras – sagen Cariboos und Bären

Schon nach wenigen Kilometern sahen wir am Straßenrand ein paar Autos stehen. Der Grund war ebenfalls nicht zu übersehen. Am Straßenrand stand ein ausgewachsenes Cariboo Männchen und fraß genüsslich das Gras. Auch unser Fotostopp schien ihn nicht im geringsten zu interessieren. Das beste Zeichen für Sehenswürdigkeiten in Kanada sind doch immer noch geparkte Autos am Straßenrand. Nun ging es aber weiter Richtung Mount Robson. Entlang an breiten Flussläufen, viel Wald und immer mit den allgegenwärtigen Rockies um uns herum. Etwas später stießen wir nochmal auf 3 Karibu Weibchen – am Straßenrand gibt es einfach das beste Gras. Und auch das sollte nicht unsere einzige Tierbegegnung bleiben. Ebenfalls am Straßenrand hatten wir unsere bereits dritte Bärenbegegnung in Kanada. Nachdem wir bisher zweimal Schwarzbären getroffen haben, war dieses mal ein scheuer junger Braunbär im Straßengraben unterwegs. Als wir langsam wurden, schlug er sich allerdings blitzschnell ins Unterholz. Interessant zu sehen, wie schnell ein Bär sein kann.

Nach ca. 90 Kilometern machten wir im Visitor Center von Mount Robbson Halt – unsere Hoffnung auf Wlan wurde erfüllt und wir konnten emails checken und Route planen. Hier haben wir auch beschlossen, nicht in Blue River zu übernachten. Das Visitor Center war übrigens sehr gut mit Infomaterialien ausgestattet. Obwohl wir wieder in British Columbia waren, gab es hier selbst über Alberta mehr Prospekte als in Jasper.

Blueriver Flußsafari – lohnt sich das?

Der Campground in Blueriver hatte nicht die Bewertungen, die zu einer Übernachtung einladen und da es nur 60 km bis Clearwater sind, haben wir unseren Plan umgeworfen (wie so oft). In Valemount haben wir einen kurzen Tankstopp eingelegt. Gute 80 Liter für 1,129 $ getankt. Weiter ging es dann zur Blueriver Fluss Safari. Diese hatten wir uns schon vor ein paar Tagen auf einem Flyer angeschaut. Kurz vor Blueriver ging es nicht übersehbar (viele große Schilder) links rein. Wir überquerten eine sehr abenteuerlich anmutende Brücke und folgten einer Sandpiste – noch 500 m durch den Wald und wir kamen beim Safari Camp an. Interessanter Weise standen auf keinem Flyer die Preise für die River Safari. Lediglich der Hinweis, dass es für Buchung von River und Jeep Safari zusammen einen Rabatt gäbe. Auch in dem Verkaufsstand am Fluss stehen keine Preise dran. Hier hat wohl ein Verkaufspsychologe gearbeitet. Machen wir es kurz: Das Ticket für die ca. 1 stündige River Safari kostet 100 kanadische Dollar je Erwachsenen. Wir haben es bezahlt und warten gerade darauf, um 13.15 Uhr zu starten.  Die Jeep Safari ist übrigens noch nicht möglich, da es wohl noch zu viel Schnee auf den Bergen gibt.

So. Gute 90 Minuten später, was soll ich sagen. Wir haben Bären gesehen – mehr als einmal, die Tour war cool. (Weiter zum detaillierten Bericht zur Blueriver Safari) Nachdem die die Safari also ein Erfolg war, waren wir mal wieder sehr froh, mit einem Wohnmobil  unterwegs zu sein. Während der Bootstour hat sich Sonnenschein und heftiger Regen quasi im 10-Minuten Takt abgewechselt. Es gab zwar Ponchos und auch Decken, aber es war dann schon schön einfach auf dem Parkplatz die Hose zu wechseln, andere Schuhe anzuziehen, nen Keks essen… und sich kurz aufs Sofa zu setzen 😉

Gegen 15 Uhr sind wir dann weitergefahren. Als wir durch Blueriver fuhren, waren wir schon sehr froh, dass wir hier nicht übernachten werden. Der Campground sah von aussen ok aus, aber es war einfach zu früh am Tag um sich bei schlechtem Wetter niederzulassen. Wir fuhren also nochmal gute 110 Kilometer weiter. Ein Stück hinter Blueriver hatten wir dann nochmal das seltene Glück eine Bärenfamilie zu sehen. In einer Senke neben der Straße war eine Mutter mit zwei kleinen Jungtieren unterwegs. Leider haben wir sie etwas spät gesehen. So fuhren wir ein paar hundert Meter weiter, dann „wenden in drei Zügen“ auf offener Straße und zurück. Dass wir auf der Straße neben ihnen halten wollten, fand die Mutter leider nicht gut, und hat die zwei kleinen direkt ins Unterholz geschickt. Sie selbst verschwand dann auch direkt. Somit keine Famlienfotos, aber hey, wir haben sie gesehen. Die restlichen Kilometer waren unspektakulär, aber anstrengend. Insgesamt sind wir heute gut 320 km abgefahren, das merkt man dann schon irgendwann.

Als Ziel hatten wir uns den „Dutch Lake Campground“ in Clearwater ausgesucht. Wie der Name schon sagt, liegt der an einem See. War spärlich ausgeschildert, aber wir haben es gefunden. Wir haben uns wieder für Wasser und Strom – ohne Abwasser entschieden. Wir bleiben gleich zwei Nächte und zahlen pro Nach 38 $. Und es gibt WLAN. Schön, dass mal wieder direkt im Camper zu haben, nachdem es in den staatlichen Parks überhaupt keins gab. So konnten wir gleich die Fähre nach Vancouver Island umbuchen, denn auch hier haben wir unsere Pläne nochmal geändert… Später mehr.

Von Banff über den Icefield Parkway nach Jasper – Tag 8

Von Sonntag dem 14. Mai 2017 – Tag 8, Icefield Parkway, Peyto Lake, Mistaya Canyon, Jasper :

Heute ist es soweit, wir wollen die Icefield Parkway von Banff nach Jasper fahren. Ich muss zugeben, die Icefield Parkway hat in den letzten Tagen bei mir einen gewisse Spannung aufgebaut. Google Maps behauptet, dass man für diese Strecke von 288 km (ab Banff) mehr als 7 Stunden benötigen würde. Ich hatte also eine Ehrfurcht hier lang zu fahren. Nun gut. Wir sind um 6 Uhr aufgestanden und nach einem verkürzten Frühstück gegen 7.15 in Banff losgefahren. Wir fuhren den Highway 1 zurück, vorbei an (mal wieder) Lake Louise und fuhren gegen 8 Uhr in die Road 93 also in die Icefield Parkway ein. Wir waren gefühlt allein auf der Straße, was meine Ehrfurcht noch vergrößerte. Auch die vielen Schilder und der Schlagbaum am Eingang bauten bei mir die Erwartung auf, den übelsten Gebirgspass vormir zu haben. Es kam anders.

Erste Station am Icefield Parkway: Der Peyto Lake

Die Straße war angenehm breit und von wenigen Ausnahmen abgesehen auch gerade. Die Icefield Parkway fuhr sich wirklich gut, fast langweilig. Ich hatte mir ursprünglich Serpentinen wie an norwegischen Fjorden vorgestellt, weit gefehlt.

Unser erster größerer Stopp sollte der Peyto Lake sein. Nicht weil wir es geplant hatten, wir hielten einfach mal an und stolperten ins Abenteuer. Der Parkplatz war nicht weit weg von der Hauptstraße und überall lag noch Schnee. Ein paar Autos und RVs standen schon. Vom Parkplatz ging ein schmaler Trampelpfad durch den Schnee. Wir schnappten uns Kamera und Jacke und liefen los. Der Schnee war zu Eis gefroren und es war entsprechend glatt. An den Bäumen konnte man ganz gut erkennen, wie hoch die Schnee-/Eisdecke war. Ca. ein halber Meter trennte uns vom Erdboden. Der Trampelpfad hatte teils ordentlichen Anstieg, so dass es recht mühsam war, hier lang zu laufen. Es war schließlich komplett gefroren und uneben von den gefrorenen Fußspuren der Vortage. Nach gut 15-20 Minuten durch den Wald stapfen, erreichten wir dann das Ziel, auch Bow Summit genannt. Auch auf der Aussichtsplattform lag der Schnee ca. 50 cm über dem Holz. Aber man konnte gut darauf gehen. Doch statt eines schönen türkisenen Sees, gab es den Blick auf eine Winterlandschaft mit einem zu großen Teilen zugefrorenen See. Der Rückweg zurück zum Auto war auch nicht einfacher. Im Gegenteil. Einerseits ist bergab bei Glatteis kein Spaß und andererseits kamen uns vermehrt Leute entgegen, weil sich der „Park“ langsam zu füllen schien.

Wir fuhren also weiter und hielten als nächstes schon nach gut 32 km beim Mistaya Canyon. Auch hier hielten wir eher aus Neugier als aus Planung, aber es hat sich gelohnt. Es ging ca. 500 Meter zu Fuß vom Parkplatz mit Gefälle Richtung Fluss. Wir erreichten dann eine Brücke, die weit über dem Canyon war. Hier hatte sich das Wasser offenbar schon sehr lange in den Felsen geschnitten und dabei kunstvoll das Gestein geformt. Es war eigentlich ein Viewpoint ausgeschrieben, den haben wir aber nicht gefunden. (Wir wollten auch nicht gleich ne Wanderung daraus machen). Von hier gingen aber auch einige Trails weg und es sah schon einladend aus für Wanderungen. Nächstes Mal 😉

Athabasca Gletscher, Glacier Skywalk & Athabasca Falls

Von nun an ging es weiter mit klarem Ziel Athabasca Gletscher. Wir haben zwischendurch nur nochmal für das ein oder andere Foto gehalten, denn wir hatten in Erwägung gezogen, am Gletscher eine Fahrt mit dem ICE Explorer zu machen oder auf das Glacier Skywalk zu gehen. Gegen 13 Uhr erreichten wir dann den Gletscher und verschafften uns erstmal mit einem kleinen Spaziergang Richtung Gletscher einen Überblick. Das Wetter war sehr wechselhaft, mal Schneeschauer, dann wieder sonnig, dann wieder eisige Böen.

Da wir in Island in 2015 schon eine ausführliche Gletscherwanderung gemacht hatten, entschlossen wir uns gegen die Fahrt mit dem ICE Explorer. Wir hatten ein paar Bewertungen gelesen und die Quint Essenz war „Wer noch nie Schnee gesehen hat, sollte es unbedingt machen.“ Schnee kannten wir schon, also haben wir es gelassen. Wir haben uns im Gletscher Center einen Kaffee (und Wlan) gegönnt und ein wenig den Blick auf den Gletscher genossen. Sehr schön, aber auch nichts Besonderes wenn man schon mal einen Gletscher gesehen hat. Hier haben wir uns auch nochmal ausführlich mit dem Glacier Skywalk beschäftigt. Auch den haben wir letztlich ausgelassen. Der ist nämlich nicht in irgendeiner Nähe zum Gletscher, sondern ein paar Kilometer weiter, direkt an der Straße über die Schlucht gebaut. Das Gefühl über dem Abgrund zu stehen, hatten wir im letzten Jahr am Alpspitz. Wir waren also am Athabasca Gletscher relativ schnell durch und fuhren weiter in Richtung der Athabasca Falls. Mal wieder Wasserfälle, aber im Gegensatz zu Gletschern jedes Mal ganz individuell und spektakulär. An der Abzweigung zu den Athabasca Falls sahen wir dann schon ein paar Autos an der Straße stehen und das heißt in Kanada eigentlich immer: Kamera rausholen. So auch diesmal. Am Straßenrand stand ein Schwarzbär, der sehr genüsslich und ohne von den haltenden Autos auch nur ansatzweise Notiz zu nehmen das Gras fraß. Jetzt haben wir also beide einen Bären gesehen – und vor allem auch fotografiert. Läuft gut. Adler, Erdmännchen, Ziegen, Wolf, Bär – check.

An den Athabasca Falls verweilten wir noch eine Weile und genossen das rauschende Wasser.

Bratwurst über dem Feuer

Von hier aus ging es nun weiter nach das kleine Örtchen Jasper. Hier änderte ich das Wetter ständig. Wir machten ein paar Einkäufe, besuchten das obligatorische Visitor Center (Wlan) und machten uns dann auf den Weg zu unserem Campground, dem staatlich geführten Whistler Campground, ca. 4 Kilometer vor der Stadt Jasper. Hier bekamen wir einen schönen ruhigen Platz im Wald. Da es noch nicht mal 17 Uhr war und wir quasi spontan beim check in Feuerholz gekauft hatten, beschloss ich nochmal in die Stadt zu laufen und Bratwürste zu kaufen. In der Theorie ist so ein Plan meist besser als in der Praxis. Ich lief also die gut 4 Kilometer Richtung Jasper Downtown. Erst ging es quer durch den Campground, dann ein Stück an der Straße lang und dann am Fluss entlang durch den Wald. Logisch, dass ich am Fluss langgehe, ist ja viel schöner als an der breiten Straße. Hätte ich nicht ein paar Stunden vorher schon einen Bären gesehen, hätte ich meinen Spaziergang schon etwas mehr genossen. Also kam wieder Kraftclub zum Einsatz. Die hatte ich eigentlich in Peachland nur zum joggen runtergeladen, aber jetzt waren sie meine Allzweckwaffe gegen Bären im Wald. Für den Rückweg kann ich mir ja dann ein Taxi nehmen. Naja. Nachdem ich im Supermarkt war, dachte ich mir, der Rückweg ist auch nicht länger als der Hinweg, also kann ich auch laufen. Schon clever. Mit Bratwurst auf dem Rücken durch den Bärenwald…. Ich ging also schnellen Schrittes mit laut schallendem Kraftclub und „Nie wieder Ritalin“ durch den Wald in Alberta, Kanada und traf keinen Bären. In diesem Fall war das auch gut  so.

Zur Belohnung gab es dann also abends Lagerfeuer und Bratwürste auf dem offenen Feuer gegrillt. Hat eine Weile gedauert, aber sie waren lecker. (Die Bratwürste hießen übrigens „Das Brat“).

Schon eine Woche Urlaub: Johnston Canyon, Banff und ein Wolf

Von Samstag dem 13. Mai 2017 – Tag 7, Johnston Canyon und Banff :

Heute morgen war es echt kalt. Wir sind wieder sehr früh wach geworden, die erste Aktion, war Heizung an. Draußen waren heute Nacht sicherlich leichte Minusgrade. Nach unserem gewohnten Frühstücksritual mit Kaffee und frisch gepresstem Orangensaft (ist ja schließlich Urlaub) sollte es vormittags zum Johnston Canyon gehen. Vorher noch ein kurzer Stopp bei den Hoodoos. Keine 500 m von unserem Campground entfernt ist eine Aussichtsplattform („Hoodoo View Point“) von der aus man diese Erdsäulen wunderbar anschauen kann. Hier startet auch der Tunnel Mountain Trail, den wir noch ein Stückchen hochliefen um eine bessere Sicht auf die Hoodoos zu bekommen.

Um dann weiter zum Johnston Canyon zu kommen, mussten wir nur ca. 5 km auf dem Highway 1 zurückfahren und dann nochmal 17 km auf dem Bow Valley Parkway 1A. Dieser fuhr sich gut, erlaubte Höchstgeschwindigkeit waren 40-60 km/h. Am Johnston Canyon gibt es ausreichend Parkplätze und auch einen Campground, der jedoch noch geschlossen ist. Wir sind dann den Canyon hochgelaufen bis zu den Lower und Upper Falls. Es erinnerte mich etwas an die Partnachklamm in Garmisch. Schön zu laufen, und morgens um 10 auch noch nicht so voll. Hoch und runter waren wir grob 2h beschäftigt. Als wir wieder abfuhren, kamen noch viele Autos. Ich denke, tagsüber ist da gut was los. Auf dem Rückweg über den Bow Valley Parkway trafen wir noch ein paar Bergziegen die es sich auf der Straße und daneben bequem gemacht hatten. Ein paar hundert Meter später wollte ich noch an einem Viewpoint halten. Wir staunten nicht schlecht, als plötzlich ein einsamer Wolf über die Straße an uns vorbeilief. Zum Glück ohne Eile, so konnten wir ihn fotografieren. Unser nächster Halt sollte nun das Örtchen Banff sein. Einerseits wollten wir ein wenig schlendern, andererseits brauchten wir noch ein paar Kleinigkeiten. Der Ort ist verglichen mit den bisherigen Stationen etwas größer und wirklich schön. Es gibt viele Geschäfte und alles was man so braucht. Mit ‘nem RV zu parken ist kein Problem, es gibt in der Nähe von Bahnhof und Polizeistation ausgewiesene Plätze. Wir haben noch ein paar Souvenirs erstanden und uns in einem der vielen Kaffees ans WLAN gehängt, um den Sonntag zu planen. Wlan gibt es im Banff Campground nämlich nicht, scheinbar in keinem der staatlichen Nationalparks, was auch irgendwie nachvollziehbar ist.

Als besonderes Highlight hatten wir uns für den späten Nachmittag / Abend eigentlich die Banff Upper Hot Springs überlegt, um ein wenig zu entspannen und in Ruhe zu duschen. Leider fanden wir mit unserem 10m Schiff keinen Parkplatz und so mussten wir wieder auf den Campground fahren. Stichwort 10 m Schiff. Ans fahren habe ich mich inzwischen gewöhnt, wenden in 3-10 Zügen klappt auch. Heute musste ich sogar auf einer Kreuzung kurz zurücksetzen um rumzukommen. Ist wirklich schön, so viel Platz zu haben, aber man kann halt einfach nicht zu allen Zielen fahren – oder man bekommt keinen Parkplatz.

Heute haben wir dann noch unfassbar günstig getankt. 1,099 $ – was ca. 0,75 € je Liter entspricht. Morgen haben wir dann großes vor: Wir wollen den Icefields Parkway Richtung Jasper fahren. Das dauert laut Google maps ca. 7 Stunden – für keine 200 km wohl gemerkt.

Mit dem Wohnmobil über Lake Louis zum Banff Nationalpark

Von Freitag dem 12. Mai 2017 – Tag 6, Emerald Lake, Lake Louis, Banff :

Es hat die ganze Nacht geregnet. Heute morgen waren wir immer noch froh, nicht in einem Zelt zu liegen, sondern in einem Wohnmobil. Wir sind wie gewohnt, gegen halb sieben aufgestanden und wollten heute eigentlich von Revelstoke weiter nach Golden am Trans Kanada Highway 1. Nachdem aber der Wetterbericht keine große Lust auf Wanderungen machte, beschlossen wir, gleich weiter bis Lake Louis zu fahren. So ging es heute also den Highway 1 entlang. In Golden mussten wir schon wieder tanken, diesmal für gefühlt teure 1,249 CAD $. Der Spritverbrauch nimmt in den Bergen doch deutlich zu. Tageshighlight im eigentlichen Sinne war unser Abstecher zum Emerald Lake. Kurz vor Field verließen wir den Highway 1 für ein paar Kilometer auf einer sehr guten, breiten Straße bis zum Emerald Lake im Yoho Nationalpark. Hier staunten wir nicht schlecht. Bisher waren wir gedanklich schon auf Sommer eingestellt, doch der Emerald Lake war noch fast komplett zugefroren. Auch wenn das Tauwetter unübersehbar war, war noch eine ca. 10cm dicke Eisschicht auf dem Wasser. Aber wir konnten erahnen, dass es hier (auch) im Sommer wunderschön sein muss. Auf dem Rückweg Richtung Highway machten wir in einer Kurve noch Halt bei einem „Natural Bridge“ genannten Viewpoint, wo sich das Wasser ganz wunderschön seine Bahn durch die Felsen schneidet. Wirklich sehr sehenswert.

Lake Louis im Mai – Winterschlaf

Von Field aus war es nicht mehr wirklich weit bis zum Lake Louis. Mit Lake Louis verließen wir British Columbia und waren nun in Alberta und in einer anderen Zeitzone. Jetzt wurde es abenteuerlich. Die Ausfahrt zum Lake Louis verpassten wir. Nach ca. 3 km konnten wir wenden und hielten im Besucherzentrum Lake Louis. Hier nahmen wir Prospekte und Karten mit und fuhren weiter zum ca. 1 km entfernten Campground Lake Louis, welcher ganzjährig geöffnet sein soll. Zu unserer Überraschung war er aber geschlossen. Also wenden – und zurück zum Besucherzentrum. Dort erzählte man uns, dass der Campground offen hätte sein sollen, aber wegen Construction, also Bauarbeiten / Renovierungen, noch nicht offen sei, aber „vielleicht“ morgen. Hm, knapp daneben. Wären wir nur zu unserem Ursprungsziel (Stand gestern Abend) Monarch Campground im Yoho Nationalpark  gefahren. Im Besucherzentrum wurde uns empfohlen entweder die ca. 30 km zum Monarch zurückzufahren, im 6 km entfernten Overflow zu übernachten oder weiter zum Banff zu fahren. Zurück wollten wir nicht, zum Banff auch nicht, da wir am nächsten Tag noch um den Lake Louis wandern wollten. Der Overflow liegt direkt am Highway und wurde von der Rangerin quasi als Wallmart der Campgrounds beschrieben. Man legt Geld in einen Briefumschlag (10-11 $) und hat eine Toilette, ansonsten nichts. Klang nicht sehr verlockend, aber um weniger hin und herfahren zu müssen, war Overflow unsere erste Wahl. Also wieder los, wieder den Highway 1 runter und nach 6 km sahen wir dann das ganze Ausmaß an Tristesse. Es war direkt neben dem Highway eine eingezäunte Betonwüste (=Parkplatz) mit Toilettenhäuschen. Hier waren uns nicht die 10 $ zu viel, sondern unsere Zeit. Da es gerade mal 16 Uhr war, dachten wir, wir könnten ja wenigstens schon zum Moraine Lake fahren, welcher in der Nähe von Lake Louis liegt. Also wieder zurück auf den Highway, wieder am Besucherzentrum vorbei und ab auf Lake Louis Drive bis Moraine Lake Road. Diese sollte dann ca. 11 km weiter bis zum See gehen. Irrtum. Einerseits war ein Schild an der Abbiegung angebracht, die sagte, die Straße sei schmal und nicht für große 31 Fuß Schiffe wie unseres gemacht. Andererseits sahen wir 100m weiter, dass die ganze Straße noch gesperrt war. Also neuer Plan. Weiter zum Lake Louis. Dort angekommen, sahen wir so viele Menschen, wie lange nicht mehr auf einem Fleck. Lake Louis und das dort liegende Hotel sind ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Viele Busse, Autos und Wohnmobile waren da. Wir auch. Am See stellten wir fest, dass der Winter noch nicht vorbei war. Auch der Lake Louis war noch fast komplett mit Schnee und Eis bedeckt. Es war kalt und zum umrunden des Sees lud uns das irgendwie alles nicht ein. Also Foto Foto Knipsi Knipsi und noch ein neuer Plan. Auf der Betonwüste Overflow übernachten wollten wir aber noch immer nicht, und um den Lake Louis wollten wir auch am nächsten Tag nicht mehr herumwandern, nicht bei 0 – 2 Grad. Also doch noch auf zum Banff. Nochmal 60 km, aber darauf kam es jetzt auch nicht mehr an. Wir fuhren wieder die Highway 1 bis Banff und nahmen die dritte Ausfahrt (exit) und fuhren bis zum 2. Village, da hier die RVs untergebracht sind. Am Check In konnte man schon sehen, dass der Lake Louis Campground noch geschlossen war: In zwei Reihen staute es sich – aber nach 15 Minuten waren wir drin. Wir wollen zwei Nächte bleiben und zahlen pro Nacht inklusive Strom 32 $ (aktuell ca. 22,3 €). Wasser und Abwasser kann man auch ablassen / tanken, aber an einer zentralen Station, was völlig ausreicht. Strom war uns mit Blick auf die Temperaturen für die Heizung sehr recht. Der Camping Platz ist sehr groß, aber man hat Platz. Wir stehen in erster Reihe mit Blick auf den Horizont. Der Platz wurde uns zugewiesen. Nach einem kräftigen Schauer hat sich das Wetter auch wieder beruhigt. Morgen schauen wir uns das Örtchen Banff an.

Zeitung lesen bildet auch im Urlaub

Ein Blick in die örtliche Lokalpresse ist übrigens auch recht empfehlenswert. So habe ich spannende Infos über das Leben in Banff und Umgebung erfahren. Es gibt z.B. in der Gemeinde Canmore eine freiwilliges „Fruit Tree removal program“, welches Hausbesitzern in einer bestimmten Zone kostenlos die Obstbäume entfernt und gegen andere Bäume ersetzt. Apfelbäume locken nämlich Bären an – und mit den Bären wollen die Kanadier möglichst keinen Stress. Im Sportteil lachte uns dann noch eine Anzeige an… am morgigen Samstag findet das alljährliche Bikini Ski-Fahren statt. Mir wäre das ja noch eindeutig zu kalt. Aber schöne Tradition.

Es wird bergig – von Peachland nach Revelstoke in den Rocky Mountains

Von Donnerstag dem 11. Mai 2017 – Tag 5, Revelstoke, Rocky Mountains:

Der Frischwassertank ist leer

Wir sind immer noch in Peachland. Nachts gab es schon ein paar Tropfen Regen, doch morgens war wieder alles trocken. Wir sind mit einem traumhaften Blick durch die Windschutzscheibe auf den Okanaga Lake aufgewacht. Nach dem Frühstück ging es nochmal daran, die Tanks zu überprüfen. Komischer Weise war Frischwasser leer, obwohl wir es am Tag davor aufgefüllt hatten. Mit etwas Entdeckungsgeist haben wir dann rausgefunden, dass es am Frischwasserschlauch liegt. Da kam nämlich gar nichts durch. Wir haben also den Tank noch nicht aufgefüllt. Wasserhahn Check, Schlauch Check – blieb nur noch eine auf den Schlauch geschraubte Düse. Die schien kein Wasser durchzulassen. Da wir nicht beurteilen konnten, ob wir zu doof oder das Teil zu kaputt waren, baten wir jemanden von Todds Campingground um Hilfe. War ne gute Idee. Die Düse ist wirklich kaputt und viel besser – wir brauchen sie nicht. Sie war nur aufgeschraubt, um den Druck zu regulieren, wenn wir (statt nur die Tanks zu füllen) direkt an die Leitung angeschlossen werden wollten. (So ein RV hat empfindliche Systeme und da braucht es nicht den gleichen Wasserdruck wie in einer normalen Leitung.) Bei der Gelegenheit haben wir auch noch erfahren, dass wir das Wasser immer für mindestens eine Minute abkochen sollten. Ungekocht haben wir es eh nicht getrunken, aber schön, dass wir mal drüber reden.

Auf in die Rocky Mountains nach Revelstoke

Mit aufgetanktem Frischwasser ging es dann also weiter von Peachland zu unserem Tagesziele Revelstoke in den Rocky Mountains. Wir fuhren durch die Rush Hour von Kelowna, vorbei an überfluteten Gebieten und machten einen Zwischenstopp im Safeway Supermarkt in Vernon. Den hatten wir uns vorher in der Karte ausgesucht, da er einen großen Parkplatz hat und direkt an dem Highway 97 liegt. Safeway ist sowas wie Edeka. Riesenauswahl, man muss aufpassen, dass man nur kauft was man auch essen kann. Es gibt so viele verdammt leckere Sachen – auch schon fertig. Salate, Sushi, selbst Hühnchen…

Von Vernon ging es dann weiter über den 97A bei teils strömendem Regen und ordentlich Verkehr. Wir haben auch wieder 2-3 Baustellen passiert, die mit one lane Traffic unseren Verkehr aufhielten. Aber diese Einspur-Verkehr-Baustellen sind für mich als Hauptfahrer auch mal eine nette Gelegenheit Inne zu halten und durch die Gegend zu schauen.

Wir passierten auch immer wieder große klare Seen mit kleinen Stränden und großen Beachressorts. Im Sommer muss hier die Hölle los sein. Bei Sicamous ging es dann zurück auf den Trans Canadian Highway 1 für das letzte Stück. Dieser ist meistens wunderbar breit und schlängelt sich zusammen mit Bahnschienen durch die Täler. Schließlich waren wir gegen 14 Uhr in Revelstoke. Wir steuerten erstmal das Visitor Center an, da man dort gut mit dem RV parken kann (Seitwärts in der Victoria Road, auch mit nem langen Wohnmobil). Wir wussten zwar schon, dass wir zu „Williamson Lake Campground“ möchten, in der Camping Broschüre stand aber nur, dass der William „Mitte Mai“ öffnet. (Alternative wären 2 Campingplätze zwischen Highway und Bahnschienen gewesen.) Wir erfuhren, dass der William bereits geöffnet hat.

Schlendern durch Revelstoke und ein Bär

In Revelstoke Downtown gab es dann erstmal einen Kaffee und eine Erkundungsrunde. Im Vergleich zu Peachland ist hier viel geboten. Es gibt mehrere Restaurants, verhungern muss man nicht. Nach einem ausgedehnten Spaziergang am Fluss entlang, machten wir uns gegen 15:30 auf den Weg zum Campground. Und 800m vor dem Campground war es dann so weit. Ich sah meinen ersten Bären, ca. 200 m entfernt durchs Unterholz hoppeln. Anhalten. Kamera schnappen. Feststellen, dass der Bär weg ist. Weiterfahren. Der Campground ist etwas kleiner, ca. 60-70 Plätze und er war schon gut besucht. Wir wollten heute gern nur mit Strom um ein paar $ zu sparen, aber diese Plätze mit „partly Service“ waren nicht mehr frei. Ehrlich gesagt, dachten wir anfangs, die alte Lady will nur die teuren Plätze auslasten in der Nebensaison. Aber gegen 17 Uhr war der Platz voll und die ersten Camper wurden wieder weggeschickt. Wer hätte das gedacht. Wir haben dann noch einen kleinen Spaziergang durchs Unterholz gemacht, eigentlich wollten wir zu dem Wasserfall auf der anderen Seite des Sees gehen. Wir haben laut vom iPhone Kraftklub abgespielt. Man soll laut sein, wenn man durch den Wald geht. Da wir nämlich auf der Herfahrt einen Bären gesehen hatten, sind wir dann doch lieber umgedreht. Bären aus dem Auto sehen ist eben doch cooler als Bären im Wald treffen. Es sind war hauptsächlich Schwarzbären unterwegs, die im Vergleich zum Grizzly klitzeklein sind – aber mit 110 kg sind sie immerhin Superschwergewicht und nicht ganz ungefährlich. Abgesehen davon, weiß man ja nicht, wie man selbst reagiert.

Gegen 21 Uhr fing es an zu regnen und hat bis Freitag auch nicht mehr aufgehört. Gut, dass wir ein Wohnmobil haben und nicht in nem Zelt sitzen müssen, wie einige andere heute Abend.

Von Hope nach Peachland am Okanagan Lake

Von Mittwoch dem 10. Mai 2017 – Tag 4, Peachland am Okanagan Lake:

Nachdem wir Dienstag früh schlafen gingen, waren wir am Mittwoch morgens um 6 Uhr schon wieder fit. Einerseits hat das Wohnmobil eine Deckenluke, die Licht einlässt – andererseits konnte man das Signal der entlang des Flusses fahrenden Züge gut hören. Unser erstes Frühstück im Wohnmobil hat gut geklappt. Der Gasherd funktioniert und ein Gestell für Kaffeefilter samt Thermoskanne gehört zur Ausrüstung. Filtertüten hatten wir importiert. Nach dem entspannten Frühstück brachen wir gegen 08:30 Uhr auf.

Von Hope nach Peachland

Heutiges Ziel: Peachland am Okanagan Lake. Ab Hope fuhren wir kurz auf dem Highway 5, dann aber nach wenigen Kilometern auf den Highway 3 Richtung Sunshine Valley. Es ging vorbei am Manning Park über Princeton bis Keremeos, wo wir auf die 3 A abbogen. Am „Skaha Lake“ ging es dann auf die 97, vorbei an Penticton bis nach Peachland am Okanagan Lake. Für die ca. 290 Kilometer des heutigen Tages haben wir ca. 4 Stunden gebraucht. Wir haben außer der ein oder anderen Pause zwar keine großen Zwischenstopps gemacht, aber es zieht sich schon. Man fährt eben nicht über eine deutsche Autobahn, sondern durch British Columbia – und auch wenn ich fahre, versuche ich natürlich etwas von der Landschaft aufzusaugen.

Wir haben heute viele von Bergen eingefasste Seen, ein paar Baustellen mit abwechselndem einspurigen Verkehr, langgezogene Täler, blühende Apfelbäumchen, einen Bären und einen kanadischen Mittelfinger gesehen. (Womit sich der Kreis zu den 4h wieder schließt – ich bin meist 80-90 km/h gefahren und nicht überall konnte man mich sofort überholen). Den Bären hat Katrin im Augenwinkel gesehen, leider in einer Baustelle, so dass ich nicht anhalten konnte. Aber für den zweiten Tag ist quasi ein halber Bär schon mal eine gute Quote wie ich finde.

Kurz vor Peachland haben wir auch zum ersten Mal getankt. Tanken war völlig unkompliziert. Normalerweise muss man bei kanadischen Tankstellen vorher einen Betrag wählen und mit der Kreditkarte bestätigen – es wird nur abgebucht, was man getankt hat, eine Quittung gibt es sowieso, wenn man will. Aber eh wir auch nur schauen konnten, kam hier der Tankwart und meinte, er stellt es so ein, dass wir hinterher zahlen können. Unser Tank war noch gut zur Hälfte gefüllt, wir haben noch ca. 86 Liter für 101 kanadische Dollar hinzugetankt. Ich vermute der Tank fasst 200 Liter insgesamt. Abends habe ich noch ein wenig gerechnet: Für unsere knapp 400 km hat unser 10 Zylinder Monster im Schnitt 22-23 Liter auf 100km verbraucht. Das ist wohl erstmal ganz gut und liegt sicherlich an unser geringen Besetzung (2 Personen statt bis zu 6), dem aktuell noch recht flachen Land und meiner respektvollen Fahrweise. Abends habe ich noch ein wenig gerechnet und komme bei einem Spritpreis von aktuell 1,179 CAD und einem Kurs von ca. 1,48 CAD für 1 € auf Kosten von knapp 18 € je 100 km für Benzin.

In Peachland angekommen, haben wir direkt Todds RV & Camground angesteuert, welches direkt am See liegt. Wir haben uns diesmal für „Full hook up“ entschieden. Das bedeutet Wasseranschluss, Stromanschluss, Abwasseranschluss. Die Anschlüsse haben wir nun zum ersten Mal selbst benutzt und es hat gut geklappt. Ist nicht schwer – keine Angst. Für eine Nacht zahlen wir dem freundlichen Todd 47,25 CAD $. (32,15 €). Wir haben einen Platz direkt mit Seeblick bekommen, das ist echt schön.

Nachmittags bin ich bei angenehmen 20 Grad ein paar km am See entlang gejoggt bis in den Ort hinein und wieder zurück. (Um den See laufen scheidet bei 130 km Länge leider aus). Peachland scheint ein netter kleiner Rentnerort zu sein. Alles sauber, gepflegt und ruhig. Und der See direkt vor der Tür. Der Ort besteht hauptsächlich aus der Beach Avenue. Und schon ist wieder ein Tag um. Morgen wollen wir vorbei an Kelowna weiter nach Revelstoke fahren.

14 Tage mit dem Wohnmobil durch British Columbia – es wird ernst

Von Dienstag dem 09. Mai 2017 – Tag 3 – die Wohnmobilübernahme:

Aufgewacht nach der zweiten kurzen Nacht in Vancouver mussten wir schon wieder packen. Um 09.30 müssen wir bereits an der Templeton Station für den Pick up durch den Wohnmobil Vermieter sein. Gleich morgens um 7 Uhr wollten wir im CIBA, dem ans Hotel angeschlossenen Restaurant, frühstücken, doch wie das immer so ist, wenn man irgendwo pünktlich erscheint: Es war noch keiner da. Die Hotel Rezeption rief uns dann 20 min später an, als das Restaurant fertig war. Wir hatten Rührei und Kaffee… für knapp 20 $. War sehr lecker. Anschließend check out und ab zum Skytrain, Haltestelle „Vancouver City Center“ bis „Templeton Station“. Templeton ist 2 Stationen vor YVR (dem Flughafen) – hier gibt es nur Parkplätze und ein Outlet. Hier trafen wir dann auf andere Four-Seasons-Kunden, natürlich u.a. auch Deutsche.

Pick up Service und Wohnmobil-Übernahme

Pünktlich gegen 9.30 kam unser Pickup Service. Nachdem alle Koffer im Anhänger verstaut waren, ging es auch schon los – leider war der Anhänger nicht verschlossen, sodass wir schon wenige Minuten später die Koffer auf der Straße liegen sahen. Hängertür nicht verriegelt. Das war dem Fahrer zu Recht etwas peinlich. Also Koffer auf offener Straße im Verkehr wieder eingesammelt und weiter ging es in das ca. 80 Kilometer entfernte Abbotsford zur Mietstation von Four Seasons. Hier waren wir sehr positiv überrascht. Als wir vorfuhren, standen direkt 3 Mitarbeiter bereit, um uns und die anderen Kunden in die bereitstehenden Wohnmobile einzuweisen. Muttersprachler wohlgemerkt. Und so wurde uns das Wohnmobil von einem ausgewanderten Deutschen erklärt. Nun hatten wir es dann auch tatsächlich vor Augen. Unser Wohnmobil war das Größte in der Reihe – und so real vor uns war es jetzt wirklich groß. 31 Fuß bzw. 9,70 Meter lang. Die Einweisung erfolgte schnell aber nicht gehetzt. Mal schauen, wie viel wir uns merken. Frischwasserschlauch am falschen Anschluss könnte Toilettenflutung bewirken, wie wir hörten 🙂 . Der Papierkram ging auch relativ schnell, hatte aber nochmal einen eher mulmigen Moment. Wir hatten zwar eine Versicherung ohne Selbstbeteiligung, aber es gibt eben auch immer Ausschlüsse in den Versicherungen. Durch zu tiefe Brücken fahren bzw. in ein Parkhaus fahren, wäre genau wie ein beschädigter Unterboden eigene Blödheit und entsprechend selbst zu bezahlen. Passiert natürlich niemandem – ein paar Fotos in der Vermietstation beweisen das reale Gegenteil. Auch wenn ich sicher bin, dass uns das nicht passieren wird, ist so ein großes Wohnmobil natürlich auch nicht billig. Insofern habe ich mich damit getröstet, dass wir bei Four Seasons ja sowieso keine nagelneuen Wohnmobile bekommen und im Fall des Falles also auch der Schaden geringer ausfallen müsste.

Warum bekommen wir so ein großes Wohnmobil?

Inzwischen war uns auch klar, warum wir so ein Riesenschiff bekommen hatten. Zumindest haben wir eine klare Vermutung. In der Nebensaison kommen wahrscheinlich eher Europäer, die natürlich nur die Größe buchen, die sie brauchen und im Zweifel eher etwas Kleineres nehmen. Wenn dann im Sommer z.B. Kanadier mit der Family das Wohnmobil ausleihen, fahren die zum Campingplatz ihrer Wahl und bleiben da. Anders konnte ich mir auch nicht erklären, dass unser Wohnmobil – trotz seines vermuteten Alters von ca. 3 Jahren –  noch nicht mal 19.000 Meilen auf dem Tacho hatte.

Und dann war es das auch schon. Nach einer kurzen Einweisung zu Kühlschrank (elektronisch und mit Gas betrieben), Slide out, Black Water, Grey Water, Propangas, City Tank Refill, Axt, Stromanschluss, Innenbeleuchtung, Chemietoilette, Wasserpumpe, Wasserheizer, Zubehör und sonstigen Funktionen des Wohnmobils hieß es dann: Alles klar, viel Spaß, gute Fahrt! Ehrlich gesagt hätte ich mir in dem Moment erstmal ein paar Fahrstunden mit dem Monster gewünscht. Aber nein. Es ging direkt los.  Also fuhren wir langsam los in Richtung Hope, unser ca. 80 km weit entferntes Tagesziel.

Da wir aber auch noch einkaufen mussten, fragten wir die Vermieter nach einem guten Supermarkt auf dem Weg. Alles mit Tiefgarage und Parkhaus ist für uns, wie schon erwähnt, natürlich tabu.

Die ersten Kilometer mit einem 31 Fuß langen RV

Der Vermieter empfahl uns das Örtchen Chilliwack welches ca. auf halber Strecke nach Hope am Highway 1 liegt. Wir mussten nur den Superstore an der 119. Ausfahrt (exit) suchen. Also Supercenter ins Navi (auf dem iPhone) eingegeben und los. Dummerweise gab es hier schon das erste Problem. Das Supercenter, dass ich eingab, war schon etwas früher und etwas schlechter gelegen. Und so ging schon nach wenigen km etwas schief. Mit dem 10 m Schiff will man auch nicht unbedingt durch die Stadt cruisen und nach etwas suchen. Kam dann trotzdem so, aber wir haben es geschafft. Unser Wohnmobil über die Autobahn, Verzeihung, den Highway zu lenken, war nicht sonderlich schwer. Trotz der möglichen 110  km/h fuhr ich respektvolle 90 km/h was für den ersten Tag völlig ausreichend war. Schon ein komisches Gefühl von einem Sattelschlepper links überholt zu werden. Das war gang und gäbe, der Highway war gut befahren.

Angekommen in Hope, fuhren wir (ohne Navi – hier bereits verließ uns die ChatR Mobile Data Zone (Fehlkauf!)) erstmal zu den zwei vorher ausgespähten Campingplätzen. Doch diese waren uns von Anfang an etwas unangenehm, da sie zwischen Highway und Bahnstrecke lagen. Im  Bus zur Vermietstation hatten wir ein älteres Ehepaar kennengelernt, die für ganze sieben Wochen unterwegs sein wollten. Sie empfahlen uns einen Campground in Hope, der bei den Othello Tunnels liegen sollte. Das war erstens nicht zwischen Highway und Bahnschienen und zweitens klang es ganz sehenswert. Wir fuhren also nach Hope und fragten uns durch. Auf den letzten 3 km wurde die Straße deutlich schmaler und in den Bergen waren wir auch schon. Uns verließ dann doch der Mut: Die Straße sah nicht aus, als würden dort zwei Wohnmobile aneinander vorbeikommen. Wir drehten um, um an dem bereits passierten Coquihalla Campground zu nächtigen. Dieser liegt im Wald, direkt an einem Zufluss des Fraser River und ist eher überschaubar. Nachdem wir eine Platzrunde gedreht und uns einen „Parkplatz“ ausgesucht hatten, ging es zur Anmeldung. Für 34,02 CAD $ durften wir bleiben. Testweise erstmal ohne Strom und Abwasser. Beim Check-in erzählte uns die Dame auch noch, dass die Othello Tunnels aktuell geschlossen seien – insofern waren wir dann recht zufrieden mit unserer Entscheidung.

Nachdem wir uns im Wohnmobil und am Campingplatz eingerichtet und die Koffer ausgepackt hatten, haben wir noch einen Spaziergang zum nahegelegenen „Kawkawa Lake“ gemacht. Dieser liegt mitten in den Bergen. Sehr idyllisch. Überall diese Wahnsinns-Landschaft, und das gleich am ersten Tag.

Anschließend wurde noch der nächste Tag geplant. Ab zum Okanagan Lake.

Vancouver mit dem Fahrrad entdecken – Granville Island Public Market, Stanley Park

Von Montag dem 08. Mai 2017 – Tag 2:

Dank Jetlag sind wir nicht wirklich ausgeschlafen, dafür aber relativ früh in Vancouver aufgewacht. Unser Bett im Moda Hotel war super, müde waren wir trotzdem. Da wir kein Frühstück im Hotel gebucht hatten, haben wir uns eine Alternative rausgesucht: „Breka Downtown“ sprach uns mit dem Angebot einer netten Bäckerei mit 24 h Öffnungszeiten an. Wir wurden nicht enttäuscht. Es war gemütlich und lecker. Frisch gestärkt liefen wir weiter in Richtung Denman Street. Hier hatten wir uns einen Fahrradverleih rausgesucht. Zu unserer Überraschung gab es hier nicht einen Fahrradladen, sondern ca. 5-6. Wir nahmen also „irgendeinen“ und liehen uns zwei Fahrräder bei Spokes Bicycle Rental aus. Wir zahlten für 6 Stunden 30 $ (ca. 20,30 €) je Fahrrad. Es gab zwar auch günstigere, aber wir wollten welche mit Gangschaltung haben. Zu den Rädern gab es noch Schlösser und Fahrradhelme. Es ist in Vancouver Pflicht einen Fahrradhelm zu tragen.

Mit dem Fahrrad Vancouver erkunden

Unser erstes Ziel sollte der Granville Island Public Market sein. Doch um nicht quer durch die Stadt zu fahren, fuhren wir erstmal auf kürzestem Wege Richtung Osten ans Wasser. Von hier folgten wir dem Radweg am Wasser entlang. Ließen den Stanley Park erstmal rechts liegen und fuhren am Strand entlang bis zur Burrard Bridge. Mit etwas suchen, fanden wir den Weg auf die Brücke und überquerten diese. Mit einem großzügigen Rechtsschlenker fanden wir ans Wasser zurück und folgten dem Radweg bis wir unter der zweiten Brücke ankamen. Hier schlossen wir unsere Räder an und besuchten zu Fuß den Granville Island Public Market. Der Markt ist eindeutig an Endkunden gerichtet, man sieht keine Schweinehälften, sondern viele kleine appetitliche Leckereien. Es gibt frischen Fisch, die verschiedensten Salate, fein säuberlich aufgestapeltes Obst und Gemüse, Pralinen, Wurst, Käse, Nudeln… was auch immer man so essen könnte. Ich wäre gern 2 Wochen in Vancouver geblieben, nur um  jeden Tag etwas Anderes zum Mittag auf dem Granville Island Public Market zu essen. Wir entschieden uns für zwei Salate und einen herzhaften Muffin – anschließend noch einen Kaffee. Auf der Insel gibt es aber nicht nur den Foodmarket. Es gibt auch eine künstlerisch-kreative Szene mit ein paar Läden und Galerien. Es lohnt sich über die Insel zu schlendern und den ein oder anderen Laden zu besuchen. Ein Betonwerk gibt es auch.

Von der Insel fuhren wir mit dem Rad weiter südwärts, immer am Wasser entlang. Wir kamen am Olympia Dorf (olympic village) vorbei und nachdem wir schließlich den gesamten ca. 2 km langen Meeresarm False Creek umrundet hatten, ging es für uns wieder am Ufer entlang zurück. Vorbei am English Bay Beach steuerten wir diesmal den Stanley Park an und umrundeten auch diesen immer am Wasser entlang. Von hier hat man einen super Blick auf den Norden und den Westen von Vancouver, sowie auf die Lions Bridge – und einen Weißkopfseeadler konnten wir auch schon fliegen sehen. Unsere erste Tierbeobachtung in Kanada. Gegen Abend schlenderten wir dann nochmal durch Gastown, nochmal vorbei an der Dampfuhr, vorbei an ziemlich vielen Junkies und durch ein paar Souvenirläden.

Eine Daten-Prepaid-Karte in Kanada kaufen – ein ganz besonderes Abenteuer für den interessierten Leser.

Später versuchte ich uns dann noch eine Prepaid Karte mit Datenvolumen für das iPad zu kaufen. So kann man einerseits günstig unterwegs  navigieren und andererseits kann man sofort nachlesen, was denn da vor einem für eine Sehenswürdigkeit liegt. So ungefähr hatte ich das auch für unseren Kanada Urlaub geplant, schließlich lagen noch 14 Tage Wohnmobilrundreise vor uns. Auf bisherigen Reisen auf der Ringstraße um Island oder auf Sardinien hat das immer super funktioniert – warum nicht auch in Kanada?

Im Internet hatte ich vorab gelesen, dass Rogers Telecom das beste Netz in Kanada hat. Also spazierte ich gegen Abend in einen Rogers Laden in der Nähe vom Hotel und fragte nach einer Prepaid Datenkarte. Die Jungs waren bis dato allein im Laden, erklärten mir aber dennoch, dass sie ja Rogers Telecom seien und dass die sich mit sowas wie Prepaid nicht aufhielten. Sie hätten aber eine Tochter namens ChatR Mobile, die auch Prepaid Tarife anböte. Ich sollte doch einfach ein paar Blocks weiter zu Bestbuy gehen und da könnte ich das kaufen. Zu Bestbuy wollte ich sowieso, also ok. Bei Bestbuy schaute mich der Verkäufer mit großen Augen an und meinte nur Daten-Tarife gäbe es gar nicht in Kanada. Aber etwas weiter in der Shopping-Mall um die Ecke, gäbe es einen Kiosk, der könne mir vielleicht weiterhelfen. Also ging ich in die Mall, suchte nach einem Kiosk und siehe da: Der konnte / wollte mir auch nicht helfen. Könnte daran gelegen haben, dass die um 19 Uhr schließen und es kurz vor 19 Uhr war. Clever wie ich war, dachte ich mir, gut, wenn die bei Bestbuy noch nen Sprachtarif verkaufen wollen – bitte. Nehm ich eben Sprache dazu und packs ins iPhone. (Weil im iPad funktioniert das nicht wie der Verkäufer meinte. Glaube ich bis heute nicht.)  Also wieder zu Bestbuy. Hinweis auf die Vorgeschichte, und dass ich bereit bin, eine gemischte Karte für Daten und Telefonie zu kaufen. Er hielt mir einen Ordner mit relativ alten Konditionen von chatR mobile vor die Nase. Ich wählte den Tarif mit der größten Daten Gigabyte Anzahl und kaufte diesen für 50 $ plus Steuern. Auf dem Vertrag stand dann sogar was von 6 GB, statt der 4 GB in den Verkaufsunterlagen. Für einen Moment dachte ich, ich hätte alles richtiggemacht. Leider nein: Um das schon vorwegzunehmen: Kaum waren wir aus Vancouver raus, bekam ich ständig SMS von ChatR, dass ich außerhalb ihrer Datazone sei. Hab dann später auf nem Campingground im Wlan gegoogelt was ihre Datazone ist. Kurz gesagt, überall da wo jedes Cafe Wlan anbietet ist ChatR auch vertreten. Totaler Fehlkauf. Meine Beschwerde via Facebook hat die natürlich nicht interessiert. Vielleicht mit Glück haben wir nochmal Datennetz, wenn wir wieder in der Nähe von Vancouver sind. Fazit: Aktenzeichen 3G in Kanada für mich ungelöst. Wir werden uns dann über die Reise mit Offline Karten von Forever Map und Google Maps behelfen müssen. Nicht sehr bequem, aber eine akzeptable Notlösung.